--- name: onlineportal-paywall-datenbankrecht-schnittstelle description: "Verlagsrecht: Online-Portale, Paywalls, Datenbankrecht (UrhG §§ 87a ff.) und API-/Schnittstellen-Nutzung — Lizenzmodelle, API-Terms, Screen Scraping und TDM-Schranken im Verlagsrecht/Buchpreisbindung: prüft konkret die einschlägigen Tatbestandsmerkmale, Fristen, Belege und Rechtsprechung." --- # Verl-036 · Online-Portal, Paywall, Datenbankrecht und Schnittstelle ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Zweck dieses Skills Verlage betreiben zunehmend **Online-Portale** mit Paywalls und API-Schnittstellen für digitale Fachinhalte. Das **Datenbankrecht** (UrhG §§ 87a–87e) schützt die Investition in die Datenbank, während das Text-und-Data-Mining-Recht (§ 44b UrhG) bestimmte Nutzungen erlaubt. Dieser Skill klärt die vollständige Rechtslage. ## Rechtsgrundlagen | Norm | Inhalt | Quelle | |------|--------|-------| | UrhG § 87a | Datenbankrecht: Begriff der Datenbank | https://dejure.org/gesetze/UrhG/87a.html | | UrhG § 87b | Ausschließlichkeitsrecht: Entnahme und Weiterverwendung | https://dejure.org/gesetze/UrhG/87b.html | | UrhG § 87c | Schranken des Datenbankrechts | https://dejure.org/gesetze/UrhG/87c.html | | UrhG § 87e | Verbot von Abreden entgegen den Schranken | https://dejure.org/gesetze/UrhG/87e.html | | UrhG § 44b | Text- und Datamining (TDM) | https://dejure.org/gesetze/UrhG/44b.html | | DSM-RL Art. 3–4 | TDM für Wissenschaft und kommerzielle Zwecke | https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32019L0790 | | BGB §§ 305 ff. | AGB-Recht für Datenbanknutzungsverträge | https://dejure.org/gesetze/BGB/305.html | ## Datenbankrecht (§§ 87a–87e UrhG) ### Schutzvoraussetzungen - **Wesentliche Investition** in Beschaffung, Überprüfung oder Darstellung der Inhalte. - Kein Mindestumfang; Qualität der Investition entscheidend. - Nicht erforderlich: Schöpfungshöhe; das ist der Unterschied zum Datenbankwerk (§ 4 UrhG). ### Schutzinhalt (§ 87b UrhG) - Verbot der **wesentlichen Entnahme** (qualitativ oder quantitativ) aus der Datenbank ohne Erlaubnis. - Wesentlich: Mehr als unerheblicher Teil; auch wiederholte unwesentliche Entnahmen können kumuliert wesentlich sein. - Rechtmäßiger Nutzer (mit Lizenz): Darf unwesentliche Entnahmen für eigene Zwecke vornehmen. ### Schranken (§ 87c UrhG) - Private Nutzung (nicht für kommerzielle Datenbanken). - Wissenschaftliche Forschung (für nicht-kommerzielle Zwecke). - Text- und Datamining (§ 44b UrhG i.V.m. § 87c UrhG). ### Schutzfrist - 15 Jahre ab Fertigstellung; läuft neu an bei wesentlicher Investition in Aktualisierung. ## Paywall: Rechtliche Gestaltung ### Zugangsbeschränkung - Technische Schutzmaßnahme: Paywall ist keine urheberrechtliche Schutzmaßnahme, aber vertragsrechtlich bindend. - Umgehung: Strafbar nach § 202a StGB (unbefugtes Eindringen in Computersysteme), wenn passwortgeschützt. - „Screen Scraping" (Automatisiertes Auslesen): Kann Datenbankrecht verletzen (§ 87b UrhG) und gegen AGB verstoßen. ### Nutzungsbedingungen (Terms of Service) - Klar definierte erlaubte Nutzungen: persönliche Lektüre, beschränkter Download, kein automatisiertes Auslesen. - Opt-Out für TDM (§ 44b Abs. 3 UrhG): Maschinen-lesbarer Vorbehalt gegen Text-/Datamining. - Verbot von Scraping, Indexierung, KI-Training. ## API-Schnittstellen und Lizenzierung ### Was ist eine API im Verlagskontext? - Verlage bieten API-Zugang für Partner, Wissenschaftler oder Entwickler. - API ermöglicht programmatischen Zugriff auf Artikel, Metadaten, Volltexte. ### API-Lizenzvertrag: Mindestinhalte 1. Zweck: Welche Nutzungen sind erlaubt (eigene Anwendung, Forschung, kommerzielle Produkte)? 2. Zugriffsgrenzen: Rate Limits (Anfragen/Sekunde), Datenmenge. 3. Verbotene Nutzungen: Erstellung konkurrierender Datenbanken, KI-Training ohne separaten Vertrag. 4. Datenschutz: Wie werden Nutzeranfragen verarbeitet? 5. Vergütung: Kostenlos (für Forschung), Staffelpreise (nach Zugriffsvolumen), Enterprise-Lizenz. ### Opt-Out für TDM (§ 44b Abs. 3 UrhG) - Verlag kann TDM für kommerzielle Zwecke durch maschinenlesbaren Vorbehalt ausschließen. - Umsetzung: robots.txt, AI-Datei auf der Website, API-AGB. - Auswirkung: Kommerzielle KI-Training-Nutzung ist dann nur mit separater Lizenz erlaubt. - Wissenschaftliche TDM-Nutzung bleibt erlaubt (§ 44b Abs. 1 UrhG) trotz Opt-Out. ## Screen Scraping und unlizenzierte Nutzung ### Rechtliche Einordnung - Automatisiertes Auslesen des Portals (Screen Scraping): Verletzt Datenbankrecht (§ 87b UrhG) bei wesentlicher Entnahme. - Verletzt ggf. § 202a StGB, wenn Sicherheitsmechanismen überwunden werden. - Vertragliche Klage: Verstoß gegen Nutzungsbedingungen → Schadensersatz + Unterlassung. ### Durchsetzung - Technische Maßnahmen: CAPTCHA, Rate Limiting, IP-Sperren. - Rechtliche Maßnahmen: Abmahnung, Unterlassungsklage, Schadensersatz. - Beweissicherung: Log-Dateien des Servers belegen Scraping-Aktivität. ## Typische Fallen - **TDM-Opt-Out nur in AGB, nicht maschinenlesbar**: Gilt formal nicht als wirksamer Vorbehalt nach § 44b Abs. 3 UrhG; robots.txt- oder AI-Datei fehlt. - **API-AGB schweigen über KI-Training**: Nutzer nutzt API-Daten für KI-Training → unklar ob erlaubt; vertragliche Lücke. - **Datenbankschutz nicht beansprucht**: Wettbewerber kopiert Datenbank systematisch; Verlag klagt; Datenbankrecht nicht geltend gemacht → Klage auf UrhG § 87b erfolglos, wenn Schutzvoraussetzungen bestritten. - **Paywall-Umgehung durch Archive.org**: Nutzung öffentlicher Cache-Versionen; im Einzelfall zulässig oder nicht. ## Checkliste Online-Portal und API - [ ] Datenbankschutz (§ 87a UrhG) geprüft und dokumentiert - [ ] TDM-Opt-Out maschinenlesbar auf Website (robots.txt oder AI-Datei) - [ ] Nutzungsbedingungen: Scraping-Verbot klar formuliert - [ ] API-Lizenzvertrag: Zweck, Limits, verbotene Nutzungen, Datenschutz - [ ] Monitoring: Log-Dateien auf ungewöhnliche Zugriffsmuster überwacht - [ ] Beweissicherungs-System für Datenbankrecht-Klagen ## Quellenreferenzen - UrhG §§ 87a–87e: https://dejure.org/gesetze/UrhG/87a.html - UrhG § 44b: https://dejure.org/gesetze/UrhG/44b.html - DSM-RL Art. 3–4: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32019L0790 - EuGH C-202/12 (Innoweb/Wegener — Datenbankrecht): https://eur-lex.europa.eu - BGH „Datenbank" I ZR 47/08: https://www.bgh.de ## Output-Formate - **Datenbankrechts-Check**: Investition, Umfang, Schutzfrist - **API-Lizenzvertrag-Muster**: Standardklauseln - **TDM-Opt-Out-Implementierung**: robots.txt-Snippet und AI-Datei - **Nutzungsbedingungen-Review**: Scraping-Verbot, erlaubte Nutzungen - **Scraping-Nachweis-Protokoll**: Log-Auswertung für Abmahnverfahren