--- name: uebersetzungsrechte-auslandslizenz-und-co-edition description: "Verlagsrecht: Übersetzungsrechte, Auslandslizenzen und Co-Editions — VerlG § 35, UrhG § 3, internationale Lizenzvertragsgestaltung, Verlagsrecht als Lizenzgeber und -nehmer im Verlagsrecht/Buchpreisbindung: prüft konkret die einschlägigen Tatbestandsmerkmale, Fristen, Belege und Rechtsprechung." --- # Verl-007 · Übersetzungsrechte, Auslandslizenz und Co-Edition ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Zweck dieses Skills Behandelt die **Internationalisierung** von Verlagswerken: Vergabe von Übersetzungslizenzen, Auslandslizenzen und Co-Edition-Arrangements. Er klärt die Rechtsgrundlagen, die Lizenzvertragsgestaltung, Honorarfragen für Übersetzer und die Besonderheiten des internationalen Lizenzhandels bei Buchmessen. ## Rechtsgrundlagen | Norm | Inhalt | Quelle | |------|--------|-------| | UrhG § 3 | Übersetzungen als selbständige Schutzwerke | https://dejure.org/gesetze/UrhG/3.html | | UrhG § 23 | Bearbeitungen und Umgestaltungen | https://dejure.org/gesetze/UrhG/23.html | | UrhG § 31 | Einräumung von Nutzungsrechten, territorial beschränkt | https://dejure.org/gesetze/UrhG/31.html | | VerlG § 35 | Übersetzungsrecht und Pflichten des Übersetzers | https://www.gesetze-im-internet.de/verlg/__35.html | | UrhG § 32 | Angemessene Vergütung für Übersetzer | https://dejure.org/gesetze/UrhG/32.html | | UrhG § 32d | Auskunftsanspruch des Übersetzers | https://dejure.org/gesetze/UrhG/32d.html | | BGB §§ 305 ff. | AGB-Kontrolle bei Standard-Lizenzverträgen | https://dejure.org/gesetze/BGB/305.html | | EU-VO 2017/1128 | Portabilität digitaler Inhalte (Territorialbeschränkungen) | https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32017R1128 | ## Übersetzungsrecht im Überblick ### Urheberrecht der Übersetzung (§ 3 UrhG) - Eine Übersetzung ist ein **selbständiges Schutzwerk**, sofern schöpferische Leistung (Gestaltungsspielraum bei Wortwahl, Stil, Syntax). - Übersetzer hält Urheberrecht an der Übersetzung; Original-Urheber behält sein Recht. - Beide Rechte müssen lizenziert werden, um die Übersetzung zu veröffentlichen. ### Bearbeitung vs. Übersetzung (§ 23 UrhG) - Übersetzung ist stets Bearbeitung; Veröffentlichung erfordert Zustimmung des Originalurhebers (§ 23 Abs. 1 UrhG n.F.). - Sachliche Überarbeitungen (neue Auflage angepasst an anderen Rechtsstand) können zusätzliche Bearbeitungsgenehmigung erfordern. ## Vertragsgestaltung: Lizenzgeber (dt. Verlag) an ausländischen Verlag ### Lizenzumfang - **Sprachliche Beschränkung**: Lizenz nur für z.B. spanische Sprache; alle übrigen Sprachen beim Lizenzgeber. - **Territoriale Beschränkung**: Lizenz für Spanien + Lateinamerika; klare Gebietsabgrenzung (ISO-Länderliste empfohlen). - **Zeitliche Beschränkung**: 5–10 Jahre Standardlizenz; Verlängerungsoption bei Erreichen bestimmter Verkaufszahlen. - **Nutzungsarten**: Print, E-Book, Hörbuch separat lizenzieren; keine Sammelformulierung „all media". ### Lizenzgebühr - **Advance**: Vorschuss gegen zukünftige Tantiemen; typischerweise 10–20 % des Erstauflagenerlöses. - **Royalties**: 7–12 % des Nettoladenpreises der Lizenzausgabe; bei E-Book ggf. höher. - **Mindestlizenzgebühr**: Auch wenn Absatz gering; schützt Lizenzgeber vor wertlosem Vertrag. - **Reporting-Pflicht**: Lizenznehmer muss mindestens jährlich über Absatz und Honorarberechnung berichten. ### Erscheinungspflicht des Lizenznehmers - Vereinbarte Erscheinungsfrist (i.d.R. 18–36 Monate nach Lizenzerteilung). - Erscheint die Übersetzung nicht: Lizenz fällt zurück (Rücktrittsklausel); Advance ggf. zurückzuzahlen. - Qualitätskontrolle: Lizenzgeber sollte Recht zur Prüfung der Übersetzung vor Erscheinen einräumen. ## Übersetzervertrag (VerlG § 35, UrhG §§ 32, 32d) ### Pflichten des Übersetzers - Vollständige und werkgetreue Übersetzung des Originals. - Ablieferung in vereinbarter Form und Frist. - Keine Parallelübersetzung für Dritte ohne Zustimmung (Exklusivitätsklausel üblich). ### Vergütung des Übersetzers - **Gemeinsame Vergütungsregeln** für literarische Übersetzer (VdÜ/Verleger-Verbände): - Worthonorar: mind. 21,00 € / 1.000 Zeichen (Stand: VS-Richtsätze, regelmäßig aktualisiert) - Absatzhonorar ab bestimmtem Absatz (Folgebeteiligung) - **Angemessenheit** (§ 32 UrhG): Gemeinsame Vergütungsregeln schaffen Vermutungswirkung. - **Nachvergütung** (§ 32a UrhG): Bei Bestseller-Erfolg des übersetzten Werks. - **Auskunft** (§ 32d UrhG): Jahresabrechnung mit Absatzzahlen und Erlösen. ### Urhebernennung und Persönlichkeitsrechte - Übersetzer muss auf dem Titelblatt oder im Impressum namentlich genannt werden (§ 13 UrhG). - Entstellungsverbot (§ 14 UrhG): Keine inhaltlichen Änderungen an der Übersetzung ohne Zustimmung. ## Co-Edition ### Konzept - Co-Edition: Zwei oder mehr Verlage produzieren gemeinsam ein Werk in mehreren Sprachversionen; häufig für illustrierte Bücher (Bildbände, Kinderbücher), da Druckkosten-Splitting attraktiv. - Rechtlich: Kein gemeinsames Urheberrecht; separate Verlagsverträge mit Autoren und Lizenzverträge zwischen Verlagen. ### Typische Struktur 1. Originating Publisher (dt. Verlag) hält alle Rechte und lizenziert andere Verlage. 2. Co-Publisher zahlt Druckkostenbeitrag und erhält fixierten Lizenzpreis per Exemplar. 3. Jeder Co-Publisher setzt eigenen Ladenpreis im eigenen Markt. 4. Musterklausel: „The Co-Publisher shall print not fewer than 2,000 copies simultaneously with the originating publisher's print run." ## Lizenzhandel auf Buchmessen (Frankfurt, Bologna) - Lizenzen werden auf Buchmessen verhandelt; Basis ist i.d.R. ein Term Sheet. - NDA ist üblich für unveröffentlichte Projekte (siehe auch verl-037). - Letter of Intent (LOI) vs. bindender Vertrag: LOI schützt Exklusivität; bindend erst bei unterzeichnetem Lizenzvertrag. - Frist: Exklusivitätsklauseln in LOI laufen 30–90 Tage; danach freie Lizenzvergabe. ## Typische Fallen - **Territorialbeschränkung unscharf**: „Spanischsprachige Länder" ohne ISO-Liste → Streit über Lateinamerika. - **Übersetzerrechte nicht eingeholt**: Verlag hat Lizenz vom Originalverlag, aber kein Nutzungsrecht an der Übersetzung des Übersetzers. - **Erscheinungsfrist nicht sanktioniert**: Kein Rücktrittsrecht bei Nichterscheinen → Lizenz blockiert andere Verlage. - **Nachvergütung für Übersetzer unterschätzt**: Bei Übersetzung eines internationalen Bestsellers kann § 32a UrhG erhebliche Nachforderungen auslösen. - **EU-Portabilität unterlaufen**: Territorial beschränkte E-Book-Lizenz kann durch EU-VO 2017/1128 für EU-Bürger auf Reisen ausgehebelt werden. ## Quellenreferenzen - UrhG § 3: https://dejure.org/gesetze/UrhG/3.html - VerlG § 35: https://www.gesetze-im-internet.de/verlg/__35.html - EU-VO 2017/1128: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32017R1128 - VdÜ Vergütungsregeln für literarische Übersetzer: https://www.vdue.de - BGH, Urt. v. 07.10.2009 – I ZR 38/07 (Übersetzervertrag Vergütung): https://www.bgh.de ## Output-Formate - **Lizenzvertragsentwurf**: Territory, Nutzungsarten, Laufzeit, Advance, Royalties - **Übersetzervertrag-Checkliste**: Vergütung, Fristen, Rechte - **Lizenz-Portfolioübersicht**: Alle vergebenen Lizenzen mit Status - **Messen-Term-Sheet**: Einfaches Verhandlungsdokument für Buchmessen - **Co-Edition-Kalkulation**: Druckkosten-Split und Lizenzpreis