--- name: abstimmung-lektorat-produktion-satz description: "Klaert Lektorats- und Redaktionsstandards: wer ist für welchen Pruefschritt zuständig wie wird uebergeben Track-Changes Stand Versionierung Eskalationsregeln im Verlagsredaktion." --- # Abstimmung Lektorat / Redaktion (Format-Klaerung) ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: VerlG § 17 Ablieferungsfrist, UrhG § 41 Rückrufsrecht wegen Nichtausübung nach 2 Jahren, VG-Wort-Meldungen jährlich, JuSchG-Indizierung sofort wirksam. - Tragende Normen verifizieren: UrhG §§ 1, 7, 11, 31, 32, 34, 38, 41, 43, 50, 51, 51a, 53, 87a-h, VerlG, BGB §§ 433, 631, JuSchG, PresseG der Länder, ImpressumsR, DSGVO Art. 85 (Medienprivileg) — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Verlag, Autor, Lektor, Übersetzer, VG Wort, Lizenzpartner, Vertrieb, Datenschutzbeauftragter, ggf. Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verlagsvertrag, Übersetzervertrag, Lizenzvertrag, Honorarrechnung, Pflichtexemplarmeldung, VG-Wort-Meldung, Impressum, AGB — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum geht es konkret Lektorat und Redaktion arbeiten am selben Manuskript, oft parallel. Ohne klare Schnittstelle entstehen Doppelarbeit, widerspruechliche Eingriffe und Versionschaos. Dieser Skill klaert die Schnittstelle: Zuständigkeiten, Versionierungsregeln, Track-Changes-Konventionen, Eskalationswege. ## Wann dieses Modul hilft / Kaltstart-Fragen Sie brauchen ihn, wenn Lektorat und Redaktion neu aufgestellt sind, ein neues Manuskript-Tool eingefuehrt wird oder Konflikte aufkommen. Klaeren Sie: 1. Welche Lektoratsdienste (intern, freie Lektorinnen, beides)? 2. Welche Tools (Word Track Changes, LaTeX-Diff, CMS)? 3. Welche Versionierungslogik? 4. Welche Eskalation bei inhaltlichen Lektoratseingriffen? ## Material- bzw. Sachrahmen - Aktueller Lektoratsleitfaden / Style Guide. - Workflow-Diagramm (falls vorhanden). - Liste der typischen Reibungspunkte. ## Praxisleitfaden / Schritt für Schritt 1. **Schnittstelle festlegen.** - **Redaktion:** inhaltliche Beurteilung, Annahme/Ablehnung, Heftslot, Beitragsformat. - **Lektorat:** Sprache, Stil, Format, Zitiernorm, Konsistenz, ggf. Korrekturlauf. 2. **Uebergabeprotokoll.** Jede Uebergabe mit Datum, Bearbeiter, Versionsstand, was gemacht wurde, was noch offen ist. 3. **Versionierungsregeln.** Dateiname `Autor-Titel_vN_status.docx` mit klarem Status (`eingang`, `lekt1`, `lekt2`, `red1`, `freigabe`, `druck`). 4. **Track-Changes-Konvention.** Wer schaltet TC ein/aus? Wer kommentiert? Wer akzeptiert? Bei Word: jeweils Autorinnenname in den Einstellungen. 5. **Inhaltliche Eingriffe.** Lektorat darf nicht inhaltlich umstellen ohne Ruecksprache Redaktion. Markierung "INH:" als Vorschlag. 6. **Eskalation.** Wenn Redaktion und Lektorat verschiedene Meinungen haben, dokumentiert in Kommentaren, Entscheidung Schriftleitung. 7. **Schluss-Uebergabe** mit Pruefliste (Format, Zitate, Stil, Konsistenz). ## Trade-off-Matrix | Pfad | A: Strikte Zuständigkeitstrennung | B: Hybride Arbeitsweise | Empfehlung | |------|-------------------------------------|--------------------------|------------| | Klarheit | hoch | mittel | A bei groesserem Verlag | | Flexibilitaet | gering | hoch | B bei kleinem Team | | Konflikthaeufigkeit | gering | mittel | A schuetzt vor Drift | ## Praxistipps der alten Redaktion - "Track-Changes ist ein Versprechen: jeder Strich wird gesehen. Wer es nicht respektiert, baut Schattenversionen." - Versionsstaende immer im Dateinamen - Word-Versionierungs-Funktion ist nicht zuverlaessig. - Inhaltliche Lektoratseingriffe in Kommentaren begruenden - das schuetzt die Schriftleitungsentscheidung. - Wenn das Lektorat extern (Freelancer) ist: NDA und Hauseigene Stilkatalog vorab. - Konflikte werden in der Akte dokumentiert - sonst sind sie nach drei Wochen vergessen. ## Mustertexte / Vorlagen **Uebergabeprotokoll (Vorlage):** ``` Uebergabeprotokoll Manuskript: Mueller, "Plattformhaftung" / NJW 14/2026 Datum: 12.06.2026 Von: Lektorat (Frau Schmidt) An: Redaktion (Herr Lehmann) Versionsstand: Mueller-Plattform_v3_lekt1.docx Geleistet: - Format-Check (siehe Befund) - Zitiernorm-Check (siehe Befund) - Sprachlektorat (Track-Changes) - 7 inhaltliche Vorschlaege als Kommentare markiert (INH:) Offen: - Aussagensicherheits-Pruefung (Mandantenfrage S. 12) - bei Redaktion - Bildrechte für 2 Schaubilder ``` **Eskalations-Notiz:** > Sehr geehrte Schriftleitung, wir bitten um Klaerung zu drei inhaltlichen Differenzen zwischen Lektorat und Redaktion bei Mueller "[Titel]": > > 1. S. 7: Lektorat schlaegt Glaettung "innovativ" -> "neuartig" vor; Redaktion will Autorenstimme respektieren. > 2. S. 18: Lektorat sieht Mandantenbezug als zu duenn anonymisiert; Redaktion sieht ausreichend. > 3. S. 23: Lektorat schlaegt Streichung der Spitze gegen BAFin vor; Redaktion sieht durch Belege gedeckt. > > Bitte um Entscheidung bis 19.06.2026 (Heftschluss). **Versionsstand-Schema:** ``` Mueller-Plattform_v1_eingang.docx (vom Autor) Mueller-Plattform_v2_lekt0.docx (nach Format-Check) Mueller-Plattform_v3_lekt1.docx (nach Sprachlektorat) Mueller-Plattform_v4_red1.docx (nach Redaktion) Mueller-Plattform_v5_aut.docx (Autor-Rueckmeldung) Mueller-Plattform_v6_freigabe.docx (alle Aenderungen akzeptiert) Mueller-Plattform_v7_druck.docx (an Produktion) ``` ## Typische Fehler / Pitfalls - Track-Changes ausgeschaltet ohne Hinweis - Schattenversionen. - Inhaltliche Lektoratseingriffe ohne Ruecksprache. - Versionsstand nur in Word-Eigenschaften, nicht im Dateinamen. - Externe Lektorinnen ohne NDA. - Konfliktdokumentation fehlt - alte Streits werden neu gefuehrt. ## Quellen Stand 06/2026 - Allgemeine Workflow- und Kollaborationsstandards: keine spezifische juristische Quelle. - Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024. - Byrd / Lehmann, Zitierfibel für Juristen, 2. Aufl. 2016. - Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023. - Plachta, Editionswissenschaft, 4. Aufl. 2020 (zu Versionierungsdisziplin). ## Normen und Rechtsprechung ### Kuratierte Normen-Bibliothek - § 51 UrhG - § 38 UrhG - § 31a UrhG - § 33 VerlG - § 32a UrhG - Art. 6 DSGVO - § 8 DDG - § 27a UStG - § 14 UStG - § 203 StGB - § 32e UrhG - § 87 BetrVG ### Leitentscheidungen - EuGH C-131/12