--- name: weg-eigentuemerversammlung-einladung-beschluss description: "Eigentuemerversammlung: Risikoampel, Gegenargumente und Verteidigungslinien im WEG- und Hausverwaltungsrecht: fachlich vertieftes Modul mit Normenradar (WEG/BGB/BetrKV), Tatbestands-/Beweislastmatrix, Fristen- und Formcheck, Gegenargumenten, Fehlerbremse und direkt nutzbarem Arbeitsprodukt." --- # Eigentuemerversammlung: Risikoampel, Gegenargumente und Verteidigungslinien ## Fachlicher Anker - **Normen:** §§ 535, §§ 18, § 16 Abs. 2. - **Entscheidungs-/Quellenanker:** Tragende Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle einsetzen; keine Entscheidung aus Modellwissen erzwingen. - **Quellenhygiene:** `references/quellenhygiene.md` und `references/zitierweise.md` beachten. ## Fachkern: Eigentuemerversammlung: Risikoampel, Gegenargumente und Verteidigungslinien - **Normen-/Quellenanker:** WEG §§ 18-28, 44/45, BGB-Miet-/Werkvertragsrecht, BetrKV, HeizkostenV, GEG, DSGVO und landesrechtliche Bau-/Sicherheitsfragen. - **Entscheidende Weiche:** Trenne Beschlusskompetenz, ordnungsmäßige Verwaltung, Kostenverteilung, Anfechtungsfrist, Verwalterpflicht, Belegprüfung und Vollzug. ## Fallweichen Wenn Unterlagen vorhanden sind, arbeite zuerst aus den Unterlagen. Stelle nur Rückfragen, die die nächste Weiche verändern: 1. Welche Rolle hat die fragende Person und wer ist Gegenüber? 2. Welches konkrete Ziel soll erreicht oder verhindert werden? 3. Welche Frist, Zustellung, Schwelle, Zahlung, Sanktion oder Verfahrensstufe ist kritisch? 4. Welche Dokumente, Registerauszüge, Bescheide, Verträge, Tabellen, Screenshots oder Nachrichten belegen den Punkt? 5. Welcher Output wird gebraucht: Memo, Checkliste, Tabelle, Entwurf, Schriftsatzbaustein, Mandantenbrief oder Entscheidungsvorlage? ## Arbeitsworkflow 1. **Fallbild bilden:** Sachverhalt, Rollen, Zeitachse und Dokumente in eine kurze Matrix bringen. 2. **Rechtsrahmen setzen:** Normen, Zuständigkeiten, Fristen, Formfragen und Verfahrensstand zum Themenfeld **Eigentuemerversammlung** prüfen. 3. **Prüfpunkte abarbeiten:** Tatbestandsmerkmale, Beweisfragen, typische Fehler, Gegenargumente und Ermessens- oder Wertungsfragen trennen. 4. **Risiko bewerten:** Grün/Gelb/Rot mit Begründung, Annahmen, fehlenden Belegen und möglichen Alternativwegen ausgeben. 5. **Anschluss bauen:** Passende weitere Skills desselben Plugins vorschlagen, wenn eine Vertiefung, ein Schreiben, eine Tabelle, ein Fristenblatt oder eine Verhandlungsstrategie sinnvoll ist. ## Materielle Weichen Eigentuemerversammlung - **Einberufung:** § 24 WEG. Mindestfrist grundsätzlich drei Wochen (§ 24 Abs. 4 S. 2 WEG), sofern kein Fall besonderer Dringlichkeit vorliegt zwischen Zugang und Versammlung; Einladung mit Tagesordnung, Ort, Zeit. Bei Verstoß: Anfechtbarkeit des Beschlusses (§ 23 Abs. 4 WEG). - **Beschlussfähigkeit nach Reform 2020:** § 25 Abs. 1 WEG: jede ordnungsgemäß einberufene Versammlung ist beschlussfähig. Das frühere Quorum (mehr als die Hälfte der MEA anwesend) entfällt seit 01.12.2020. - **Mehrheitsverhältnisse:** Einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen (§ 25 Abs. 1 WEG) ist der Default. Ausnahmen: bauliche Veränderung mit Kostenverteilung auf Nicht-Zustimmende braucht doppelt qualifizierte Mehrheit (§ 21 Abs. 2 WEG: zwei Drittel der abgegebenen Stimmen und mehr als die Hälfte der MEA). - **Vertretung:** Stimmrechtsvollmacht zulässig (§ 25 Abs. 3 WEG); Vereinbarung in Gemeinschaftsordnung kann sie beschränken. Bei Beschränkung auf andere Eigentümer/Beirat/Verwalter: Praxis sollte Vollmachtsformular im Einladungsbrief mitsenden. - **Anfechtungsfrist § 45 WEG:** ein Monat ab Beschlussfassung, Begründung binnen weiterer zwei Monate. Klage gegen die GdWE, nicht gegen einzelne Eigentümer. - **Häufige Anfechtungsgründe:** Ladungsfehler, falscher Verteilungsschlüssel, unzureichend bestimmte Tagesordnung, Beschluss ohne Beschlusskompetenz (Nichtigkeit, kein Anfechtungserfordernis), Verletzung des Sachlichkeitsgebots durch Verwalter. ## Qualitätsanker: WEG-Reform, Beschlussgegenstand und Abrechnungsspitze - **Verifizierte Rechtsprechungsanker:** BGH, Urteil vom 20.09.2024 - V ZR 195/23: Fehler der Jahresabrechnung tragen die Ungültigerklärung nur, wenn sie sich auf Abrechnungsspitze und Zahlungspflicht auswirken. BGH, Urteil vom 14.02.2025 - V ZR 236/23 und V ZR 128/23: Kostenverteilung nach § 16 Abs. 2 WEG verlangt Beschlusskompetenz, Sachgrund und saubere Belastungslogik. Bei jeder Ausgabe vor Zitat freie Quelle erneut prüfen. - **Reformlogik:** Seit der WEG-Reform ist nicht „die Jahresabrechnung als Zahlenwerk“ der Beschlussgegenstand, sondern Nachschüsse und Anpassung der Vorschüsse nach § 28 Abs. 2 WEG. Das ist die zentrale Weiche für Anfechtung, Bestimmtheit und Fehlerrelevanz. - **Praktische Prüfung:** Beschlusskompetenz, Bestimmtheit, Ladung/Tagesordnung, Stimmrecht, Verteilungsschlüssel, Belegprüfung, Rücklage/Vermögensbericht, HeizKV, Umsatzsteuer/Vorsteuer und Anfechtungsfrist getrennt prüfen. - **Output-Pflicht:** Für Verwaltung/Eigentümer immer eine Beschluss- oder Anfechtungsmatrix liefern: Beschlusswortlaut, Rechtsgrundlage, Fehler, Zahlungsrelevanz, Beleg, Frist, Heilungs- oder Neufassungsoption.