--- name: eu-kontenpfaendung-655-2014 description: "Gläubiger hat Schuldner der im EU-Ausland ein Bankkonto haelt und moechte dieses vorlaeufig sichern. EuKtPVO VO (EU) 655/2014 §§ 946 ff. ZPO. Prüfraster: Antrag deutsches Gericht Glaubhaftmachung Anspruch Sicherungsbedürfnis Sicherheitsleistung Drittstaaten-Wirkung alle EU-Mitgliedstaaten außer D..." --- # Europäische Kontenpfändung (EuKtPVO, VO (EU) 655/2014) ## Arbeitsbereich Gläubiger hat Schuldner der im EU-Ausland ein Bankkonto haelt und moechte dieses vorlaeufig sichern. EuKtPVO VO (EU) 655/2014 §§ 946 ff. ZPO. Prüfraster: Antrag deutsches Gericht Glaubhaftmachung Anspruch Sicherungsbedürfnis Sicherheitsleistung Drittstaaten-Wirkung alle EU-Mitgliedstaaten außer Daenemark anschließender PfUeB national § 829 ZPO. Output: Antrag Europaeische Kontenpfaendung und Folgepfaendung. Abgrenzung zu zv-pfueb-bank (inlaendisches Konto) und zv-kommandocenter. Arbeite entlang dieser konkreten Prüfungslinie und trenne Rolle, Frist, Zuständigkeit, Beweislast und gewünschten Output. ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: §§ 704 ff. ZPO; § 802l Kontensuche, Vermögensauskunft, Räumung; § 800 ZPO Notar; § 201 InsO, ZVG, EU-Kontenpfändung VO 655; § 765a Härtefall, Schuldnerschutz — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Triage zu Beginn 1. Hat der Schuldner ein Konto in einem EU-Mitgliedstaat (außer Dänemark)? 2. Liegt ein vollstreckbarer Titel vor oder ist die Hauptsache noch anhängig? 3. Besteht Sicherungsbedürfnis — droht der Schuldner Vermögen zu verbringen? 4. Ist die Forderung bezifferbar und fällig? ## Aktuelle Rechtsprechung - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. ## Zentrale Normen - Verordnung (EU) Nr. 655/2014 (EuKtPVO), in Kraft seit 18.01.2017 - §§ 946-959 ZPO — deutsche Durchführungsbestimmungen zur EuKtPVO - Art. 5 EuKtPVO — Voraussetzungen (Anspruch + Sicherungsbedürfnis) - Art. 7 EuKtPVO — Glaubhaftmachung (überwiegende Wahrscheinlichkeit) - Art. 12 EuKtPVO — Sicherheitsleistung (Regelfall: 5-10 Prozent der Forderung) - Art. 14 EuKtPVO — Kontensuche durch Auskunftsbehörde - Art. 33, 34 EuKtPVO — Rechtsbehelfe des Schuldners ## Startet bei - Schuldner hat (vermutet) Konto in einem EU-Mitgliedstaat außer Deutschland und außer Dänemark - Hauptsacheverfahren in DE anhängig oder vollstreckbarer Titel in DE liegt vor - Fluchtgefahr / Vermögensverbringung droht - Klassische deutsche PfÜB nach § 829 ZPO reicht nicht (Bank im Ausland erkennt deutschen Titel nicht ohne Verfahren an) ## Rechtsgrundlagen - **Verordnung (EU) Nr. 655/2014** (EuKtPVO) vom 15.5.2014, in Kraft seit 18.1.2017. - **§§ 946–959 ZPO** — deutsche Durchführungsbestimmungen. - **§§ 943, 946 ZPO** — Zuständigkeit (Gericht der Hauptsache oder Vollstreckungsgericht). - **Art. 5 EuKtPVO** — Antragsvoraussetzungen (Anspruch + Sicherungsbedürfnis). - **Art. 7 EuKtPVO** — Beweismaß (glaubhaft + überwiegende Wahrscheinlichkeit). - **Art. 12 EuKtPVO** — Sicherheitsleistung. - **Art. 14 EuKtPVO** — Kontensuche durch Auskunftsbehörde (in DE: Bundesamt für Justiz nach § 948 ZPO; weitere Befugnis Gerichtsvollzieher analog § 802l ZPO). - **Art. 25 EuKtPVO** — Erklärung des Drittschuldners (Bank) über die Vollziehung nach Erlass des Beschlusses. - **Art. 33 EuKtPVO** — Rechtsbehelf des Schuldners gegen den Beschluss (Aufhebung/Änderung im Ursprungsmitgliedstaat). - **Art. 34 EuKtPVO** — Rechtsbehelf des Schuldners gegen die Vollziehung im Vollstreckungsmitgliedstaat. - **Art. 35 EuKtPVO** — Sonstige Rechtsbehelfe für Schuldner und Gläubiger (Freigabe, Anpassung). - **Art. 13 EuKtPVO** — Schadensersatzhaftung des Gläubigers bei unbegründeter Pfändung. ## Anwendungsbereich (Art. 2 EuKtPVO) **Anwendbar bei:** - Zivil- und Handelssachen mit grenzüberschreitendem Bezug - Forderung muss bezifferbar sein, fällig oder künftig fällig - Konto in Mitgliedstaat ≠ Mitgliedstaat des Gerichts (= grenzüberschreitend) **Nicht anwendbar:** - Familien-, Erb-, Sozial-, Steuer-, Zollsachen - Konkurs/Insolvenz - Schiedsverfahren - Dänemark (Opt-out) ## Gläubiger ### Schritt 1 — Vorab-Prüfung - Konto-Mitgliedstaat bekannt oder vermutet? - Hauptsache anhängig (oder Titel vorhanden)? - Sicherungsbedürfnis (drohende Vermögensverbringung) substantiierbar? - Vorab-Kostenkalkulation: Gericht + Sicherheitsleistung + Bankgebühren in Ziel-MS ### Schritt 2 — Antrag § 946 ZPO + Formblatt - **Standardformular** I der Durchführungsverordnung (EU) 2016/1823 verwenden - **Sprachen:** Deutsch beim deutschen Gericht; das Gericht übersetzt für den ausländischen Drittschuldner - **Antragsschrift** mit: - Personalien Gläubiger / Schuldner - Höhe der Forderung - Beleg Hauptsacheverfahren / Titel - Glaubhaftmachung Sicherungsbedürfnis - Bekannte Konto-Daten (IBAN, BIC, Bank, MS) - Falls Konto unbekannt: **Antrag Kontensuche** Art. 14 EuKtPVO ### Schritt 3 — Sicherheitsleistung (Art. 12 EuKtPVO) - **Grundsatz**: Sicherheitsleistung Pflicht, wenn Gläubiger noch keinen Titel hat (typisch Bürgschaft, Hinterlegung) - **Befreiung**: möglich, wenn vollstreckbarer Titel vorliegt - Höhe: regelmäßig 5 %–10 % der zu sichernden Summe (gerichtliches Ermessen) ### Schritt 4 — Gerichtsentscheidung - **Frist Gericht:** - Ohne Titel: bis spätestens 10. Arbeitstag nach Antrag - Mit Titel: bis spätestens 5. Arbeitstag nach Antrag - **Entscheidungs-Beschluss** mit Standardformular II - Ex-parte-Verfahren (Schuldner wird **nicht** vorher gehört) ### Schritt 5 — Übermittlung an Vollzugs-Mitgliedstaat - Über Bundesamt für Justiz (BfJ) als Übermittlungsstelle - BfJ übermittelt Beschluss + Formblätter an zuständige Behörde im Ziel-MS - Vollzugsbehörde im Ziel-MS leitet Pfändung ein ### Schritt 6 — Vollzug + Rückmeldung - Drittschuldner-Bank im Ziel-MS sperrt Konto in Höhe der Forderung (Art. 24 EuKtPVO) - Schuldner wird **danach** informiert (Überraschungseffekt zentral) - Drittschuldner-Erklärung Art. 25 EuKtPVO an Gläubiger ### Schritt 7 — Hauptsacheverfahren / Titel-Erlangung - Wenn Antrag vor Titel: **30 Tage nach Pfändung** muss Hauptsache eingeleitet sein (Art. 10 EuKtPVO), sonst Aufhebung - Bei Titel: Vollstreckung im Ziel-MS nach EuGVVO (Brüssel Ia) oder vereinfachtem Verfahren EuVTVO ## Schuldnerschutz - **Rechtsbehelf** Art. 33 EuKtPVO: Schuldner kann den Beschluss anfechten beim ausstellenden Gericht - **Schadensersatz** Art. 13 EuKtPVO bei unbegründeter Pfändung (Sicherheitsleistung haftet) - **P-Konto-Schutz** des nationalen Rechts gilt im Ziel-MS (in DE: § 850k ZPO) ## Risiken und Red Flags | Konstellation | Rot | Orange | Grün | |---|---|---|---| | Antrag ohne Sicherungsbedürfnis | Ablehnung; Schadensersatz droht | Begründung nachbessern | Klare Substantiierung | | Konto-MS Dänemark / UK | EuKtPVO nicht anwendbar; nationales Verfahren | Alternative prüfen | EU-MS mit Anwendbarkeit | | 30-Tage-Frist Hauptsache versäumt | Pfändung wird aufgehoben; Schadensersatz | Frist eng | Hauptsache eingeleitet | | Sicherheit zu niedrig | Gericht setzt höher fest | Verhandlung | Angebot über 5 %-Grenze | | Steuersachen / Familiensachen | Anwendungsbereich nicht eröffnet | falsche Rechtsgrundlage | Zivilrechtssache | ## Leitentscheidungen - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. - Schlussanträge GA Szpunar v. 29.7.2019 in C-555/18 - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. ## Praxis 2026 - **Brüssel Ia und EuKtPVO** sind **getrennt** anwendbar: EuKtPVO sichert vor/nach Titel; Brüssel Ia vollstreckt nach Titel-Erlangung - **Übersetzungskosten** trägt Gläubiger; das Gericht übernimmt aber die Übermittlung - **Bank-Kosten** im Ziel-MS variieren; in IT/FR/ES regelmäßig 50–200 EUR ## Quellen und Updates Stand: 05/2026. VO (EU) 655/2014 in Kraft seit 18.1.2017. Durchführungsverordnung (EU) 2016/1823 für Formblätter. §§ 946–959 ZPO als DurchführungsRecht. Bei Reform / DAC9-Erweiterung aktualisieren.