Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren 1897-01-16 Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 16. 1. 1897 Brandes, Georg Müller, Martin Anton Susen, Gerd-Hermann Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF
Georg-Coch-Platz 2 1010 Wien A Wien
schnitzler-briefe Transkription und Kommentierung Müller, Martin Anton Susen, Gerd-Hermann Austrian Centre for Digital Humanities Vienna 2023

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https://hdl.handle.net/21.11115/0000-000E-6DA0-3

Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur Schnitzler

GB Cambridge University Library Schnitzler, B 17 Zusammen mit acht anderen gehört der Brief zu den als »Several originals missing« bezeichneten, die durch einen Zettel in der Mappe ausgewiesen sind (nur zwei sind tatsächlich verschollen). Brandes, Georg Schnitzler, Arthur Ein Briefwechsel Bergel, Kurt Bern Francke 1956 60–61
German Brandes, Georg 16. 1. 1897 Schnitzler, Arthur [16. 1. 1897 – 20. 1. 1897?] Wien Brandes, Georg Bahr an Schnitzler, 16. 1. 1897 Hofmannsthal an Schnitzler, [16. 1. 1897] Schnitzler an Brandes, 11. 1. 1897 Schnitzler an Brandes, 3. 2. 1897 Angelegt Durchsicht Index check Korrektur gelesen, facs aktualisiert, finalisiert
Kopenhagen, 16.Jän.1897Liebster Herr Schnitzler.

Sie wissen: Alles was Sie schreiben interessiert mich, deshalb war ich auf Ihr Stück gespannt und natürlich es hat meine ErwartungenTippfehler: »Erwqrtungen« nicht getäuscht. Es interessiert lebhaft, es spannt und hält in Atem bis zum letzten Wort.

Es mag sein wie Sie sagen, dass es etwas trocken wirkt, d. h. etwas knapp, thesenartig, wenn es auch nicht so gefühlt ist. Ich verstehe Sie recht wohl wenn Sie sagen, dass die weibliche Hauptfigur einen »Sprung« bekam. Der Ausdruck war mir neu, aber die Sache ist mir bekannt. Das ist sogar auch mir einmal geschehen und es macht immerhin einen unangenehmen Eindruck, kann auch der Produktion schädlich sein. Ibsen sagte mir einmal: Ich kenne zuletzt die Personen, die ich darstellen werden, so genau, dass ich bei meinem Mann sogar die zwei Knöpfe sehe hinten an seinem Rock, die er selbst nicht sieht so lange haben Sie sich mit diesen Personen nicht beschäftigt, dass Sie diese zwei Knöpfe gesehen haben. Deshalb sind die Gestalten vielleicht nicht rund, nicht stereoskopisch genug. Die Liebe zwischen Paul und Anna ist zu knapp behandelt, nicht individuell genug, nur indiciert. Auch scheint es mir gewissermassen ein Fehler, dass die vielen so schön und lebendig gezeichneten Nebenpersonen – meisterhaft sind sie, und mit so viel Kenntnis und Erfahrung hervorgebracht – dass diese also ganz und gar nicht in die Handlung eingreifen. Das ist mangelhafte Technik, nicht wahr?

Alle diese Einwendungen mache ich um mein Renomée als Kritiker nicht ganz preiszugeben, denn mein Vergnügen ist nur Sie zu loben. Wir werden alle dümmer, wenn man uns lobt, aber wir werden es ohnehin, und es gibt keine angenehmere Weise, dümmer zu werden. Deshalb liebe ich selbst so sehr gelobt zu werden. Als ich noch meine beiden kleinen Mädchen hatte – ich habe eins durch den Tod verloren – lernte ich sie auf die Frage: »Wo wird man jeden Tag dümmer?« zu antworten den Markt und die Nummer, wo ich damals wohnte, und sie thaten das mit Bravour. Jetzt werde ich jeden Tag dümmer in Havnegade, obwohl ich mehr geschimpft werde als gelobt. Sonderbar, ich hatte Sie mir nach »Anatol« ganz anders vorgestellt, leichtsinnig, frivol, leichtlebig. Sie sind es kaum je gewesen, glaub ich jetzt. Sie sind ja sehr, sehr ernst, für einen Wiener sogar unglaublich ernst.

Ich habe eine demütige Bitte an Sie. Lesen Sie einmal mein fürchterlich dickes Buch über Shakespeare – in dieser grässlichen deutschen Uebersetzung, wo alle Musik der Sprache fort ist und der Sinn nur annähernd wiedergegeben und sagen Sie zum Vergelt mir Ihre Meinung darüber. Ich habe dort ein Stück Psychologie kühner Art versucht und die ganze deutsche Kritik hat sich mir überlegen gefühlt; ich verachte aber diese Kritik mehr als sie mich verachtet, und das heisst etwas.

Ich war sehr glücklich, heute von Herrn Beer Hofmann Brief zu bekommen, werde ihm sehr schnell schreiben, liebe ihn sehr. Sie und er und Goldmann sind staunenswerth, unerhört, Freunde. Dass es noch so etwas gibt! Was ich derartiges hatte ist längst todt, und ich glaube nicht mehr daran.

IhrGeorg Brandes
Richard Beer-Hofmann 1866-07-11 Wien 48,208333 16,373056 1945-09-26 New York City 40,71427 -74,00597 Georg Brandes 1842-02-04 Kopenhagen 55,67594 12,56553 1927-02-19 Kopenhagen 55,67594 12,56553 Paul Goldmann 1865-01-31 Breslau 51,10773 17,03533 1935-09-25 Wien 48,208333 16,373056 Henrik Ibsen 1828-03-20 Skien 59,20962 9,60897 1906-05-23 Oslo 59,91273 10,74609 Schnitzler Arthur 15. 5. 1862 Wien 48,208333 16,373056 21. 10. 1931 Wien 48,208333 16,373056 Schriftsteller/Schriftstellerin Mediziner/Medizinerin https://d-nb.info/gnd/118609807/ William Shakespeare 23.4.1564? Stratford-upon-Avon 52,19166 -1,70734 1616-05-03 Stratford-upon-Avon 52,19166 -1,70734 Astrid Brandes 1880-03-28 Berlin 52,52437 13,41053 1890-11-19 Kopenhagen 55,67594 12,56553 Edith Philipp 1879-01-17 Berlin 52,52437 13,41053 1968-02-16 Kopenhagen 55,67594 12,56553 Anatol Arthur Schnitzler: Anatol. Berlin: Bibliographisches Bureau 1892, vordatiert auf 1893 Anatol Schnitzler, Arthur Hofmannsthal, Hugo von Freiwild. Schauspiel in 3 Akten Freiwild Schnitzler, Arthur William Shakespeare Brandes, Georg Havnegade 55,67887 12,59262 Kopenhagen 55,67594 12,56553 Kopenhagen Kopenhagen Kopenhagen Kopenhagen Copenhagen Copenhagen 55,67594 12,56553 Dänemark 56,0 10,0 Wien K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien Wien Bécs Land Wien Vídeň Wenia Beč Vindobona Vindobona Vienna Vienna Vienna 48,208333 16,373056 Österreich 47,33333 13,33333