Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren 1899-01-12 Arthur Schnitzler an Georg Brandes, 12. 1. 1899 Schnitzler, Arthur Müller, Martin Anton Susen, Gerd-Hermann Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF
Georg-Coch-Platz 2 1010 Wien A Wien
schnitzler-briefe Transkription und Kommentierung Müller, Martin Anton Susen, Gerd-Hermann Austrian Centre for Digital Humanities Vienna 2023

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https://hdl.handle.net/21.11115/0000-000E-6E91-3

Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur Schnitzler

Dk Kopenhagen Det Kongelige Bibliotek Georg Brandes Arkiv, box 125 von unbekannter Hand beschriftet: »Schnitzler 12. 1.99.« und mit Bleistift nummeriert »13.«, das zweite Blatt mit »2« versehen und auf dieses und das dritte erneut das Datum vermerkt: »12/1 99« Brandes, Georg Schnitzler, Arthur Ein Briefwechsel Bergel, Kurt Bern Francke 1956 70–72 Schnitzler, Arthur Briefe 1875–1912 Nickl, Therese Schnitzler, Heinrich Frankfurt am Main S. Fischer 1981 366–368
German Schnitzler, Arthur 12. 1. 1899 Wien Brandes, Georg [13. 1. 1899 – 17. 1. 1899?] Kopenhagen Brandes, Georg Hofmannsthal an Schnitzler, [nach dem 11.? 1. 1899] Hofmannsthal an Schnitzler, [16. 1. 1899] Brandes an Schnitzler, 7. 1. 1899 Brandes an Schnitzler, 22. 1. 1899 Angelegt Durchsicht Index check Korrektur gelesen, facs aktualisiert, finalisiert
Verehrter Herr Brandes,

gestern hab ich Ihren Brief bekommen und aus dem erfahren, dss Sie wieder zu Bette liegen. Abendsstand es in einer Berliner Zeitung zu lesenVgl. V. A.: Bei Georg Brandes. In: Berliner Tageblatt, Jg. 28, Nr. 16, 9. 1. 1899, Abend-Ausgabe, S. 3: »

Aus Kopenhagenschreibt uns unser dortiger Korrespondent: Dr. Georg Brandes muß leider wieder das Bett hüten und zwar wegen seines alten Leidens: Venenentzündung. Ich besuchte gestern den berühmten Autor. ›Und jetzt liege ich hier seit drei Wochen auf meinem Schmerzenslager,‹ sagte Brandes mit einem matten Lächeln; ›wann und wie die Aerzte mir wieder auf die Beine helfen können, wissen sie ja selber nicht.‹

Eine Besserung ist jedoch augenscheinlich eingetreten, welche hoffentlich fortschreiten wird.

«, mit dem Beisatz, dss Siesichschon auf dem Weg der Besserung befinden. Ich hoffe, dass essichso verhält und dass Sie bald ganz gesund istsind. Meine innigsten Wünschesind bei Ihnen, das wissen Sie. Auch von Ihrem Streit mit den Deutschen hab ich durch die ZeitungVgl. [O. V.]: Köllers Erfolge. In: Berliner Tageblatt, Jg. 28, Nr. 9, 5. 1. 1899, Abend-Ausgabe, S. 2: »Georg Brandes, der vom ›Verein Berliner Presse‹ aufgefordert worden war, nach Berlin zu kommen, um einen Vortrag zum Besten der Hilfskasse des genannten Vereins zu halten, hat geantwortet, daß ein dänischerAutor während der gegenwärtigen Verhältnisse in Nordschleswig unmöglich Vorträge in Berlin halten könne.« erfahren; Siesollen irgend einen Vortrag abgesagt haben, im Verein »Berliner Presse«, aus »polit. Gründen«. Fügen Sie Ihren Antipathien gegen DePreußen und Frankreich nur getrost die gegen Oesterreich bei. Lesen Sie manchmal Wiener Zeitungen, Parlaments- und Gemeinderathsberichte? Es iststaunenswerth, unter was für Schweinen wir hier leben; – und ich denke immer,selbst Antisemiten müßte es doch auffallen, dass der Antisemitismus – von allem andern abgesehen – jedenfalls diesonderbare Kraft hat, die verlogensten Gemeinheiten der menschlichen Natur zu Tage zu fördern undsie aufs höchste auszubilden. Wie merkwürdig, dasssogar die offenbaren Mängel, Fehler, meinetwegen Verbrechen der Judenpresse, die man alssospezifisch jüdisch hinstellen wollte, von der Antisemitenpresse ins ungeheuerliche ausgebildet wordensind. Aber wir wollen über diese widerlichen Dinge lieber gar nicht reden.

Ich freue mich, dss das »Vermächtnis« einigen Beifall bei Ihnen gefunden hat. Mirselbst ist nur der erste Akt lieb; dann gewisse Partien des letzten. Solange die Hauptperson auf der Scene ist, hab ich das Stück nicht gern. Die ist ganz unpersönlich geblieben find ich. Während der Proben fiel mir mancherlei ein, wodurch ich das Stück hätte höher bringen können; vor allem hätt ich das Kind ssen am Leben lassen; – aber esscheint ich bin nicht anständig genug, um ein Stück noch auf der Probe zurückzuziehn,selbst wenn ich weiss, wie es besser zu machen wäre. Es hat in Berlin undWien bei der Erstaufführung viel Erfolg gehabt; in Berlin verschwand es bald; hierscheint essich zu halten. Irgend eine Zukunft hat es gewiss nicht – und wahrhaftig nicht nur wegenseiner Traurigkeit –! – Nun hab ich was geschrieben, das mir lieber ist; drei kleine Stücke, von denen das eine »Der grüne Kakadu«, das beste, großen Schwierigkeiten begegnet. In Berlin habensie es verboten; – hier will die Hofcensur die unmöglichsten Aenderungen. Esspielt am Abend der Bastillenerstürmung zu Paris – aber ichsoll den »Blutgeruch« herausstreichen. Auch dass ein Herzog umgebracht wird, will den Leuten nicht gefallen. Ich freu mich Ihnen das Ding bald zuschicken; es wird Sie wahrscheinlich amusiren.

Und jetzt bin ich mit einer ganz phantastischen fünfactigen Sache beschäftigt; mirscheint überhaupt als käme ich jetzt in andere Gegenden. Wer weiss, ob alles bisherige nicht doch nur Tagebuch war; wenigstens von einer gewissen Zeit an. (Denn früher einmal, von meinem 9. bis zu meinem 20. Jahr hab ich geschrieben, »wie der Vogelsingt« – ich muss damalssehr glücklich gewesensein; denn ich erinnere mich gar nicht, wie ichs eigentlich gemacht habe. Ich habe noch manches; Trauerspiele und Fastnachtsspiele und komische Romane; nahezu durchaus blödsinnig; aber ich habeselbst zu der Zeit, da ich diese Dingeschrieb, nie das Bedürfnis gehabt, es irgend wem zu zeigen. So wird man zudringlicher, niedriger und unfröhlicher von Jahr zu Jahr. –)

Hoffentlichschwingtsich Beer-Hofmann auf, Ihnenselbst zuschreiben; faul ist er allerdings enorm. Sie wissen wahrscheinlich nicht einmal, dss er geheiratetBeer-Hofmanns Hochzeit hatte am 14. 5. 1898 in einer Synagoge in Wien stattgefunden. hat, Paula, die Sie kennen auch hat erschon zwei Töchter, die Mirjam und Naëmie heißen. Aberseine neue Novelle (was ich davon kenne ist wunderschön) ist noch nicht fertig.

Ist Ihnen ein Roman bekannt, die Juden von Zirndorf, von Wassermann? Ich glaube, das ist derjenige Mensch, der den deutschen Roman vom Anfang des nächsten Jahrhundertsschreiben wird. Sind Ihnen die Novelletten zugekommen, die ich Ihnen im Frühjahrschickte? Frau des Weisen«. –)

Von Ihrem Ausflug nach Polen und Ihrem Empfang haben wir hier gelesenDie Wiener Zeitungen hatten mehrfach über den Besuch Brandes’ in Lemberg berichtet, so etwa die Neue Freie Presse in der ungezeichneten Meldung Georg Brandes in Lemberg ([O. V.], Nr. 12.300, 19. 11. 1898, Morgenausgabe, S. 4): »Georg Brandes, der einer Einladung nach Lemberg zu der am 20. November stattfindenden Enthüllung des Sobiesky-Denkmals Folge gegeben hat, wurde bei seiner Ankunft daselbst von einer Deputation feierlich empfangen. Die Spitzen der Gesellschaft wetteifern in dem Bestreben, sich dem großen dänischen Schriftsteller für die in seinem ebenso geistvollen als anregenden Werke ›Polen‹ zum Ausdrucke gebrachten Sympathien erkenntlich zu zeigen.« ; dagegen hab ich von Ihren Gedichten absolut nichts gewußt?. Werden Siesie übersetzenEine deutsche Übersetzung der Jugendgedichte erschien nicht. lassen? Sindsieschön? Haben Siesie gern? Wie viele Stunden hat Ihr Tag! Zu allem haben Sie Zeit. Und alles bewahren Sie auf, das ist das Bewunderungswürdige, und darum sind Sieso reich.

Ich wünschte, Sie würden gleich gesund, reisten wieder nach Italien, und blieben wieder ein paar Tage in Wien. Ein Wort von Ihnen, wie’s Ihnen geht, brächte mir jedenfalls viel Freude.

Herzlich grüßt Sie Ihr Ihnen treuergebenerArthurSchnitzlerWien12. 1. 99.
Paula Beer-Hofmann 1879-02-25 Wien 48,208333 16,373056 1939-10-30 Zürich 47,37174 8,54226 Richard Beer-Hofmann 1866-07-11 Wien 48,208333 16,373056 1945-09-26 New York City 40,71427 -74,00597 Georg Brandes 1842-02-04 Kopenhagen 55,67594 12,56553 1927-02-19 Kopenhagen 55,67594 12,56553 Jakob Wassermann 1873-03-10 Fürth 49,47593 10,98856 1934-01-01 Altaussee 47,639444 13,763333 Schnitzler Arthur 15. 5. 1862 Wien 48,208333 16,373056 21. 10. 1931 Wien 48,208333 16,373056 Schriftsteller/Schriftstellerin Mediziner/Medizinerin https://d-nb.info/gnd/118609807/ Naëmah Beer-Hofmann 1898-12-20 Wien 48,208333 16,373056 1971-11-10 New York City 40,71427 -74,00597 Mirjam Beer-Hofmann 1897-09-04 Wien 48,208333 16,373056 1984-12-24 New York City 40,71427 -74,00597 V. A. Johann III. Sobieski 1629-08-17 Olesko 49,96233 24,89336 Olesʹko 1696-06-17 Wilanów 52,16311 21,08748 Der grüne Kakadu. Groteske in einem Akt Neue Deutsche Rundschau, Jg. 10, H. 3, März 1899, S. 282–308. Der grüne Kakadu Der grüne Kakadu Schnitzler, Arthur Das Vermächtnis. Schauspiel in drei Akten Schnitzler, Arthur Die Frau des Weisen. Novelletten Die Frau des Weisen Schnitzler, Arthur Die Juden von Zirndorf Wassermann, Jakob Polen Brandes, Georg Neustädter, Adele Köllers Erfolge Berliner Tageblatt, 5. 1. 1899 Bei Georg Brandes Berliner Tageblatt, 9. 1. 1899 V. A. Berliner Tageblatt https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/2764651-8 Brandes in Lemberg http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp&datum=18981119&seite=4&zoom=33 Neue Freie Presse, Nr. 12300, 19.11.1898, Morgenausgabe, S. 4 Die Gefährtin. Schauspiel in einem Akt Der Wittwer https://library.oapen.org/handle/20.500.12657/76700 Schnitzler, Arthur Der Schleier der Beatrice. Schauspiel in fünf Akten Shawl http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?apm=0&aid=601&teil=0111&seite=00000001&zoom=2 Der Schleier der Beatrice Schnitzler, Arthur Paracelsus. Versspiel in einem Akt Cosmopolis, Jg. 3, Bd. 12, Nr. 35, November 1898 https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110712247/html Paracelsus Schnitzler, Arthur Der Tod Georgs Der Götterliebling https://archive.org/details/dertodgeorgs00beergoog Beer-Hofmann, Richard Ungdomsvers [Jugendgedichte] Brandes, Georg Frankreich France Frankreich Frankreich France 46,0 2,0 Europa 48,69096 9,14062 Berlin Hauptstadt Berlin Barlīn Reichshauptstadt Berlin Berolino B-n 52,52437 13,41053 Deutschland 51,5 10,5 Paris P'ariz Paris Pariž Parisius Île-de-France 48,85341 2,3488 Frankreich 46,0 2,0 Preußen 52,0 13,0 Europa 48,69096 9,14062 Polen Polen Republic of Poland Poland 52,0 20,0 Europa 48,69096 9,14062 Kopenhagen Kopenhagen Kopenhagen Kopenhagen Copenhagen Copenhagen 55,67594 12,56553 Dänemark 56,0 10,0 Italien Italian Republic Republic of Italy Italien Italy 42,83333 12,83333 Europa 48,69096 9,14062 Österreich Republik Österreich Österreich Republic of Austria Österreich Deutsch Österreich Altoesterreich 47,33333 13,33333 Europa 48,69096 9,14062 Cisleithanien 48,5 16,383333333333333 Österreich-Ungarn 48,4054 16,4887 Wien K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien Wien Bécs Land Wien Vídeň Wenia Beč Vindobona Vindobona Vienna Vienna Vienna 48,208333 16,373056 Österreich 47,33333 13,33333 Bastille 48,852987 2,3688579 Paris 48,85341 2,3488 Nordschleswig 54,855856 9,367367 Dänemark 56,0 10,0 Dänemark Dänemark Denmark Kingdom of Denmark Dänemark 56,0 10,0 Skandinavien 63,0 25,0 Europa 48,69096 9,14062 Lviv Lwów Lwiw Lviv Lemberg Lemberg Lemberg 49,83826 24,02324 Ukraine 49,0 32,0 Verein Berliner Presse Berlin 52,52437 13,41053 https://sws.geonames.org/2950159/ https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb168.html https://d-nb.info/gnd/4005728-8 https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/168/ https://www.kraus.wienbibliothek.at/legalkraus/pmb168.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/92171/ http://www.wikidata.org/entity/Q64 https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb168.html https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/pmb168.html https://wienerschnitzler.org/pmb168.html https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb168.html https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb168.html https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00313 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00093 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/pmb168 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/fa_place00001836 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/fa_place00004523 https://biblio.ub.uni-freiburg.de/sf/#pmb168 https://www.schoenberg-ue.at/ue/places/place.2.3 Neue Freie Presse http://anno.onb.ac.at/info/nfp_info.htm 8, rue de Monceau 48,875505 2,306854 https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/296731/ https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb296731.html Wien 48,208333 16,373056 https://sws.geonames.org/2761369/ https://d-nb.info/gnd/4066009-6 https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/50/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/2316/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/20954/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/65221/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/65223/ https://www.kraus.wienbibliothek.at/legalkraus/pmb50.html http://www.wikidata.org/entity/Q1741 https://de.wikipedia.org/wiki/Wien https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://sws.geonames.org/2761333/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/33999/ https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://wienerschnitzler.org/pmb50.html https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00347 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00066 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00085 https://biblio.ub.uni-freiburg.de/sf/#pmb50 https://www.schoenberg-ue.at/ue/places/place.9.11 Schubertring 48,20281 16,37602 https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/63189/ https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb63189.html http://www.wikidata.org/entity/Q115773863 https://de.wikipedia.org/wiki/Schubertring Fichtegasse 11 48,202628 16,37689 https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/237534/ https://wienerschnitzler.org/pmb237534.html https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb237534.html