Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren 1910-07-07 Richard Beer-Hofmann an Arthur Schnitzler, 7. 7. 1910 Beer-Hofmann, Richard Müller, Martin Anton Susen, Gerd-Hermann Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF
Georg-Coch-Platz 2 1010 Wien A Wien
schnitzler-briefe Transkription und Kommentierung Müller, Martin Anton Susen, Gerd-Hermann Austrian Centre for Digital Humanities Vienna 2023

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https://hdl.handle.net/21.11115/0000-000E-72B6-4

Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur Schnitzler

GB Cambridge University Library Schnitzler, B 8 maschinschriftliche Abschrift, undatiert und von unbekannter Hand mit »278c« nummeriert. Die Zuordnung ist eine Mutmaßung, basierend auf der Erwähnung im Text. Die Abschrift ist um die letzte Strophe gekürzt von unbekannter Hand nummeriert: »234« Schnitzler, Arthur Beer-Hofmann, Richard Briefwechsel 1891–1931 Fliedl, Konstanze Wien, Zürich Europaverlag 1992 209–210
German Beer-Hofmann, Richard 7. 7. 1910 Bad Ischl Schnitzler, Arthur [8. 7. 1910 – 12. 7. 1910?] Wien Beer-Hofmann, Richard Schnitzler an Beer-Hofmann, 29. 6. 1910 Blei an Schnitzler, 10. 7. 1910 Schnitzler an Beer-Hofmann, 29. 6. 1910 Beer-Hofmann, Beer-Hofmann an Schnitzler, 11. 7. 1910 Automatisch angelegt aus Buchausgabe Index check Durchsicht Finalisiert Ergänzung der Abschrift des Schlaflieds Durchsicht
Ischl7./VII. 10Lieber Arthur!

Ihr Brief. ist mit seiner neuen Adressirung gestern angelangt. Nun weiss es der Briefträger – glaube ich – auch schon wo »Steinfeld 6« ist.

Hier, die gewünschte Abschrift, des »einen schönen VersesIn Die Welt, in der man sich langweilt wird von einem Dichter eine Tragödie vorgetragen, die »einen schönen Vers« enthält.« aus der »Welt i. d. m. sich langweilt«. Bitte, lassen Sie die Verse vielleicht von Fräulein Pollak abtypiren, und schicken Sie mir die Abschrift zurück; ich brauche sie, um sie dem Übersetzer ins Ungarische (dem ich sie vor Monaten versprach) zu schicken.

»Das weite Land« habe ich auf der Fahrt mit vieler Freude gelesen. Es hat den denkbar schlanksten Aufbau, und das bewusste Nichtverkleiden des Constructiven wirkt am Ende – wo einem die Führung klar wird – wie ein neuer Reiz. Sie haben, – glaube ich – bisher noch nie so straff die Zügel aller Ihrer Figuren gehalten, und man empfindet alles, was feinfühlige Kritiker »Beiwerk« nennen als woltuend, um scharf gespanntes ein wenig zu lockern. Schon im »Medardus« schien mir die Richtung erkennbar, nach der Sie sichEr schreibt »Sich«. nun wenden.

Es scheint, als genügte es Ihnen nicht, und wäre nicht in Ihren Absichten gelegen, die stärksten Wirkungen von den einzelnen Menschen Ihres Stückes, und ihren Schicksalen ausgehen zu lassen, sondern als strebten Sie, bewusst, dahin, Einzelschicksale derart miteinander zu verknoten, dass jedes Theilschicksal nur ein sich unterordnender Zug, eine Runzel, ein Grinsen, ein Blick einer einzigen Schicksalsmaske würde, deren Ausdruck, am Ende des Stückes, das wäre, was einem als Wesentlichstes haften bliebe. Sie können freilich sagen, – dahin gienge endlich alles dramatische Gestalten. Nur, scheint mir jetzt – ich möchte sagen – die Art Ihres Vortrags, Ihre Stimme zärtlicher und liebender zu sein, wenn es um Verschlingungen von Schicksalen geht, als um das Fühlen der Einzelnen.

Übrigens ist die Figur des »Hofreiter« so stark herausgekommen, dass es mir wie Kindern geht, denen die Bösewichte des Stückes nie genug geprügelt werden. Den »Hofreiter« an den Sie dachtenSchnitzlers Vorlage war Louis Friedmann, einen Fabrikanten, den er bereits im Gymnasium kennengelernt hatte, . , kenne ich nur sehr oberflächlich aber dieser »Charmeur« war mir in seiner halbfrechen, halb minaudirendenfranzösisch: affektiert, manieriert Koketterie immer unerträglich. Alles was er sagte und tat, war ein Versuch einen zu beschwätzen, oder zu brutalisieren. Ich glaube immer die Art wie er seine Liebe an die Frau bringt, muss ein Mittelding vonzwischen der Energie eines Handlungsreisenden und der eines Erpressers haben. sein. Für Menschen dieses Schlages wäre eine Hölle leicht zu erfinden: Der Ort, wo Alles, um seiner selbst willen gesagt und getan wird, und wo nichts sich spiegeln kann. Ich begreife, dass Frauen die Existenz von Hofreiters als eine einzige grossartige Reverenz vor ihrer Sexualität empfinden, aber ich verarge – Ihnen, lieber Arthur – sehr, dass Frau Genia ihn liebt. Ich glaube immer, a Sie haben, aus gemeinsamer Jugend her, noch mehr Sympathie für Herrn Fried– – –rich Hofreiter als er verdient. Wenn schon – dann ziehe ich die Aigners vor. Bei denen ist es animalischer, mehr um der Sache selbst willen, und, wie Alles Sachliche, zuletzt, nicht hässlich.

Übrigens ist das »Und man kann doch nicht Jeden – – –« Hofreiters, in der letzten Scene, prachtvoll. Hier wirkt er doch grösser, und hat ein anderes Gesicht als die kleinlich verknitterten Züge einer lüsternen Maus (über die, von den klein sich kräuselnden Haaren, ein Schatten Judenthums fällt) – an die mich das Original immer erinnerte.

Missrathenes Halbblut, das einen – nicht mich – nachdenklich machen könnte!

Eine einzige Stelle im Stück würde ich gerne vermissen: Ende des III. Aktes. Die Worte Ernas: »Und ich ahne, es giebt noch schönre Stunden, als die dort oben war auf dem Aignerturm.«

Hier – noch dazu in Association mit der Table d’hôtefranzösisch, wörtlich: Tisch des Gastgebers; gemeint ist eine Menüfolge, bei der die Speisen vorgegeben sind. – wirkt das nicht wie ruhige Offenheit, sondern es wird daraus ein komisch-pedantisches, sich an den Tisch der Liebe setzen, und auf den letzten Gang freuen.

Als ich hier ankam, und vor dem »Hôtel Post« auf mein Gepäck wartete, war Ihr »Gustl Wahl«Friedrich Eckstein ist in der Ischler Kurliste vom 6. 7. 1910 als im Hôtel Post wohnhaft gelistet. das erste bekannte Gesicht, das ich sah. Er wird meine grosse Heiterkeit bei seinem Anblick nicht verstanden haben.

Lieber Arthur: Ich danke Ihnen für die schöne Nachmittagsvorstellung die Sie mir verschafften, bin sicher, dass Sie noch sehr viel Freude an Ihrer Tragikomödie haben werden, habe Ihnen noch eine ganze Menge darüber zu sagen: (hoffentlich kommen Sie bald hieher) – und grüsse – mit Paula zusammen – Sie und Ihre Frau herzlichst

IhrRichard

Schlaflied für Mirjam.

Schlaf mein Kind – schlaf, es ist spät!Sieh, wie die Sonne zur Ruhe dort geht,Hinter den Bergen stirbt sie im Rot.Du – du weisst nichts von Sonne und Tod,Wendest die Augen zum Licht und zum Schein,Schlaf, es sind soviel Sonnen noch dein,Schlaf mein Kind – mein Kind, schlaf ein!Schlaf mein Kind – der Abendwind weht;Weiss man, woher er kommt, wohin er geht?Dunkel, verborgen die Wege hier sind,Dir, und auch mir, und uns allen mein Kind!Blinde – so gehn wir und gehen allein,Keiner kann Keinem Gefährte hier sein –Schlaf mein Kind – mein Kind, schlaf ein!Schlaf mein Kind und horch nicht auf mich!Sinn hat’s für mich nur, und Schall ist’s für dich;Schall nur, wie Windeswehn, Wassergerinn,Worte – vielleicht eines Lebens Gewinn!Was ich gewonnen, gräbt mit mir man ein,Keiner kann Keinem ein Erbe hier sein –Schlaf mein Kind – mein Kind, schlaf ein!

Richard Beer-Hofmann.

Paula Beer-Hofmann 1879-02-25 Wien 48,208333 16,373056 1939-10-30 Zürich 47,37174 8,54226 Richard Beer-Hofmann 1866-07-11 Wien 48,208333 16,373056 1945-09-26 New York City 40,71427 -74,00597 Schnitzler Arthur 15. 5. 1862 Wien 48,208333 16,373056 21. 10. 1931 Wien 48,208333 16,373056 Schriftsteller/Schriftstellerin Mediziner/Medizinerin https://d-nb.info/gnd/118609807/ Frieda Pollak 1881-12-08 Wien 48,208333 16,373056 1937-07-13 Wien 48,208333 16,373056 Mirjam Beer-Hofmann 1897-09-04 Wien 48,208333 16,373056 1984-12-24 New York City 40,71427 -74,00597 Louis Philipp Friedmann 1861-06-29 Paris 48,85341 2,3488 1939-04-01 Wien 48,208333 16,373056 Friedrich Eckstein 1861-02-17 Perchtoldsdorf 48,11895 16,25736 1939-11-10 Wien 48,208333 16,373056 Olga Schnitzler 1882-01-17 Wien 48,208333 16,373056 1970-01-13 Lugano 46,01008 8,96004 ?? [Übersetzer Deutsch zu Ungarisch] 1910 1910 Der junge Medardus. Dramatische Historie in einem Vorspiel und fünf Aufzügen Der junge Medardus. Dramatische Historie in einem Vorspiel und fünf Aufzügen. Berlin: S. Fischer [26.10.]1910 Altwiener Stück Doppelselbstmord Schnitzler, Arthur Das weite Land. Tragikomödie in fünf Akten http://www.literature.at/alo?objid=12113 Arthur Schnitzler: Das weite Land. Tragikomödie in fünf Akten. Erste Auflage. Berlin: S. Fischer 1911, Frieberg Schnitzler, Arthur Die Welt in der man sich langweilt Pailleron, Édouard Schlaflied für Mirjam Beer-Hofmann, Richard Metzl, Wladimir Bad Ischl Bad Ischl Bad Ischl 47,71109 13,61893 Salzkammergut 47,75 13,5 Ungarn Ungarn Republic of Hungary Ungarn Hungary 47,0 20,0 Europa 48,69096 9,14062 Österreich-Ungarn 48,4054 16,4887 Hotel Post [Bad Ischl] 47,712295 13,622853 Bad Ischl 47,71109 13,61893 Steinfeld 47,71254 13,6326 Bad Ischl 47,71109 13,61893 Wien K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien Wien Bécs Land Wien Vídeň Wenia Beč Vindobona Vindobona Vienna Vienna Vienna 48,208333 16,373056 Österreich 47,33333 13,33333 Akademisches Gymnasium Wien Kaiserlich-Königliches Akademisches Staatsgymnasium Akademisches Gymnasium. Wien Akademisches Staatsgymnasium Akademisches Gymnasium in Wien Wiener Akademisches Gymnasium Akademisches Gymnasium I., Innere Stadt 48,20769 16,37049 https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb51.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/51/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/36789/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/51010/ https://sws.geonames.org/2775259/ https://www.kraus.wienbibliothek.at/legalkraus/pmb51.html https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb51.html http://www.wikidata.org/entity/Q267329 https://de.wikipedia.org/wiki/Innere_Stadt_(Wien) https://wienerschnitzler.org/pmb51.html https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb51.html https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb51.html Wien 48,208333 16,373056 https://sws.geonames.org/2761369/ https://d-nb.info/gnd/4066009-6 https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/50/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/2316/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/20954/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/65221/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/65223/ https://www.kraus.wienbibliothek.at/legalkraus/pmb50.html http://www.wikidata.org/entity/Q1741 https://de.wikipedia.org/wiki/Wien https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://sws.geonames.org/2761333/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/33999/ https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://wienerschnitzler.org/pmb50.html https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00347 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00066 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00085 https://biblio.ub.uni-freiburg.de/sf/#pmb50 https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://www.schoenberg-ue.at/ue/places/place.9.11 Akademisches Gymnasium 48,201388888889 16,376111111111 https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/1273/ http://www.wikidata.org/entity/Q414936 https://de.wikipedia.org/wiki/Akademisches_Gymnasium_(Wien) https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Special:URIResolver/?curid=29243 https://wienerschnitzler.org/pmb1273.html https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb1273.html https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb1273.html