Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren 1919-01-17 Robert Adam an Arthur Schnitzler, 17. 1. 1919 Adam, Robert Müller, Martin Anton Susen, Gerd-Hermann Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF
Georg-Coch-Platz 2 1010 Wien A Wien
schnitzler-briefe Transkription und Kommentierung Müller, Martin Anton Susen, Gerd-Hermann Austrian Centre for Digital Humanities Vienna 2023

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https://hdl.handle.net/21.11115/0000-000E-742F-C

Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur Schnitzler

GB Cambridge University Library Schnitzler, B 1 beschriftet: »Adam«mehrere Unterstreichungenvon unbekannter Hand nummeriert: »12« A Wien Österreichische Nationalbibliothek Cod.ser. 52.269, 231
German Adam, Robert 17. 1. 1919 Wien Schnitzler, Arthur [17. 1. 1919 – 21. 1. 1919?] Wien Adam, Robert Schnitzler an Engländer, 10. 1. 1919 Schnitzler an Adam, 21. 1. 1919 Schnitzler an Adam, 20. 12. [1918] Schnitzler an Adam, 21. 1. 1919 Angelegt Durchsicht Index check finalisiert
Wien, 17. Januar 1919Hochverehrter Herr Doktor!

Da ich vom Deutschen Volkstheater zwei Monate lang nichts zu hören bekam, konnte ich meine verzweifelte Ungeduld nicht mehr bezwingen undschrieb an die Direktion,sie möchteso gutsein, mich vom Stande der Dinge zu verständigen (was wir in der Amtssprache eine »Betreibung« nennen). Heut erhielt ich nun vom Dramaturgen DrGlücksmann folgenden Brief:

»Ihre beiden dramatischen Arbeiten ›Der Fremde‹ und ›Ypplsind längst gelesen. Ich gestehesofort: mit lebhaftestem Genuß. Die Christus-Szenensind nicht alle gleichwertig, aber doch zumeistschön und tief und nachklingend. Vielleicht wird es möglichsein,sie im Rahmen einer literarischen Veranstaltung zu bringen. Das 3. Bild wird man wohl auslassen müssen, aus inneren Gründen, und vielleicht ist auch das 4., nur ein undramatisches Gleichnis, von der Bühne herab nicht wirksam. 1.2.5. und 6 dürften jedoch ihre Probe bestehen.

»Was ›Yppl‹ anbelangt,so ist es eine gute Satire auf das kleinstädtische Beamtenleben. Die Lösung des Konfliktes erscheint mir freilich gewaltsam und nicht überzeugend, die Wiederholung der Probe des Dilettanten-Stückes wäre zu vermeiden, weilsie ein bischen auf den Gang der Handlung drückt. Jedenfalls habe ich es für meine Pflicht gehalten, Herrn Direktor Bernau für die beiden Arbeiten zu interessieren. Sobald er dazu kommt, wird ersie auch lesen.«

Nach Erhalt dieses Briefes, des angenehmsten, den ich noch in Theaterdingen bekommen habe, begab ich mich – heut vormittags – in das Theater undsuchte DrGlücksmann auf. Er äußertesichsehr liebenswürdig über beide Stücke undsagte, er habesie dem Direktorschon längst als erste der von ihm zu lesenden vorbereitet, dochsei er immer noch abgehalten gewesen, die Lektüre vorzunehmen.

Daß DrGlücksmann gerade das 3. und 4. Bild des »Fremden« (»Die Hure« und »Der Hund«) für untheatralisch hält, ist mir nicht recht begreiflich, da ich immer gerade diese beiden Szenen für die dramatisch allein wirksamen gehalten habe, und auch Sie, hochverehrter Herr Doktor, haben eine ähnliche Meinung geäußert.

Welche Szenen aber zur Aufführung kommen,scheint mir vonsekundärer Wichtigkeit; wenn nur überhaupt eine Annahme erfolgte! Denn damit wäre wohl die Möglichkeit gegeben, einen Verleger zu finden, und ichsehne mich unbändig danach, just den »Fremden« gedruckt zusehen.

Ich will nun den Versuch machen, Direktor Bernau im Theater anzutreffen und ihn zu Beschleunigungseiner Entscheidung zu veranlassen. Sollten Sie, hochverehrter Herr Doktor, in der nächsten Zeit einmal mit ihm zusammentreffen,so bitte ihn bei dieser Gelegenheit meine Stücke in Erinnerung zu bringen (sofern es Ihnen nicht unangenehm ist).

Außer diesem Ereignis weiß ich aus der Monotonie meiner Existenz nichts zu berichten: ich arbeite im Amt und lese daheim, halbsatt und halbwarm und halb im Winterschlaf.

Wenn ich Sie nichtstöre, möchte ich Sie gerne wieder einmal aufsuchen; ich habe einige kleine Lektüreentdeckungen gemacht, die Sie vielleicht interessieren könnten.

Mit besten Grüßen IhrsehrergebenerDrRAdam
Heinrich Glücksmann 1864-07-08 Rakšice 49,03504 16,31877 1943-03-01 Buenos Aires -34,61315 -58,37723 Robert Adam 1877-04-20 Wien 48,208333 16,373056 1961-10-16 Baden bei Wien 48,00543 16,23264 Schnitzler Arthur 15. 5. 1862 Wien 48,208333 16,373056 21. 10. 1931 Wien 48,208333 16,373056 Schriftsteller/Schriftstellerin Mediziner/Medizinerin https://d-nb.info/gnd/118609807/ Alfred Bernau 1879-03-06 Engers 50,43106 7,54415 1950-08-20 Sankt Wolfgang im Salzkammergut 47,73932 13,44666 Jesus 7–4 v. u. Z. Nazareth 32,70056 35,29722 30/31 Jerusalem 31,76904 35,21633 Yppl. Idylle in fünf Akten Adam, Robert Der Fremde Adam, Robert Volkstheater Deutsches Volkstheater Deutsches Volkstheater 48,205142 16,3566 VII., Neubau 48,2 16,35 Wien K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien Wien Bécs Land Wien Vídeň Wenia Beč Vindobona Vindobona Vienna Vienna Vienna 48,208333 16,373056 Österreich 47,33333 13,33333