Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren 1922-01-30 Arthur Schnitzler an Georg Brandes, 30. 1. 1922 Schnitzler, Arthur Müller, Martin Anton Susen, Gerd-Hermann Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF
Georg-Coch-Platz 2 1010 Wien A Wien
schnitzler-briefe Transkription und Kommentierung Müller, Martin Anton Susen, Gerd-Hermann Austrian Centre for Digital Humanities Vienna 2023

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https://hdl.handle.net/21.11115/0000-000E-7468-B

Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur Schnitzler

Dk Kopenhagen Det Kongelige Bibliotek Georg Brandes Arkiv, box 125 von unbekannter Hand beschriftet: »Schnitzler« und nummeriert: »44.«, die Blätter durchgezählt »1«–»3«, wobei bei den letzten beiden Blättern auch zusätzlich das Datum ergänzt ist: »30/1 22« Brandes, Georg Schnitzler, Arthur Ein Briefwechsel Bergel, Kurt Bern Francke 1956 133–135 Schnitzler, Arthur Briefe 1913–1931 Braunwarth, Peter Michael Miklin, Richard Pertlik, Susanne Schnitzler, Heinrich Frankfurt am Main S. Fischer 1984 263–266
German Schnitzler, Arthur 30. 1. 1922 Wien Brandes, Georg [31. 1. 1922 – 4. 2. 1922?] Kopenhagen Brandes, Georg Hofmannsthal an Schnitzler, 28. 1. 192[2] Salten an Schnitzler, [22. 2. 1922?] Brandes an Schnitzler, 5. 1. 1922 Brandes an Schnitzler, 15. 5. 1922 Angelegt Durchsicht Index check Durchsicht Finalisiert
Wien, 30. 1. 1922

Mein lieber und verehrter Freund, es trifft sich gut, daß ich Ihnen auf Ihren letzten Brief noch zu antworten habe, so darf ich, ganz nebenbei und gewissermaßen unabsichtlich die Gelegenheit benutzen und Ihnen zu Ihrem 80. Geburtstag Glück wünschen, von dem Sie natürlich nichts hören wollen. Aber wenn solche Daten auch nicht viel Sinn haben, – man darf zu einem solchen Tag rückhaltloser derart allerlei aussprechen, was sonst vielleicht pathetisch oder sentimental klänge, und so erlauben Sie mir nur ganz einfach hier niederzuschreiben, daß unter den Menschen, die älter sind als ich – und denen ich nicht eben durch die engsten verwandtschaftlichen Bande verknüpft war, kaum Einer ist, dem ich so von Herzen und von Geiste zugethan war und bin als Ihnen, Georg Brandes – und der mir – nicht nur durch seine Werke, sondern durch sein Sein, sein Dasein, – mein Bewußtsein von seiner Gegenwart in der Welt so viel gegeben hat als Sie! Möchten Sie doch allen die Sie lieben und bewundern, noch lange erhalten bleiben, – und möchte es das Schicksal fügen, daß wir einander wieder einmal persönlich begegnen.

Was in jenem »Interview« gestanden, weiß ich natürlich nicht; – mir war es bisher ganz unbekannt, daß mich ein daenischerJournalist interviewt hat; – es waren 2 oder 3 Herren aus Daenemark im Lauf der letzten Jahre bei mir, und ich habe mich mit ihnen über allerlei unterhalten, – hoffentlich war das, was diesen Besuchern in Erinnerung verblieben, nicht so confus wie das ZeugUnklar; womöglich meint er Joseph Gollomb: Dr. Arthur Schnitzler on the Vienna of To-day. In: New York Evening Post, 5. 6. 1920, Sec. 3, S. [1] und S. 12. ; ., was ich gleichfalls als »Interview« mit mir, vor einem Jahr in einer amerikanischen Zeitung zu lesen bekam – Nun Sie haben wohl ähnliche Erfahrungen gemacht. Es freut mich schon aus Ihrem Brief zu entnehmen, daß ich immerhin über Sie, lieber Freund, nichts böses geäußert zu haben scheine.

Mit dem »Reigen« hab ich freilich allerlei dummes erlebt; – was mir aber kaum nah gegangen ist. Das schlimmste erfährt man ja immer (auch das wird Ihnen nicht neu sein) nicht von den Gegnern, – sondern von den Freunden, – die den bessern Theil der Tapferkeit, die Vorsicht wählen. Aber es ist schon wahr, – unter den zahlreichen Affairen meines Lebens, ist es wohl diese letzte, in deenr Verlogenheit, Unverstand und Feigheit sich selbst übertroffen haben. (Dabei gesteh ich ohne weiteres zu, daß gegen die Aufführung des »Reigen« immerhin auch ehrliche Einwendungen möglich sind – aber diesesolche ehrlichen und discutabeln Einwendungen sind eben in hundert Fällen, wo sie auch und besser am Platze gewesen wären, nicht erhoben worden.) Ich lege hier übrigens einen Artikel. bei – das einzige Document, in dem ich selbst mich persönlich zu Worte habe kommen lassen; – er erklärt sich selbst.

Meine beiden Casanova-Sachen, das Lustspiel »die Schwestern« und die Novelle »Casan. Heimfahrt« sind so entstanden, daß mir zwei Stoffe, die schon geraume Zeit unter meinen Papieren lagen, durch die Lectüre der Casanova Memoiren plötzlich lebendig geworden sind. Die Beschäftigung damit bedeutete keine bewußte Abkehr von der Zeit. Zu den Ereignissen selbst hätt ich natürlich geschwiegen – gelegentlich mußte man sich nur melden, um gegen eine Verläumdung oder gar gegen Mißbrauch seiner Unterschrift zu protestirenSchnitzler spielt auf seine angebliche Unterschrift auf einer Protestnote gegen die Hinrichtung Ernst Tollers an, die am 11. 6. 1919 durch die Presse ging. Schnitzler hatte diese nicht unterschrieben und verfasste in der Folge einen Leserbrief, in dem er sich gegen die ungefragte Verwendung seines Namens verwehrte. . – Überraschungen hab ich eigentlich nicht erlebt, – die existiren für Unser Einen doch wohl nur in quantitativer Hinsicht.

Die Zustände in Wien sind übel genug, – die Preissteigerungen phantastisch 1000–2000 fach; – dabei ungeheuer viel Luxus; – und mehr stilles Elend als sichtbares. Die denen es am schlechtesten geht, halten weder Umzüge noch plündern sie. Wie es weiter gehen soll, weiß niemand. Wirkliche Hilfe kann natürlich von außen – auch durch die berühmten Credite, nie und nimmer kommen; – es müßten die außerordentlichen inneren national-oekonomischen Möglichkeiten unseres Landes mit Energie und ohne jede Rücksicht auf parteipolitische und Interessen ausgenutzt werden; – aber vielleicht ist es heute schon zu spät dazu. An ein Zugrundegehen von Wien glaub ich nicht (etwa im Sinne von Venedig –), aber als was es sich erheben und wieder emporblühen soll – und wann, das vermag ich nicht vorauszusehen. –

In meinen äußeren Verhältnissen – da wo sie schon die innern sind hat sich manches verändert. Von meiner Frau bin ich geschieden, – aber wir sind gute Freunde geblieben, – ja in der letzten Zeit wieder geworden, könnte man besser sagen. Sie lebt vorläufig in Salzburg, war aber in den letzten Tagen in Wien, und Sie können kaum glauben, wie viel wir gerade von Ihnen gesprochen haben. Mein Sohn, der heuer zwanzig wird, zeigt sich in theatralibus theoretisch und praktisch recht begabt, – auch musikalisch leistet er etwas. Dabei fehlt aber jede falsche Tendenz ins selbstschöpferische, – d. h. er dilettirt weder als Dichter noch als Componist. Ich glaube er ist der geborene Regisseur – und andre glauben es auch. Seine Hauptbeschäftigung ist jetzt Shakespeare; eben hat er eine Inszenierung von Maß für Maß gemacht – er arbeitet in der Hofbibliothek – jetzt Nationalbibliothek, – und hat auch an der Wanderbühne schon kleinere Rollen gespielt. – Meine Tochter Lili, zwölf vorbei geht ins Gymnasium; – declamirt die Jungfrau von Orleans, schreibt »Geschichten«, – und verwickelt mich jeden Morgen in die schwierigsten Gespräche über Gott und den freien Willen. Aber Landschaft, Schwimmen und Milchchocolade ist ihr glücklicherweise doch noch wichtiger.

Und von mir selber wenn Sie erlauben schreib ich Ihnen nächstens. Freundschaftlich treu

Der Ihrige wie immer Arthur Schnitzler
Georg Brandes 1842-02-04 Kopenhagen 55,67594 12,56553 1927-02-19 Kopenhagen 55,67594 12,56553 Schnitzler Arthur 15. 5. 1862 Wien 48,208333 16,373056 21. 10. 1931 Wien 48,208333 16,373056 Schriftsteller/Schriftstellerin Mediziner/Medizinerin https://d-nb.info/gnd/118609807/ Lili Cappellini 1909-09-13 Wien 48,208333 16,373056 1928-07-26 Venedig 45,43713 12,33265 William Shakespeare 23.4.1564? Stratford-upon-Avon 52,19166 -1,70734 1616-05-03 Stratford-upon-Avon 52,19166 -1,70734 Giacomo Girolamo Casanova 1725-04-02 Venedig 45,43713 12,33265 1798-06-04 Duchcov 50,60376 13,74621 Joseph Gollomb 1881-11-15 Sankt Petersburg 59,93863 30,31413 1950-05-23 New York City 40,71427 -74,00597 Ernst Toller 1893-12-01 Szamocin 53,02795 17,12653 1939-05-22 New York City 40,71427 -74,00597 Heinrich Schnitzler 1902-08-09 Hinterbrühl 48,08611 16,24809 Hauptstraße 56 48,08736 16,24924 1982-07-12 Wien 48,208333 16,373056 Julius Bangert 1880-11-02 Kopenhagen 55,67594 12,56553 1957-08-11 Gentofte Kommune 55,75 12,55 Olga Schnitzler 1882-01-17 Wien 48,208333 16,373056 1970-01-13 Lugano 46,01008 8,96004 Reigen. Zehn Dialoge https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/2587756 Reigen Schnitzler, Arthur Maß für Maß. Schauspiel in fünf Akten Maß für Maß Shakespeare, William Die Jungfrau von Orleans Die Jungfrau von Orleans Die Jungfrau von Orleans Schiller, Friedrich von Schiller, Friedrich von Die Schwestern oder Casanova in Spa. Lustspiel in Versen Deutsche Rundschau, Jg. 46, H. 1, Oktober 1919 Eifersucht Die Wiederkehr Spion https://www.schnitzler-edition.net/genetisch Schnitzler, Arthur Casanovas Heimfahrt Die neue Rundschau, Jg. 29, Heft 7–9, Juli–September 1918 Schnitzler, Arthur Dr. Arthur Schnitzler on the Vienna of To-day New York Evening Post, 5. 6. 1920 Gollomb, Joseph New-York Evening Post Eine Kundgebung für Toller Münchener Post, Jg. 33, Nr. 134, 11.6.1919, S. 4 Berichtigung. Ein paar Worte zum Gutachten Maximilian Hardens über den »Reigen« Artur Schnitzler: Berichtigung. Ein paar Worte zum Gutachten Maximilian Hardens über den »Reigen«. In: Neues Wiener Journal, Nr. 9782, 30. 1. 1921, S. 6. http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwj&datum=19210130&seite=6&zoom=33 Schnitzler, Arthur Aus meinem Leben Casanova, Giacomo Girolamo ?? [nicht ermitteltes dänisches Interview] ?? [dänischer Journalist, der Schnitzler interviewt] Amerika 32,530833 -117,02 Salzburg Iuvavum Salzburg Salzburg Salzburg Stadt Salzburg Salzburg? 47,80067 13,04532 Salzburg [Land] 47,41667 13,25 Kopenhagen Kopenhagen Kopenhagen Kopenhagen Copenhagen Copenhagen 55,67594 12,56553 Dänemark 56,0 10,0 Dänemark Dänemark Denmark Kingdom of Denmark Dänemark 56,0 10,0 Skandinavien 63,0 25,0 Europa 48,69096 9,14062 Venedig Venedig Venice Venedig 45,43713 12,33265 Italien 42,83333 12,83333 Wien K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien Wien Bécs Land Wien Vídeň Wenia Beč Vindobona Vindobona Vienna Vienna Vienna 48,208333 16,373056 Österreich 47,33333 13,33333 Österreichische Nationalbibliothek Hofbibliothek 48,20608 16,36678 I., Innere Stadt 48,20769 16,37049 Wanderbühne des österreichischen Volksbildungsamtes Wien 48,208333 16,373056 https://sws.geonames.org/2761369/ https://d-nb.info/gnd/4066009-6 https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/50/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/2316/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/20954/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/65221/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/65223/ https://www.kraus.wienbibliothek.at/legalkraus/pmb50.html http://www.wikidata.org/entity/Q1741 https://de.wikipedia.org/wiki/Wien https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://sws.geonames.org/2761333/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/33999/ https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://wienerschnitzler.org/pmb50.html https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00347 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00066 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00085 https://biblio.ub.uni-freiburg.de/sf/#pmb50 https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://www.schoenberg-ue.at/ue/places/place.9.11