Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren 1925-07-07 Arthur Schnitzler an Georg Brandes, 7. 7. 1925 Schnitzler, Arthur Müller, Martin Anton Susen, Gerd-Hermann Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF
Georg-Coch-Platz 2 1010 Wien A Wien
schnitzler-briefe Transkription und Kommentierung Müller, Martin Anton Susen, Gerd-Hermann Austrian Centre for Digital Humanities Vienna 2023

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https://hdl.handle.net/21.11115/0000-000E-74AC-E

Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur Schnitzler

Dk Kopenhagen Det Kongelige Bibliotek Georg Brandes Arkiv, box 125

Text und Nummerierung der Blätter: »II« bis »VI«

von unbekannter Hand nummeriert: »52.« und die weiteren Blätter datiert: » 7/7 25 «
Brandes, Georg Schnitzler, Arthur Ein Briefwechsel Bergel, Kurt Bern Francke 1956 147–149 Schnitzler, Arthur Briefe 1913–1931 Braunwarth, Peter Michael Miklin, Richard Pertlik, Susanne Schnitzler, Heinrich Frankfurt am Main S. Fischer 1984 411–414
German Schnitzler, Arthur 7. 7. 1925 Wien Brandes, Georg [8. 7. 1925 – 12. 7. 1925?] Kopenhagen Brandes, Georg Schnitzler an Schwarzkopf, 1. 7. 1925 Brandes an Schnitzler, 12. 7. 1925 Brandes an Schnitzler, 21. 6. 1925 Brandes an Schnitzler, 12. 7. 1925 Angelegt Durchsicht Index check Durchsicht
Wien, 7. Juli 1925

mein lieber und verehrter Freund, Sie haben mich während Ihres diesmaligen Aufenthalts in Wien »nicht heiter« gefunden, – und so muß ich fast befürchten, daß Sie nicht ganz bemerkt haben, wie glücklich mich Ihre Anwesenheit gemacht hat und wie froh ich war, daß Sie mir Ihre Sympathie – eines der Geschenke, für die ich dem Schicksal besonders dankbar bin – all die Jahre hindurch, die wir einander schon kennen, ungehindert erhalten haben. Darf ich Ihnen heute in diesen Zeilen zum Ausdruck bringen, was von Angesicht zu Angesicht auszusprechen, was in meinem Betragen zu verdeutlichen ich, mehr meinem ganzen Wesen nach, als aus vorübergehenden Stimmungen heraus, nicht so recht im Stande war und bin? Es ist richtig, (und es bewegt mich sehr, dass Sie es empfunden haben, wenn es mir auch ein bischen leid thut), dass ich zuweilen ein wenig melancholisch bin, oder doch bedrückt. Hauptanlaß wohl mein Ohrenleiden, an dem nicht nur die langsam aber sicher zunehmende Schwerhörigkeit, sondern, mehr noch, die ununterbrochenen subjectiven Geräusche, ein Klingen, ein Sausen, und ein nicht stetes Vogelzwitschern (das sich bis zu einem mäßigen Papageiengekreisch verstärken kann) recht quälend sind. Und, sonderbar genug, es gibt doch Stunden, ja Tage, an denen mir diese Geräusche, – so continuirlich sie immer (seit bald dreißig Jahren!) kaum zu Bewußtsein kommen. Im ganzen verläuft ja die Sache etwas langsamer, als ich zu Beginn der Erkrankung gefürchtet habe – man gewöhnts auch allmälig (öffnende Klammer am Zeilenende gestrichen und in der neuen Zeile erneut ausgeführtzu mindesten manchmal) aber es ist doch schlimm, dass mir insbesondere der Theaterbesuch schon ziemlich vergällt ist und auch bei musikalischen Genüssen viel, sehr viel entgeht. Und schlimm, daß es eine eigentliche »Stille« für mich längst nicht mehr gibt. Glücklicherweise werd ich im Schlafen nicht gestört, – wenn auch diese Geräusche auf mancherlei, oft ganz phantastische Art sich in meine Träume drängen.

Auch meine persönliche Existenz ist ja nicht ganz einfach, wie Sie wissen; aber es würde zu weit führen, da in Einzelheiten einzugehen; – an Conflicten seelischer Art mangelt es ja in diesen Grenzjahren (es ist vielleicht kühn, mit 63 noch von Grenzjahren zu reden, aber gerade Sie werden mich verstehen) nie.

Dabei fühl ich doch, dass ich im Grunde nicht klagen dürfte (ich thu’s auch selten), – besonders darum weil meine beiden Kinder sehr wohl gerathen sind (auch steh ich jetzt mit meiner früheren Gattin, die in Baden-Baden lebt, in sehr freundschaftlichen, natürlich nicht immer ungetrübten Beziehungen), und ferner weil ich mich in meiner Schaffenslust eher noch wachsen als abnehmen fühle. Auch an äußeren Erfolgen fehlt es nicht; und nach einer Periode, die sich ein wenig bedenklich anließ, glaub ich auch materiell – ach nicht durch das Vorhandensein eines Vermögens – wer besitzt denn jetzt etwas!, – aber durch das Ansteigen meiner Einnahmen, – mit Ruhe in die Zukunft blicken zu dürfen. Und blasirt bin ich ja nicht – mir macht eigentlich alles mehr Freude als es mir in meiner Jugend gemacht hat, – jede Blume, jeder Spaziergang, jedes schöne Buch und Herzlichkeit mancher Art, die mir entgegengebracht wird. »So wollen wirs denn noch eine Weile weiter treiben« wie ein sehr Großer gesagt haben könnte und wahrscheinlich irgendwo gesagt hat – und Sie sollen wissen, liebster Freund, dass ich, wenn auch gelegentlich ein wenig verdüstert, mich gar nicht übel befinde; – und hoffentlich mach ich auch Ihnen einen vergnügtem Eindruck, wenn wir uns wiedersehen.

Wie gut begreife ich, dass Sie nicht nach »Leningrad« gehen wollen – auch ich, (selbst wenn ich dort nicht reden müßte,) hätte nicht die geringste Lust dazu. Kennen Sie das (kleine)Buch von Bucharin über den Bolschewismus? Wenn die deutsche Übersetzung nicht etwaunsicher zu lesen; wohl zur Verdeutlichung gestrichen und über der Zeile wiederholt zu dem Zwecke gefälscht ist, um die Idee – (die Idee!!) des Bolschewismus zu compromittieren, dann hat es Bucharin selbst in unübertrefflicher Weise gethan. –

Ihren Brief hab ich in Bozen erhalten, (Bolzano) von wo ich erst vor ein paar Tagen nach Wien zurückgekehrt bin. Ich bleibe nur den Juli über hier, und fahre im August wahrscheinlich wieder in die Dolomiten. Für den Herbst steht mir allerlei bevor: in BerlinDie geplante Inszenierung von Victor Barnowsky wurde nicht realisiert (vgl. Briefe 1913–1931, S. 468). die Aufführung der Komödie der Verführung, – in WienReprisenDas weite Land wurde ab 4. 9. 1925 am Deutschen Volkstheater gegeben, wo auch Der einsame Weg am 14. 11. 1925 im Zuge eines Gastspiels von Albert Bassermann aufgeführt wurde. von »Das weite Land« und »der einsame Weg«, vielleicht auch ein neues Stück (in Versen). Ein paar Novellen sind auch fertig. In ParisNicht realisiert, das Stück wurde erst 1931 gegeben. wird vielleicht »das weite Land« gespielt werden; und nach Amerika bin ich zur Premiere des »einsamen Wegs« im Guild TheaterDas Stück wurde erst 1931 auf den Spielplan genommen. u. des »Ruf des Lebens« am Astor TheaterProduziert vom Astor Theater, wurde The Call of Life im Comedy Theatre am 9. 10. 1925 zum ersten Mal und in Folge neunzehnmal gegeben. Die Bearbeitung stammte von Dorothy Donnelly. eingeladen (Ich werde aber kaum hinreisen.) –

– Ich lese immer noch, aufs stärkste angeregt, Ihren wunderbaren Julius Caesar. Und erwarte Ihr »Hellas«. –

Bleiben Sie mir weiter, und lange noch der Freund, der Sie mir immer waren; es ist schön zu wissen, daß Sie auf der Welt sind! Ich grüße Sie von Herzen!

IhrArthur Schnitzler
Georg Brandes 1842-02-04 Kopenhagen 55,67594 12,56553 1927-02-19 Kopenhagen 55,67594 12,56553 Schnitzler Arthur 15. 5. 1862 Wien 48,208333 16,373056 21. 10. 1931 Wien 48,208333 16,373056 Schriftsteller/Schriftstellerin Mediziner/Medizinerin https://d-nb.info/gnd/118609807/ Nikolaj Ivanovič Bucharin 1888-10-09 Moskau 55,76167 37,60667 1938-03-15 Moskau 55,76167 37,60667 Victor Barnowsky 1875-09-10 Berlin 52,52437 13,41053 1952-08-09 New York City 40,71427 -74,00597 Albert Bassermann 1867-09-07 Mannheim 49,4891 8,46694 1952-05-15 Atlantischer Ozean 7,0 -31,0 Dorothy Donnelly 1880-01-28 New York City 40,71427 -74,00597 1928-01-03 New York City 40,71427 -74,00597 Heinrich Schnitzler 1902-08-09 Hinterbrühl 48,08611 16,24809 Hauptstraße 56 48,08736 16,24924 1982-07-12 Wien 48,208333 16,373056 Olga Schnitzler 1882-01-17 Wien 48,208333 16,373056 1970-01-13 Lugano 46,01008 8,96004 Lili Cappellini 1909-09-13 Wien 48,208333 16,373056 1928-07-26 Venedig 45,43713 12,33265 Der Ruf des Lebens. Schauspiel in drei Akten http://www.literature.at/viewer.alo?objid=12117&page=1&viewmode=fullscreen Vatermörderin Der Ruf des Lebens Schnitzler, Arthur Der einsame Weg. Schauspiel in fünf Akten https://archive.org/details/dereinsamewegsc00schngoog/ Junggeselle Junggesellenstück Die Egoisten Einsame Wege Wege ins Dunkle Weg zum Licht Der einsame Weg Herbst https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783111334066/html Schnitzler, Arthur Komödie der Verführung. In drei Akten https://www.schnitzler-edition.net/genetisch?openWorkInfo=10049#werkinfo-10049 Der Verführer Komödie der Verführung Schnitzler, Arthur Das weite Land. Tragikomödie in fünf Akten http://www.literature.at/alo?objid=12113 Arthur Schnitzler: Das weite Land. Tragikomödie in fünf Akten. Erste Auflage. Berlin: S. Fischer 1911, Frieberg Schnitzler, Arthur Gaius Julius Cæsar Brandes, Georg Hellas Brandes, Georg The Call of Life. In Three Acts Donnelly, Dorothy Schnitzler, Arthur Die Frau des Richters. Novelle Vossische Zeitung, 7.–15. 8. 1925 Schnitzler, Arthur Der Gang zum Weiher. Dramatische Dichtung Der weise Vater Der Weiher Schnitzler, Arthur Traumnovelle Die Dame, Jg. 53, H. 6 (1. 12. 1925) – H. 12 (1. 3. 1926) Schnitzler, Arthur Das ABC des Kommunismus Bucharin, Nikolaj Ivanovič Das ABC des Kommunismus Preobraženskij, Evgenij A. Berlin Hauptstadt Berlin Barlīn Reichshauptstadt Berlin Berolino B-n 52,52437 13,41053 Deutschland 51,5 10,5 Amerika 32,530833 -117,02 Paris P'ariz Paris Pariž Parisius Île-de-France 48,85341 2,3488 Frankreich 46,0 2,0 Baden-Baden Baden-Baden bei Baden-Baden Baden-Baden Baden-Baden 48,7606 8,23975 Deutschland 51,5 10,5 Kopenhagen Kopenhagen Kopenhagen Kopenhagen Copenhagen Copenhagen 55,67594 12,56553 Dänemark 56,0 10,0 Bozen Bolzano 46,49067 11,33982 Italien 42,83333 12,83333 Sankt Petersburg St Petersburg Leningrad Peterburg Saint Petersburg Sankt Petersburg Petrograd Petersburg St. Petersburg St.-Petersburg ‛St. Petersburg 59,93863 30,31413 Russland 60,0 100,0 Wien K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien Wien Bécs Land Wien Vídeň Wenia Beč Vindobona Vindobona Vienna Vienna Vienna 48,208333 16,373056 Österreich 47,33333 13,33333 Dolomiten Dolomites Dolomiten Dolomites 46,4138 11,8398 Italien 42,83333 12,83333 Comedy Theatre 40,754372 -73,98532 New York City 40,71427 -74,00597 Astor Theatre New York City 40,71427 -74,00597 https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb5199.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/5199/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/44053/ https://sws.geonames.org/5128581/ https://www.kraus.wienbibliothek.at/legalkraus/pmb44053.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/98297/ https://d-nb.info/gnd/4042011-5 http://www.wikidata.org/entity/Q60 https://de.wikipedia.org/wiki/New_York_City https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb44053.html https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/pmb44053.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/261983/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/262663/ https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00384 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Premiere von The Call of Life, 9.10.1925 Comedy Theatre 40,754372 -73,98532 Premiere von Der einsame Weg, 14.11.1925 Volkstheater 48,205142 16,3566