Frankfurter Zeitung(Gazette de Francfort).Fondateur M.L. Sonnemann.Journal politique,
financier,commercial et littéraire.Paraissant trois fois par jour.Paris, 1. April.Bureau à Paris:24. Rue Feydeau.Mein lieber Freund,Dusiehst wohl, was Alles in der französischen Politik vorgeht. Der Teufel ist los, und ich komme noch immer
nicht dazu, Dir zuschreiben. Ich will Dir nur in der Eile für Deinen letzten lieben
Brief danken. Auch für Deine Photographie, die mich unendlich erfreut hat, habe ich
Dir wohl noch nicht gedankt. Richard Specht ist hier und macht mir viel Vergnügen; er ist ein lieber,sanfter Mensch
geworden; aber Talent hat er wohl nicht; er las uns ein Vers-DramaPierrot bossu. Eine Commedia dell’Arte zur
Fastnacht in gar zierlichen Reimen, verfertigt von Richard Specht, war Mitte Februar 1896 bei E. Pierson erschienen.: Verse, aber
keine Poesie. Armer Bursch!
Er möchteso gern!
Was Du über die Judenfrage im Zusammenhang mit HerzlsBuchschreibst, ist prächtig
und mir ganz aus der Seele gesprochen. Aber das Buch ist wirklich albern, – oberflächlich noch dazu und
falschsentimental. Echteschlechte Feuilletonisten-Literatur. Aber wie verbohrt, wie
falsch beobachtend muß ein Menschsein, der heut noch behauptet, die Judenseien ein
Volk. Du und ich, der RabbiBloBlochBlochJoseph Samuel Bloch trat als
Abgeordneter im Reichsrat engagiert gegen
antisemitische Verleumdungen auf. und der Jud’, der unten »handeln«schreit – ein Volk! Das
ist echt Herzl. So hat er auch die französischen Dinge angeschaut u. immer unrichtig gesehen. Für mich gibt es
eben nur eine Lösung der Judenfrage: daß die Judenschließlich Alle Christen werden. Jesus ist mir doch dersympathischeste Jude und ich will gern
zuseinen Jüngern zählen
Mein Onkel hat nett über »Anatol« geschriebenm. [ = Fedor Mamroth]: Schauspielhaus.
In: Frankfurter Zeitung, Jg. 40, Nr. 89,
29. 3. 1896, Zweites Morgenblatt, S. 1. Mamroth besprach die
gemeinsame Aufführung von Untreu von Roberto Bracco und SchnitzlersAbschiedssouper am Frankfurter
Schauspielhaus am 26. 3. 1896.. Meine Muttersendet noch folgende
Ergänzungs-Kritik:
Das »Abschieds« Souper von deinem Freunde hat unssehr gefallen – wenn es auch für diestupiden Frankfurter – viel zu fein war.Ausschnitt aus einem Brief von Clementine Goldmann auf einem eingeklebten
Zettel (blaue Tinte, deutsche Kurrentschrift)
Ostern möchte ich nach Frankfurt fahren, weiß aber noch nicht, woher ich das Geld nehmen werde.
Aber ich bin todt gearbeitet und habe ein heftiges
Bedürfniß nach ein paar Ruhetagen. Mit meinen Augen geht esschlecht,sie wollen
nicht mehr mit, und ich habe große Sorgen.
Vielleichtschreibe ich Dir den langen Brief doch noch vor den Feiertagen. Wenn
nicht: fröhliche Ostern.
Grüß’ Dich Gott, mein lieber Freund
Dein
Paul Goldmann.Der ArtikelHugo von Hofmannsthal: Gedichte von Stefan George. In: Die Zeit, Bd. 6, Nr. 77, 21. 3. 1896, S. 189–191. des
kleinen Loris in der »Zeit« über Stefan Georges hat mich einfach empört. Stefan Georges ist eine prätentiöse Talentlosigkeit, und der Artikel, abgesehen von dem falschen
Urtheil, ist in einem unerhörtschwülstigen u. manierirten Styl geschrieben. Ein
zweiter Hermann Bahr!
Gruß an Richard!kopfüber am oberen Rand der ersten
Seite