Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren 1903-11-07 Arthur Schnitzler an Felix Salten, 7. 11. 1903 Schnitzler, Arthur Müller, Martin Anton Untner, Laura Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF
Georg-Coch-Platz 2 1010 Wien A Wien
schnitzler-briefe Transkription und Kommentierung Müller, Martin Anton Untner, Laura Austrian Centre for Digital Humanities Vienna 2023

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https://hdl.handle.net/21.11115/0000-0012-CFAB-3

Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur Schnitzler

A Wien Wienbibliothek im Rathaus ZPH 1681, 2.1.516 von unbekannter Hand Nummerierung der Doppelseiten des Konvoluts: »40«–»50« Schnitzler, Arthur Briefe 1875–1912 Nickl, Therese Schnitzler, Heinrich Frankfurt am Main S. Fischer 1981 468–471
German Schnitzler, Arthur 7. 11. 1903 Semmering Salten, Felix [8. 11. 1903] Wien Salten, Felix Hofmannsthal an Schnitzler, 6. 11. 1903 Bahr an Schnitzler, 9. 11. 1903 Salten an Schnitzler, [zwischen 27. und 31. 10. 1903] Salten an Schnitzler, [9. 11. 1903] Export aus Transkribus Durchsicht Index check Durchsicht
Semmering7. 11. 903.

lieber, wir kommen eben von einem Ausflug. zurück und ich finde in der Zeit Ihr ReigenfeuilletonFelix Salten: Arthur Schnitzler und sein »Reigen«. In: Die Zeit, Jg. 2, Nr. 398, 7. 11. 1903, Morgenblatt, S. 1–2.. Überseinen künstlerischen Werth ist weiter nichts zusagen; es ist vorzüglich. Und wenn es den Titel trüge »Anatol u der Reigen«,so wäre es einfach meisterhaft zu nennen. Da es aber heißt: Arth. Schn. usein Reigen,so habe ich drauf einiges zu bemerken, und da Sie es geschrieben,so müssen Sie meinen Bemerkungen verzeihen, dasswennsie etwa einen Ton des Erstaunens verrathensollten, auf den Sie wahrscheinlich nicht vorbereitetsind. Aber ich möchte nicht, dass sich durch Unaufrichtigkeit oder Zurückhaltung meinerseits unsre Beziehungen ganz überflüssigerweise verdunkelnZu jüngeren Schwierigkeiten in der Beziehung und .oder nursollenten,sondern ziehe es vor, Ihnen gleich, vielleicht allzusehr in der ersten Erregung, aber völlig ehrlich zusagen, was ich gegen Ihr Feuilleton auf dem Herzen habe.Es kam mir vor allem überraschender als ichsagen kann, meine bisherige Production von Ihnen als Goldschmiedearbeit u Kleinkunst abgethan zu lesen.mit einem doppelten seitlichen Strich entlang des Mittelfalzes markiert Aus der Art u Weise wie Siesich bisher im persönlichen Verkehr und in kritisch-öffentlicher Erörterung vernehmen ließen, hab ich nicht vermuthet, dass Sie Liebelei oder Kakadu oder Lebendige Stunden oder Bertha Garlan zur Kleinkunst rechnen. Vielleicht haben Sie Recht (ich glaube es nicht) – und ich muss mich nur fragen, wie ich Sie bis zum heutigen Tage in allen Ihren Äußerungen über meine Sachensosehr habe misverstehen können. U. Wie oft haben wir gemeinschaftlich unsern Aerger, unsern Zorn über die Kritiken ausgesprochen, die, aus den verschiedensten Gründen, in jeder weiblichen Figur, die ohne den Trauring am Finger auftratitt, mitsatanischem Behagen, das »süße Mädel« wiederzuerkennen vorgaben für die Christine und Mizi und Franziska und Toni und Margarethe und Léocadie und womöglich auch die verwittweteBertha Garlan und die ehebrecherische Pauline nichts waren als die gleiche Gestalt unter verschiedenen Namen – und nun muss ich es bei Ihnen wied lesen, dass die niedliche, laes immer die gleiche »niedliche«, »langwierige« »Gefährtin« war, die mich begleitet hat und dass es mir erst mitin der Beatrice eine einigermaßen neue Verkleidung der altbekannten Figur gelungenmit einem doppelten seitlichen Strich entlang des Mittelfalzes markiert ist Wie oft haben wir darüber geklagt, wie Leichtfertigkeit und unguter Wille jederzeit daransind, den producirendenKünstler in ein Kastl zusperren, wie oft waren wir ergrimmt, über die Leute – verzeihen Sie dss ich michselbst citire – dier die der Mann, der ein oder zwei Mal inseine grüne Cravate getragen – immer u immer der Herr mit der grüne Cravate bleibtmit einem doppelten seitlichen Strich entlang des rechten Randes markiert – und möge ersich ein oder zwei Mal mit anderfarbigen Cravaten gezeigt haben – und nunsind Sie es, den ich rufen höre: »Er aber darf nicht weiterkommen So nicht –« »Nun muss ein andrer Rausch den Künstler umfangen –« als hätte mich wirklich mein Lebtag nichts andres interessirt, als – wie Herzl einmalschrieb »ob die Poldi den Franzl kriegt, oder ob der Rudi der Tini untreu wird»Daß es noch größere Fragen gebe, als ob die Mitzi mit dem Rudi vom Ferdl plötzlich verlassen worden sei, scheint er in seinen Werken nicht zu wissen.« H. [ = Theodor Herzl]: Feuilleton. Carl-Theater. (»Freiwild«, Schauspiel von Arthur Schnitzler). In: Neue Freie Presse, Nr. 12.024, 13. 2. 1898, S. 1–2. Schnitzler hatte sich auch über dieses Feuilleton geärgert, und .« als hätt ich immer nur die gleichen Menschen gestaltet,ewig die gleichen Situationen dargestellt – ewig u immer nur die grüne Cravate getragen! Und wieder frag ich mich: Ja hat er am Ende Recht?  Ist es nichtsehr wahrscheinlich, dass er Recht hat, gerad er, der dichseit deinen ersten Anfängen schäkennt undschätzt – und befindest du dich am Ende wirklich in der lächerlichen Selbsttäuschung mancher Künstler, die ihr kunstgewerbliches Bemühn für echtes Kunstbestreben, und ihren Winkel für eine Welt halten? Und mußt Du wirklich jedesmal wenn du ein weibliches Wesen neu zu gestalten glaubtest auf den Hohnruf gefasstseinmit einem doppelten seitlichen Strich entlang des linken Randes markiert dassüße Mädel Und jedesmal wenn du dieeine neue Beziehung zwischen zwei Menschen verschiedenen Geschlechtes darstellenzustellendenkst – vor dem Echo »Liebelei« zittern – und immer immer wieder, wenn du in eingebildeter Freiheit mit den Gebilden deiner Phantasie zuschalten meinst – immer wieder erfahren, dass du in dem alten Kastlsteckst, dass du nie verlassen hast? – Ich will es Ihnen nicht verhehlen niemals noch hatt ichsosehr das Gefühl:Es ist alles vergeblich – du bist etikettirt auf Lebenszeit, als während der Lecture Ihres Feuilletonsso viel Lob und Anerkennung Sie im übrigen über meine Kleinkunst ausschgießen – undsosehr ich überzeugt bin, dass Sie von allen Seiten den Vorwurf hören werden, mich in einen unverdienten Himmel gehoben zu haben. Der Reigen ist 1896/97 geschrieben. Es ist Ihnen bekannt, dass ichseither einiges andres gedichtet habe, gelungnes u minder gelungens. Die Beatrice ziehen Sie allerdings noch in den Kreis Ihrer Betrachtungen – als höchste Etappe auf meinem Süßen Mädl Weg. Auch der Lieutenant Gustl wird flüchtig erwähnt. Meiner Ansicht nach wäre beides überflüssig gewesen, wennIhr Feuilleton den Titel trüge:Anatol und der Reigen. Aber es heißt Arthur Schnitzler usein Reigen. Und Sie haben es geschrieben. Nicht einmal; hundertmal haben wir über meine Production, einhundert Mal über meine Intention gesprochen Nicht einmal unter diesen hundert ist mir eine Ahnung aufgedämmert, dass Sie auch heute noch den Reigenals das Endglied meines bisherigen Wirkens auffassen konnten, dass Sie glaubten ichstehünde heute noch dort, wo ich ambei Abschluss des Reigensstand – aber dass ichselbst innerhalb der Epoche, die vom Anatol bis zum Reigen geht, von Ihnen als Goldschmiedarbeiter u Kleinkünstler angesehen werdenürde – hab ich bis zum heutigen Tag nicht geahnt, und, darauf kommt es an, keines Ihrer Worte konnte mich bis heute vermuthen lassenmit einem doppelten seitlichen Strich entlang des linken Randes markiert, dass Sie michso und nicht anders werthen. Gegenüber dem Befremden, dass ich in dieser Hinsicht empfinde, kommt heute,seien Sie mir nicht böse, die Freude noch nicht auf, dass Sie vieles von mir mitso hohen Worten preisen und dass Sie noch bessers von mir zu erwartenscheinen. Aber gerade unser Verhältnis über dasso oft unter Wolken von Misverständnissen und Verstimmungen hinziehen, verlangt nach Gewittern und reinem Himmel. Es ist möglich, dass Sie mich in diesem Augenblick für anmaßend halten und mich zu der traurigen Sorte rechnen, »die aber wirklich auch den leisesten Tadel nicht vertragen«. So ist es nicht lieber Freund. Ich weiss, besser als irgend ein andrer, was mir und meinen Arbeiten vorzuwerfen ist. Auch meine Grenzen kenn ich. Weiss auch, dass mein Bestreben,sie auszudehnen, nicht immer von Erfolg begleitet war. Aber darüber glaubt ich bis heute mit Ihnen einig zusein – dass die mir Unrecht thaten, die auch in dem Dichter der Liebelei und des Kakadu nur den »Kleinkünstler« erkennen wollten – und die – für die ich im Kakadu in der Beatrice in der Bertha Garlan – von dem gleichen Rausch umfangen war als im Anatol – Und dass gerade diese Töne, die mich an anderm Ort und von andern Musikernso oft verletzt haben –so deutlich unter dersonstsoschönen Melodie Ihres Feuilletons von heute mitklingen, diesem Feuilleton, mit dem Sie mich gewiss durchaus zu erfreuen glaubten – dass hat mir, – Sie werden es vielleicht verstehen, eine bittre Stund verursacht, und ich halteielt es für angemessen, Ihnen das nicht zu verschweigen.

Ihr A. S.
Theodor Herzl 1860-05-02 Budapest 47,49835 19,04045 1904-07-03 Edlach 47,69255 15,80915 Schnitzler Arthur 15. 5. 1862 Wien 48,208333 16,373056 21. 10. 1931 Wien 48,208333 16,373056 Schriftsteller/Schriftstellerin Mediziner/Medizinerin https://d-nb.info/gnd/118609807/ Felix Salten 1869-09-06 Budapest 47,49835 19,04045 1945-10-08 Zürich 47,37174 8,54226 Der grüne Kakadu. Groteske in einem Akt Neue Deutsche Rundschau, Jg. 10, H. 3, März 1899, S. 282–308. Der grüne Kakadu Der grüne Kakadu Schnitzler, Arthur Lieutenant Gustl. Novelle Arthur Schnitzler: Lieutenant Gustl. In: Neue Freie Presse, Nr. 13053, 25. 12. 1900, Morgenblatt, S. 34–41 http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp&datum=19001225&seite=34 Leutnant Gustl Schnitzler, Arthur Reigen. Zehn Dialoge https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/2587756 Reigen Schnitzler, Arthur Der Schleier der Beatrice. Schauspiel in fünf Akten Shawl http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?apm=0&aid=601&teil=0111&seite=00000001&zoom=2 Der Schleier der Beatrice Schnitzler, Arthur Lebendige Stunden. Vier Einakter https://archive.org/details/3490676/page/n4 Lebendige Stunden Schnitzler, Arthur Liebelei. Schauspiel in drei Akten https://www.deutschestextarchiv.de/book/show/schnitzler_liebelei_1896 Das arme Mädl Schnitzler, Arthur Anatol Arthur Schnitzler: Anatol. Berlin: Bibliographisches Bureau 1892, vordatiert auf 1893 Anatol Schnitzler, Arthur Hofmannsthal, Hugo von Frau Bertha Garlan. Roman Neue Deutsche Rundschau, Jg. 12, H. 1, Januar, S. 41–64; H. 2, Februar, S. 181–206; H. 3, März, S. 237–272, 1901 Schnitzler, Arthur Arthur Schnitzler und sein »Reigen« Die Zeit, Jg. 2, Nr. 398, 7. 11. 1903, Morgenblatt, S. 1–2. https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=zei&datum=19031107&seite=1&zoom=33 Salten, Felix Die Zeit https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=zei&datum=19021026 Kanner, Heinrich Singer, Isidor Feuilleton. Carl-Theater. (»Freiwild«, Schauspiel von Arthur Schnitzler.) H. [=Theodor Herzl]: Feuilleton. Carl-Theater. (»Freiwild«, Schauspiel von Arthur Schnitzler.). In: Neue Freie Presse, Nr. 12024, 13. 2. 1898, S. 1–2 H. https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp&datum=18980213&seite=1&zoom=33 Herzl, Theodor Neue Freie Presse http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp Neue freie Presse (Zeitung, Wien) Bacher, Eduard Benedikt, Moriz Benedikt, Ernst Die Frau mit dem Dolche Schnitzler, Arthur Literatur Schnitzler, Arthur Das Vermächtnis. Schauspiel in drei Akten Schnitzler, Arthur Semmering Gemeinde Semmering Semmering-Semmering-Kurort Kurort Semmering Semmering-Kurort Heilklimatischer Höhenluftkurort Semmering Semmering- Kurort Semmering Semmering Semmering 47,64224 15,8241 Österreich 47,33333 13,33333 Wien K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien Wien Bécs Land Wien Vídeň Wenia Beč Vindobona Vindobona Vienna Vienna Vienna 48,208333 16,373056 Österreich 47,33333 13,33333