Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren 1907-01-28 Arthur Schnitzler an Paul Goldmann, nicht abgesandt, 28. 1. 1907 Schnitzler, Arthur Müller, Martin Anton Untner, Laura Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF
Georg-Coch-Platz 2 1010 Wien A Wien
schnitzler-briefe Transkription und Kommentierung Müller, Martin Anton Untner, Laura Austrian Centre for Digital Humanities Vienna 2023

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https://hdl.handle.net/21.11115/0000-0012-D1BF-9

Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur Schnitzler

GB Cambridge University Library Schnitzler, A 20,6

eine Unterstreichung

Vermerk »(An Goldmann.)« und zwei sprachliche Eingriffe

Vermerk »nicht. abgesandt.«, marginale Korrekturen, Paginierung der 1. Seite

German Schnitzler, Arthur 28. 1. 1907 Wien Goldmann, Paul [nicht erhalten] Goldmann, Paul Burckhard an Schnitzler, 26. 1. 1907 Hofmannsthal an Schnitzler, [zwischen 3. – 7. 2. 1907] Goldmann an Schnitzler, 18. 9. [1906] Goldmann an Schnitzler, 7. 7. 1907 Export aus Transkribus Durchsicht Index check Durchsicht
28. I. 907.

Auch Schweigen wäre Unaufrichtigkeit.Der unmittelbare Anlass für diesen nicht abgesandten Brief ist unklar. Womöglich war das letzte Feuilleton Goldmanns ausschlaggebend: Berliner Theater. »Mensch und Übermensch« von Bernard Shaw (Neue Freie Presse, Nr. 15.241, 25. 1. 1907, Morgenblatt, S. 1–4). Zumindest mit der Wiederaufnahme des Begriffs ›polemisieren‹ aus dem vorangegangenen (erhaltenen) Brief Goldmanns vom bettet sich dieses Schreiben in die Korrespondenz ein. Zugleich verfügt er durch die Unterscheidung zwischen Dichter und Literat (ersterer arbeitet unter Einsatz seiner Persönlichkeit), eine bedeutsame biografisch-werkästhetische Aussage für Schnitzler. Das dürfte dieser selbst so gesehen haben, denn dieser Text wird (zusammen mit den Abschriften seiner Briefe an Goldmann, vgl. auch ) nicht bei den restlichen Briefen im Deutschen Literaturarchiv in Marbach aufbewahrt, sondern findet sich im literarischen Teil des Nachlasses in der Cambridge University Library. Ich muss es Dir wieder einmal sagen. Seit Jahren, Du weisst es, verfolge ich Deine Feuilletons mit wachsendem WiderstandDie Unterstreichung, die sich hier in der Vorlage befindet, dürfte von Schnitzler stammen und einem archivalischen Zweck dienen, nicht der Textauszeichnung des Originals.. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass auch meinem Geschmack Einzelheitenkorrigiert aus »einzelheiten« zusagen. Dass Du in einzelnem Recht hast. Aber als ganzes verwerf ich sie durchaus. Gesinnung und Ton. Ich wünsche nicht mit Dir zu polemisieren, vielmehr, ich betone ausdrücklich, dass ich Unrecht haben kann,korrigiert aus »kann.,« dass Du sachlich Recht haben, dass Du sogar gut schreiben magst. Alles das ist möglich. Aber erst in einer fernen Zukunft wird das zu entscheiden sein. Und wir haben keine Zeit das abzuwarten. Das Wesentliche ist nur, dass Du und ich wie zwei fremde Welten einander gegenüber stehen. Dass unser Verhältnis zu dem, was heute gesagt, gedacht, geschrieben wird, in den wesentlichsten Punkten völlig von einander verschieden ist. Wir sind vor fünf Jahren anlässlich Deiner StellungnahmeHauptmannHöchstwahrscheinlich bezog sich Schnitzler auf ein älteres Feuilleton, nämlich Paul Goldmann: »Michael Kramer«. In: Neue Freie Presse, Nr. 13.055, 28. 12. 1900, Morgenblatt, S. 1–3, bzw. auf darauffolgende Feuilletons und damit einhergehende Auseinandersetzungen, , und . gegenüber zum erstenmal brieflich an einander geraten. Ich habe es vorgezogen, eine Disskussion abzubrechen, deren Hoffnungslosigkeit vom ersten TagAugenblick an klar zu Tage lag. Der Verdacht, den später einmal andre, die mich nicht kennen, äussern könnten, dass erst persönliche Empfindlichkeit mich die Verschiederheit unserer Anschauungen, unserer Naturen entdecken liess, fällt damit fort. Nun bin ich aber fern davon zu glauben, dass es zu den lebhaften inneren Differenzen gekommen wäre, wie sie nun bestehen, wenn nicht auch meine rein persönliche Sache zur Verhandlung stünde. Auch hier schalt ich gleich die Frage des Recht- oder Unrechthabens aus. Vielleicht wird Dir die Zukunft beistimmen und wird bei allen Dichtern deutscher Sprache, die heute leben und schaffen, konstatieren, was Du heute konstatierst, dass sie Dramen schreiben, in denen alles mangelt, was einem Gedanken auch nur von fern ähnlich sieht. Und dass man überall in Deutschland Ideen finden kann, nur nicht im modernen deutschen Drama. Sehr möglich, dass Du recht hast. Jedenfalls steht für mich die Sache so, dass ich nicht umhin kann, mich mit den Dingen, die ich schreibe zu identifizieren. Es ist mir selbstverständlich bis heute noch nicht gelungen mich und meine Welt völlig zum Ausdruck zu bringen, aber die Arbeiten der letzten Zeit enthalten so viel von mir, dass der,korrigiert aus »dass, der« der sie ablehnt, von mir als Ganzenm sich abwenden muss. Das hat nichts mit persönlicher Eitelkeit zu tun. Es gibt Schriftsteller bei denen es möglich ist ihr Schaffen von ihrem Dasein zu trennen. Ich gehöre nicht zu ihnen. Ich vermeide es mich hinter der Legende von einer Persönlichkeit zu verstecken, die es verschmäht oder nicht imstande ist, ihr bestes, ihr Eigenstes in ihren Werken zum Ausdruck zu bringen. Man kann es zum Beispiel bei Lothar trennen, was er ist und was er schreibt, kann es vielleicht in anderm Sinn bei Hofmannsthal, wieder in anderm bei Fulda, gerade bei mir kann man es nicht. Ich bin, was wieder die Zukunft zu entscheiden haben wird, vielleicht ein niederträchtiger Dichter, aber ich bin ein Dichter und kein Literat. Und übernehme die Verantwortung so gut für den Reigen, wie für den einsamen Weg, für den blinden Geronimo, wie für die Berta Garlan u. s. w. Natürlich weiss ich sehr gut, dass mir formal einiges mehr, anderes minder gelungen ist und verstehe ohne weiters, dass auch jemandem, der mich schätzt, das eine oder das andre meiner Werke zuwider ist. Aber ich bestreite es, dass irgend ein Mensch, der beinah zu keinem dieser Werke ein Verhältnis zu finden imstande ist (und ihren Gehalt nicht spüren heisst für mich: kein Verhältnis zu ihnen finden) zu mir persönlich in irgend einem wirklichen Verhältnis zu stehen imstande ist. Sind diese Werke ideenlos und gering, so muss ich es selbst auch sein. Und es ist nur ein Gebot der Selbstachtung, eine menschliche Beziehungkorrigiert aus »Beziehung,« jener schönen Lüge zu entkleiden, die sie durch die Ursupierungkorrigiert aus »Ursopierung« des schönen Wortes Freundschaft um die Schultern schlägt. Und die Erinnerung unserer früheren Freundschaft steht mir zu hoch, als dass ich die Illusion aufrecht erhalten dürfte, zwei Menschen, die so ziemlich über alle Dinge der Welt so verschieden denken, wie ich und Du könnten Freunde bleiben oder weiter Freunde heissen.

Ludwig Fulda 1862-07-15 Frankfurt am Main 50,11552 8,68417 1939-03-30 Berlin 52,52437 13,41053 Paul Goldmann 1865-01-31 Breslau 51,10773 17,03533 1935-09-25 Wien 48,208333 16,373056 Gerhart Hauptmann 1862-11-15 Szczawno-Zdrój 50,79512 16,22375 1946-06-06 Jagniątków 50,816944 15,609444 Hugo von Hofmannsthal 1874-02-01 Wien 48,208333 16,373056 1929-07-15 Rodaun 48,132793312328 16,256152195922 Schnitzler Arthur 15. 5. 1862 Wien 48,208333 16,373056 21. 10. 1931 Wien 48,208333 16,373056 Schriftsteller/Schriftstellerin Mediziner/Medizinerin https://d-nb.info/gnd/118609807/ Rudolf Lothar 1865-02-23 Budapest 47,49835 19,04045 1943-10-02 Budapest 47,49835 19,04045 Reigen. Zehn Dialoge https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/2587756 Reigen Schnitzler, Arthur Der einsame Weg. Schauspiel in fünf Akten https://archive.org/details/dereinsamewegsc00schngoog/ Junggeselle Junggesellenstück Die Egoisten Einsame Wege Wege ins Dunkle Weg zum Licht Der einsame Weg Herbst https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783111334066/html Schnitzler, Arthur Frau Bertha Garlan. Roman Neue Deutsche Rundschau, Jg. 12, H. 1, Januar, S. 41–64; H. 2, Februar, S. 181–206; H. 3, März, S. 237–272, 1901 Schnitzler, Arthur Der blinde Geronimo und sein Bruder Arthur Schnitzler: Der blinde Hieronymo und sein Bruder. In: Die Zeit, Nr. 325, 22. 12. 1900, S. 190–191; Nr. 326, 29. 12. 1900, S. 207–208; Nr. 327, 5. 1. 1901, S. 15–16; Nr. 328, 12. 1. 1901, S. 31–32 Der blinde Hieronymo und sein Bruder Schnitzler, Arthur »Michael Kramer.« Paul Goldmann: »Michael Kramer.«. In: Neue Freie Presse, Nr. 13055, 28. 12. 1900, Morgenblatt, S. 1–3 https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp&datum=19001228&seite=1&zoom=33 Goldmann, Paul Berliner Theater. »Mensch und Übermensch« von Bernard Shaw Paul Goldmann: Berliner Theater. »Mensch und Übermensch« von Bernard Shaw. In: Neue Freie Presse, Nr. 15.241, 25. 1. 1907, Morgenblatt, S. 1–4. https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp&datum=19070125&seite=1 Goldmann, Paul Neue Freie Presse http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp Neue freie Presse (Zeitung, Wien) Bacher, Eduard Benedikt, Moriz Benedikt, Ernst Deutschland Bundesrepublik Deutschland Deutschland West Germany Federal Republic of Germany Bundesrepublik Deutschland Germany Deutschland Deutsches Kaiserreich Weimarer Republik 51,5 10,5 Europa 48,69096 9,14062 Wien K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien Wien Bécs Land Wien Vídeň Wenia Beč Vindobona Vindobona Vienna Vienna Vienna 48,208333 16,373056 Österreich 47,33333 13,33333