Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren 1897-08-07 Elsa Plessner an Arthur Schnitzler, 7. 8. [1897] Plessner, Elsa Ifkovits, Kurt Jahnke, Selma Müller, Martin Anton Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF
Georg-Coch-Platz 2 1010 Wien A Wien
schnitzler-briefe Transkription und Kommentierung Jahnke, Selma Müller, Martin Anton Austrian Centre for Digital Humanities Vienna 2025

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Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur Schnitzler

D Marbach am Neckar Deutsches Literaturarchiv A:Schnitzler, 85.1.4198 Bahr, Hermann Schnitzler, Arthur Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente (1891–1931) Ifkovits, Kurt Müller, Martin Anton Göttingen Wallstein 2018 151–152
German Plessner, Elsa 7. 8. [1897] Wien Schnitzler, Arthur [7. 8. 1897 – 12. 8. 1897?] Wien Plessner, Elsa Beer-Hofmann an Schnitzler, 7. 8. 1897 Plessner an Schnitzler, 7. 8. [1897] Plessner an Schnitzler, 30. 5. [1897] Plessner an Schnitzler, 7. 8. [1897] Angelegt aus Abschrift Kollationiert am Faksimile Übernommen und umgeschrieben aus Schnitzler/Bahr Durchsicht Index check Durchsicht
Wien-Sievring, Fröschlgasse 6den 7. AugustHochverehrter Herr Doctor!

In ganz unsagbarer Aufregung richte ich diese Zeilen an Sie, über die Sie ja vielleicht lachen werden, aber ich gestehe Ihnen, dass ich gottesjämmerlich geweint habe und noch weine. Nur um ein Verfahren vor Ihnen zu rechtfertigen, das ich genöthigt bin, gezwungen sogar, anzuwenden. Das Erscheinen der heutigen »Zeit« brachte mir statt der so lange erhofften Freude einen so intensiven Verdruss, dass ich noch jetzt vor Wuth am ganzen Leibe zittere. Es hat nämlich jemand, da leider, leider Herr Bahr abwesend ist, meiner Arbeit den bösen Dienst mehr als geschmackloser Correcturen geleistet und zwar nachträglich, das heißt, nachdem der Correcturbogen von mir als endgiltige Form der Arbeit abgesandt war. Nicht nur, dass ich die Berechtigung zu dieser Handlungsweise jedem noch so vorsichtigen Schriftleiter bestreite, bin ich außer mir darüber mit meinem künstlerisch noch unbescholtenen Namen mehr als andere, als unvermeidliche eigene Geschmacklosigkeit decken zu müssen, wie unter anderm die Zerstörung einer meiner besten stiylyistischen Wendungen bezüglich der »grausamen FülleIm Erstdruck (Die Zeit, Bd. 12, Nr. 149, 7. 8. 1897, S. 95–96) lautet der Satz: »Ermattet von dem ziellosen Wünschen und der grausamen Fülle ruhte sie nun unbeweglich mit geschlossenen Augen – wie schlafend.« Für die spätere Erstausgabe des Novellenbandes wurde er nicht geändert (Der gläserne Käfig. Skizzen und Novellen. Wien, Leipzig: Leopold Weiss1901, S. 7).«. Aber insbesondere das künstlerisch geradezu unsühnbare Verbrechen, meine Arbeit auf eigene Hand und ohne mein Wissen »eine ParabelNicht in der Erstausgabe.« zu nennen, wo ich mit wohlerwogener Absicht überhaupt keine Bezeichnung hingesetzt habe, meine Arbeit aus einer naiv-bedeutungsvollen Sphäre in die einer lehrhaften zu schubsen – – ? was kann ich dazu sagen? Ich habe keine andere Waffe als die, morgen, Sonntag mit dem Frühesten einen Rundgang durch alle wichtigen Kaffeehäuser, Pucher, Scheidl u. s. w. zu thun, und dortselbst die mir aufoctroirten Correcturen in den aufliegenden Nummern der »Zeit« auf eigene Hand mit Blaustift auszumerzen und dazu ganz ehrlich und offen meinen Namen zu unterschreiben. Ich will eben mit der Redaction der »Zeit« keine Differenz haben wo ich eigentlich dem Himmel – d. h. Herrn Bahr und Ihnen so herzlich und bestens für die Aufnahme meiner Arbeit danke. Wenn es irgendwie Unannehmlichkeiten geben sollte, was ich kaum glaube, da ja für andere eine Lappalie, was mir bei meinem Debut eine Staatsaction ist – Sie werden mich verstehen und entschuldigen, wenn nicht rechtfertigen.

Ich wünsche gar nicht zu wissen, wer sich – in der besten Absicht gegen mich vielleicht – so unliebsam meiner Arbeit angenommen hat, dass ich an dem Erscheinen derselben so gar keine Freude mehr habe. Durch die Redaction selbst ist ja keine Redressur möglich, deshalb – so weit es geht – versuche ich sie auf eigene Rechnung, was leider ziemlich wenig helfen wird, da ich nicht die ganze Abonnentenliste der »Zeit« damit behelligen kann. Allein ich bitte Sie, lieber, guter Herr Doctor so herzlich ich kann, dafür zu sorgen, dass die literarischen Kreise, an deren Urtheil mir ja hauptsächlich liegt – ein wenig von der Vergewaltigung erfahren, die meiner literarischen Ehre angethan wurde! Ich bitte Sie, lieber guter Herr Doctor vielmals um diese Gefälligkeit, soweit sie natürlich Ihnen nicht unbequem ist – und wenn Sie mich ein bisschen lieb haben und mir beistehen und helfen wollen wie schon so oft, so werden Sie mir diesen innigen Wunsch erfüllen. Ich bitte nochmals! Herrn Bahr will ich für Jetzt damit noch nicht kommen aber es folgt schon noch, und ich bin überzeugt, dass es ihm nicht gleichgiltig sein wird, wie man mich behandelt hat. Nicht wahr, Sie missverstehen mich nicht und sind nicht sehr böse auf mich? Sie sind doch so gut!

Viele viele dankbare GrüßeElsaPlessner
Hermann Bahr 1863-07-19 Linz 48,3 14,28333 1934-01-15 München 48,13743 11,57549 Schnitzler Arthur 15. 5. 1862 Wien 48,208333 16,373056 21. 10. 1931 Wien 48,208333 16,373056 Schriftsteller/Schriftstellerin Mediziner/Medizinerin https://d-nb.info/gnd/118609807/ Elsa Plessner 1875-08-22 Wien 48,208333 16,373056 1932-05-07 Alicante 38,34517 -0,48149 calle Gravina 15 38,3456446 -0,47927879 Die Zeit. Wiener Wochenschrift Singer, Isidor Kanner, Heinrich Bahr, Hermann Der gläserne Käfig. Eine Parabel https://www.google.at/books/edition/Der_arme_Teufel/W8R5i3Til3oC?hl=de&gbpv=1&pg=PA326&printsec=frontcover Elsa Pleßner: Der gläserne Käfig. Eine Parabel (Aus der „Wiener Zeit“.). In: Der arme Teufel, Vol. 13, Nr. 665, 29.8.1897, S. 323 Die Zeit, Bd. 12, Nr. 149, 7.8.1897, S. 95–96 Plessner, Elsa Der gläserne Käfig. Skizzen und Novellen Plessner, Elsa Café Scheidl 48,20368 16,37049 I., Innere Stadt 48,20769 16,37049 Kärntner Straße 49 48,204532 16,370903 Fröschelgasse 6 48,252282 16,32192 Sievering 48,252222 16,320833 Fröschelgasse 48,252123207149 16,321191055407 XIX., Döbling 48,25 16,33306 Wien K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien Wien Bécs Land Wien Vídeň Wenia Beč Vindobona Vindobona Vienna Vienna Vienna 48,208333 16,373056 Österreich 47,33333 13,33333 Café Pucher 48,208786 16,36743 I., Innere Stadt 48,20769 16,37049 Leipzig Gross-Leipzig Leipzig 51,33962 12,37129 Deutschland 51,5 10,5 Die Zeit. Wiener Wochenschrift [Redaktion] Günthergasse 48,216599877109 16,358330000258 https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb296.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/296/ https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb296.html https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb296.html Wien 48,208333 16,373056 https://sws.geonames.org/2761369/ https://d-nb.info/gnd/4066009-6 https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/50/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/2316/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/20954/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/65221/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/65223/ https://www.kraus.wienbibliothek.at/legalkraus/pmb50.html http://www.wikidata.org/entity/Q1741 https://de.wikipedia.org/wiki/Wien https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://sws.geonames.org/2761333/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/33999/ https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://wienerschnitzler.org/pmb50.html https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00347 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00066 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00085 https://biblio.ub.uni-freiburg.de/sf/#pmb50 https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://www.schoenberg-ue.at/ue/places/place.9.11 Leopold Weiß Wien 48,208333 16,373056 https://sws.geonames.org/2761369/ https://d-nb.info/gnd/4066009-6 https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/50/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/2316/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/20954/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/65221/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/65223/ https://www.kraus.wienbibliothek.at/legalkraus/pmb50.html http://www.wikidata.org/entity/Q1741 https://de.wikipedia.org/wiki/Wien https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://sws.geonames.org/2761333/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/33999/ https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://wienerschnitzler.org/pmb50.html https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00347 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00066 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00085 https://biblio.ub.uni-freiburg.de/sf/#pmb50 https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://www.schoenberg-ue.at/ue/places/place.9.11