Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren 1895-02-18 Arthur Schnitzler an Theodor Herzl, 18. 2. 189[5] Schnitzler, Arthur Jahnke, Selma Müller, Martin Anton Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF
Georg-Coch-Platz 2 1010 Wien A Wien
schnitzler-briefe Transkription und Kommentierung Jahnke, Selma Müller, Martin Anton Austrian Centre for Digital Humanities Vienna 2025

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Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur Schnitzler

ISR Jerusalem Central Zionist Archives H1:1925-9 Schnitzler, Arthur Briefe 1875–1912 Nickl, Therese Schnitzler, Heinrich Frankfurt am Main S. Fischer 1981 250–253
German Schnitzler, Arthur 18. 2. 189[5] Wien Herzl, Theodor Wien Herzl, Theodor Beer-Hofmann an Schnitzler, [17. 2. 1895?] Schnitzler an Herzl, 18. 2. 1895 Herzl an Schnitzler, 16. 2. 1895 Schnitzler an Herzl, 18. 2. 1895 Export aus Transkribus
AS18. 2. 95

Lieber Freund! Das telegramm haben Sie ja. Ich bekam von Schick einen kurzen Brief: »Gestern ist das StückDr. Schnabels per unfrank. Post bei mir eingetroffen: wegen Ueberhäufung konnte es von Blumenthal gar nicht gelesen werden. Was soll nun geschehen?« – Ich habe mir bei Schick sofort den Brief Bl.s. erbeten, den Sie dann gleich erhalten, aber zu weitern Entschließungen brauchen wir ihn ja nicht. Keinesfalls haben Sie einen Grund verstimmt zu sein – Höchstens über einen menschlichen Irrthum; – es ist Ihnen schon wieder einmal passirt, einen Theaterdirector für ein literarisches Individuum zu halten. Warumsag ich: literarische verläßliches, nein, – anständiges. – Die Idee der Pseudonymität war offenbar nicht einmalso gut – als ich geglaubt habe; – und Sie wissen,sehr viel hab ich mir davon nicht versprochen. Ich finde, Sie überschätzen die Neue Presse und die unterschätzen sich. Ich begreife es wirklich nicht, dass man aus einem Namen, aus einer Stellung, die man sich doch durch nichts anderes erworben hat als durch den Werth seiner Leistungen, nicht wenigstens den Vortheil ziehen sollte, sich in einer diesem Namen u. dieser Stellung entsprechenden Weise von jedermann empfangen zu lassen. Ihnen, der nicht nur eine absolut erste Stellung als Meister des deutschen Feuilletons im höchsten Sinn (mit dem Heimath-Feuilleton war ich übrigens nicht ganz einverstanden) einnimmt, sondern der auch mit einer Anzahl von Stücken erfolgreich aufgetreten, der mit zweien sogar im ständigen deutschen Repertoire der ersten Bühne steht – Ihnen wird kein vernünftiger Mensch nachsagen, dass Sie eine eventuelle Aufführung eines neuen Stückes Ihrer Stellung als Correspondent der N. Fr. Pr. verdanken. Es ist ja geradezu zu komisch. Da wenn die Pseudonymität nichts andres bedeuten würde als ein Reiz mehr für Ihre Existenz, als ein spiel oder ein Spass – dann wär es ja gut; aber die Pseudonymität ist ein Hinderniss, das Sie sich selbst in den Wegstellen, viel größer als Sie offenbar geahnt haben. An Ihrer Kraft zweifle ich nicht, Sie wissen es – aber Sie sehen, es gibt Hindernisse, die einfach nicht zu nehmen sind. Was thut man beispielsweise in einem Fall wie in dem unsern? Herr Blumenthal sagt: Ich habe keine Zeit, Ihr Stück zu lesen, – da stehen Sie mir! Seien Sie überzeugt, dass Herr Blumenthal Zeit gehabt hätte, das Stück des Theodor Herzl zu lesen. – Wollen Sie trotz aller bisherigen Erfahrungen die Pseud.comödie weiter agiren – dass ich Ihnen stets zur Verfügungstehe, braucht keiner weiteren Versicherung. Aber meine Ansicht kennen Sie. Die Ideen, die Sie fürs Raimundth. haben, deuten mir allerdings darauf hin, dass Sie sich dem Director selbst gegenüber zu nennen geneigt wären. Dagegen ist nun natürlich gar nichts einzuwenden. Warum aber wollen Sie nicht beim Dtsch. Volkstheater zuerst einen Versuch machen? So viel man gegen diese Bühne – und mit wievielem Rechte man es vorbringen mag – ich ließe mich noch immer lieber im Volkstheater als im Raimundtheater aufführen. Mein persönliches Verhältnis zu Herrn Müller Gutenbrunn ist das: dass ich (das weiss ich bestimmt) einen tiefen Ekel vor ihm empfinde; dass er mich (das ahne ich) nicht ausstehen kann – und dass wir uns höflich grüßen, wenn wir uns irgendwo sehen. Mit dem Volkstheatersteh ich jetzt gar nicht; man hat sich rechtschäbig gegen mich benommen und ich halte Herrn Bukovics für einen Cretin, Herr Müller für einen Gauner und Herrn Geiringer für einen Börsianer. Auf die zwei ersteren kann ich die Hostie nehmen.– Ich stehe also weder mit der einen noch mit der andere Directionso, dass ich mit der Aussicht auf irgend welchen Erfolg die Vertretung eines pseudonymen Autors übernehmen könnte. Doch ist es selbstverständlich dass ich, Arthur Schnitzler jederzeit für meinen in Paris weilenden Freund Dr Theodor Herzl interveniren kann. Wollen Sie also meinen kurzen und klaren Rath? Lassen Sie Ihr Stück ohne weitern Aufschub unter Ihrem wahren Namen (etwa durch Schick, der das Mscpt jetzt in Händen hat) an das Dtsch. Volkstheatersenden. Haben Sie aber eine Vorliebe fürs Raimundtheaterssenden Sie es dorthin. Persönlich kann ich leichter mit Müller-Gutenbrunn in Angelegenheit Ihres Stücks verkehren als mit Bukovics, der aller Wahrscheinlichkeit nach (wegen der Burgsich verpflichtet fühlen wird, mir nicht angenehm sein zu wollen. – Sehr gut kenn ich auch den Regisseur des Rmdthts, Herrn Langkammer, der, wie mir vorkommt auch mancherlei dreinzureden hat und nebstbei ein sehr gescheidter Theatermensch ist. Verfügen Sie über mich, mein lieber Freund, ganz nach Belieben;– und gerathen Sie um Himmelswillen nicht in eine kleinmütige Stimmung – weil Sie wieder einmal die Erfahrung gemacht haben, dass in den Theaterkanzleien ebensselten große Geister als liebenswürdige Menschen sitzen – wenigstens gegen »Unbekannte«. Aber Sie sind wirklich wie ein Mensch, der durch eigene Kraft ein Vermögen erworben und plötzlich die Marotte hat, von den paar Kreuzern zu leben, mit denen er begann. Sie haben ein Recht dazu, auch einmal Coupons abzuschneiden! –

– Mein Stück ist jetzt auch am deutschen Theater in Berlin angenommen: ich habe mich nicht gescheut, Herrn Brahm die Mittheilung zu machen, dass es an der Burg aufgeführt wird: es ist wohl nicht unwahrscheinlich, dass dieser Umstand die Annahme beschleunigt hat. Und doch halte ich mich nicht für einen Streber und doch habe ich die Empfindung, dass in letzter Linie ein event. Erfolg doch nur dem Umstand zu danken sein wird, dass ich ein nicht mislungenes Stück geschrieben habe. Seien Sie nicht weniger eitel als ich – oder, sollt ich nicht sagen –seien Sie nicht eitler–?– Ich schreibe Ihnen gleich wieder, wie ich von Schick den Brief habe. Seien Sie vielmals herzlich gegrüßt u. überzeugt dass Sie von der »guten Freundschaft« nach der Sie sich sehnen – bei mir finden sollen, was ich zu geben vermag.

Ihr ergebnerArth
Otto Brahm 1856-02-05 Hamburg 53,55055 9,993333 1912-11-28 Berlin 52,52437 13,41053 Ungersche Klinik 52,5037 13,3567 Theodor Herzl 1860-05-02 Budapest 47,49835 19,04045 1904-07-03 Edlach 47,69255 15,80915 Karl Langkammer 1854-08-04 Wien 48,208333 16,373056 1936-05-18 Wien 48,208333 16,373056 Adam Müller-Guttenbrunn 1852-10-22 Zăbrani 46,06667 21,55 1923-01-05 Wien 48,208333 16,373056 Oskar Blumenthal 1852-03-13 Berlin 52,52437 13,41053 1917-04-24 Berlin 52,52437 13,41053 Schnitzler Arthur 15. 5. 1862 Wien 48,208333 16,373056 21. 10. 1931 Wien 48,208333 16,373056 Schriftsteller/Schriftstellerin Mediziner/Medizinerin https://d-nb.info/gnd/118609807/ Emerich von Bukovics 1844-02-28 Wien 48,208333 16,373056 1905-07-04 Wien 48,208333 16,373056 Friedrich Schik 1857-09-06 Wien 48,208333 16,373056 Sigmund Geiringer 1849 Stupava 48,27474 17,03173 1927-10-05 Wien 48,208333 16,373056 Pariser Theater. (»Heimat« von Sudermann) Theodor Herzl: Pariser Theater. (»Heimat« von Sudermann). In: Neue Freie Presse, Nr. 10.949, 16.2.1895, Morgenblatt, S. 1–2. Herzl, Theodor Liebelei. Schauspiel in drei Akten https://www.deutschestextarchiv.de/book/show/schnitzler_liebelei_1896 Das arme Mädl Schnitzler, Arthur Das neue Ghetto. Schauspiel in vier Acten Das neue Ghetto. Schauspiel in 4 Acten, Wien: Buchdruckerei »Industrie« – Selbstverlag 1903. Ghetto Herzl, Theodor Tabarin. Schauspiel in einem Act. Frei nach Catulle Mendès Tabarin. Schauspiel in einem Act. Frei nach Catulle Mendès Tabarin Herzl, Theodor Wilddiebe. Lustspiel in vier Akten Herzl, Theodor Wittmann, Hugo Berlin Hauptstadt Berlin Barlīn Reichshauptstadt Berlin Berolino B-n 52,52437 13,41053 Deutschland 51,5 10,5 Paris P'ariz Paris Pariž Parisius Île-de-France 48,85341 2,3488 Frankreich 46,0 2,0 Wien K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien Wien Bécs Land Wien Vídeň Wenia Beč Vindobona Vindobona Vienna Vienna Vienna 48,208333 16,373056 Österreich 47,33333 13,33333 Neue Freie Presse http://anno.onb.ac.at/info/nfp_info.htm 8, rue de Monceau 48,875505 2,306854 https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/296731/ https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb296731.html Wien 48,208333 16,373056 https://sws.geonames.org/2761369/ https://d-nb.info/gnd/4066009-6 https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/50/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/2316/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/20954/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/65221/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/65223/ https://www.kraus.wienbibliothek.at/legalkraus/pmb50.html http://www.wikidata.org/entity/Q1741 https://de.wikipedia.org/wiki/Wien https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://sws.geonames.org/2761333/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/33999/ 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https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb3.html https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb3.html Burgtheater Burgtheater GmbH Schlosstheater Schönbrunn 48,186667 16,3125 https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/44649/ http://www.wikidata.org/entity/Q2244724 https://de.wikipedia.org/wiki/Schlosstheater_Sch%C3%B6nbrunn https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb44649.html https://wienerschnitzler.org/pmb44649.html https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb44649.html https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb44649.html Redoutensaal 48,206783 16,366551 https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/48198/ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Redoutensäle https://wienerschnitzler.org/pmb48198.html https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb48198.html I., Innere Stadt 48,20769 16,37049 https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb51.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/51/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/36789/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/51010/ 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https://de.wikipedia.org/wiki/Mariahilf https://wienerschnitzler.org/pmb56.html https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb56.html Raimund-Theater 48,192222 16,339722 https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb77.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/77/ https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb77.html https://wienerschnitzler.org/pmb77.html https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb77.html https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb77.html