St. Anton Arlberg,
3/7 901.Mein lieber Gustav, hier sind wir gelandet (auf wie lang?) In Salzburg waren wir 14 Tage, lebten behaglich, ich arbeitete nicht wenig; dann gingen wir auf die Wanderschaft: Innsbruck (Stubaithal, Igls) 2 Tage, dann Landeck, woselbst vor 3 Tagen Liesl zu uns stiess. Dann bin ich den Arlberg abgeradelt (hinauf immer per Bahn), bis Bludenz, und nun haben
wir uns zu diesem Ort entschlossen, dessen Vorzüge sich zweifellos noch mehr
erschließen werden, wenn das Wetter constant sein wird
und ich nicht jede Nacht irgend eine Art von Gebirgsasthma haben werde. Es ist
vorläufg noch ziemlich leer – wir wohnen in einem netten Privathaus – ich zahle für mein hübsches
angenehmes Zimmer 60 Kreuzer (zwei Fenster), X außer uns dreien wohnt noch niemand in dem Haus, vor 15. Juli kommt wohl niemand. Um diese Zeit steigen wir wohl wieder
zu Thal. Es sei denn dss Sie sich doch entschlössen hieher zu kommen. Dann bleiben wir, solang es Ihnen beliebt. Schreiben Sie
ein Wort – und ein Zimmer zu 60 Kronen ist für Sie bereit. Denken Sie, dass ich ein
gemeiner Egoist bin und Sie nie zu etwas auffordern würde, was mirnichtsehr angenehm wäre. So darf ich
mir alles weitere ersparen. –
Ich schreibe am 2.
Akt meines neuen Stückes. In diesem 2. Akt
kommt überhaupt kein weibliches Wesen vor, was
mich sehr stolz macht. – Hofmannsthal und FrauWie sehr Schnitzler über die Begegnung irritiert war, ergibt sich
aus der mehrfachen Erwähnung: ; , . sahen wir in Innsbruck – wir fuhren eben im Wagen – sie
wandelten zu Fuss. Von Richard bekam ich gestern einen Brief.; er scheint nicht sehr
guter Laune, war ein paar Tage in Venedig. – Wenn es Ihnen nicht unbequem ist, bitte kaufen Sie
gelegentlich 2 Nummern des Kikeriki vom 27. JuniIn dem bezeichneten Heft der
›Satire‹zeitschrift findet sich diese, nicht namentlich gekennzeichnete
antisemitische Auslassung: [O.V.]: Das
Unrecht an Aaron Schnitzler. In: Kikeriki, Jg. 41, Nr. 51, 27. 6. 1901,
S. 2. u bewahren sieEr schreibt:
»Sie
«. mir auf. Ich nehme an, Sie haben einiges über die Gustelei gelesen. Im Ausland
war man allgemein fast liebenswürdg
gegen mich. In Wien fehlte es natürlich nicht an
gemeinen Lügen, und Karl Kraus hat die Neuigkeit erfunden, dass ich ein Gesuch eingereicht
habe, um LandwehrarztKarl Kraus: (Wieder ein Märtyrer.) In: Die Fackel, Jg. 3, H. 80, Mitte Juni 1901,
S. 20–24, hier S. 22–23: »Herr Schnitzler hatte, als seine Landwehrpflicht abgelaufen war, die
schönste Gelegenheit, einem Stande Valet zu sagen, dessen Anschauungen den
seinen offenbar zuwider laufen, dessen Empfindlichkeit mindestens den
schrankenlos Schaffenden beengen musste. Aber er scheint darauf Wert gelegt zu
haben – ein ausdrückliches Gesuch nur konnte solchen Ehrgeiz verwirklichen —,
dem Armeeverbande auch weiterhin, als Oberarzt in der Evidenz der Landwehr,
anzugehören.
« bleiben zu dürfen.
Die Reichswehrerzählte[Gustav Davis]: »Lieutenant Gustl«, Reichswehr, Jg. 14, Nr. 2645, 22. 6. 1901, Morgenblatt,
S. 1–2. ., wie gern ich mit Stürmer und Säbel herumstolzirt.sei. – Dass ich die 2. Beschuldigung, ich habe gegen die Reichswehr keine Schritte unternommen, erst aus dem Urtheil erfuhr, können Siesich
denken. Ich schrieb es der N. Fr. Pr. aber die
war wohl froh, dass sie die Sache hinter sich hatte. Leider hab ich eine Dummheit begangen. Zu meiner ersten Überraschung über den Leitartikel[Moriz Benedikt]: Wien, 20. Juni. In: Neue Freie Presse, Nr. 13.226, 21. 6. 1901, Morgenblatt, S. 1–2. der N. F. Pr. – aus dem ich überhaupt erst erfuhr, dss die Sache
publik war – und da ichsicher gedacht hatte, gerade die N. Fr. Pr. würde die Sache ganz todt schweigen – u nach
einer sehr flüchtigen Lecture hab ich mich bei der N.
Fr. Pr., allerdings sehr kühl, bedankt. Trotzdem ärgert mich das heute. Denn
ich finde heute, dass der Leitartikel über diese Sache ebenso dumm als feig war. Nun genug davon. –
Lassen Sie bald hören. Im übrigen verweise ich nochmals auf Seite 3, Zeile 1 u. 2.Das Unrecht an Aaron Schnitzler beginnt mit:
»Armer Aaron, glänzendster Dichterstern im Augias-Musenstall
›Jung-Israels‹m recte ›Jung-Wiens‹, welch’ bitteres Unrecht ist Dir geschehen, als man
Dir das goldene Porte d’epée abnahm.
« (Die
zweite Zeile endet mit »welch’
«.) Die Erwähnung des »Porte
d’epée
« stellt eine Beziehung zum Artikel in der Reichswehr her.
Von Herzen
Ihr Arth Sch