Samst 9. 9. 99.Ischl, Rudolfshöhelieber Gustav, Siesehen, ich bin noch immer hier. Heut hab ich
wieder einmal vorläufig, höchst vorläufig, und in schlechter Stimmung mein Stück abgeschlossen. ; eine
Zeit, in den Mittelakten gings gut; aber in den letzten Tagen bin ich wieder ganz
gottverlassen, und über die Schwächlichkeit meines Ausdrucks in einer vielleicht
unverhältnismäßg Niedergeschlagenheit. Da wirkt natürlich auch andres mit, das
OhrSchnitzler litt an
einer Verknöcherung des Innenohrs.vor allem. – Hugo
war bis vorgestern. hier;seine Gesellschaft that mir sehr wohl. Er schrieb anfangs fleißig; dann war er
plötzlich ganz herunter u. ist jetzt in Altaussee. Ich bleibe noch bis Dinstag.
hier, fahre dann nach München, wo ich
mit M. E. zusammentreffen und eine kleine Reise unternehmen soll, will, muss, werde – ich
weiss wirklich selbst nicht. Ist übrigens vom 1. October bei Neumann Hofer engagirt, u ziemlich komisch,
wie ich sowohl von M. E. als von M. G. Briefe bekomme, dass sie dem N. Hofer die Rolle
zurückschicken. – Nun hat er der Gl. die
Abschieds-Annie gegeben und
kommt sich wahrscheinlich wie ein richtig
diplomatischer Kerl vor, der die Beziehg seiner Künstler zu verwerthen
versteht. – Das, war Sie so beißend »Zerstreuung« zu nennen pflegen, hat sich hier auch gefunden, gleich doppelt, aber so jüdisch, dass
ich mich nach der katholischen Canaille wahrhaft sehne. – Also wird es doch weiter
oben zu heißen haben: will. – Um den 20. herum werde ich
wahrscheinlich in BerlinSeine Ankunft in Berlin
verzögerte sich bis zum . sein; anfangs dachte ich dem Brahm mein Stück dort vorlesen. zu können; aber jetzt kommts
mir absolut unfertig vor. – – Auf MercierDer Name des
ehemaligen französischen Kriegsministers Auguste Mercier
steht hier als Synonym for den (institutionellen) Verrat am Juden Alfred Dreyfus,
der seine Unschuld gerade wieder in einem Prozess beweisen musste. und das andre Gesindel hab ich eine förmliche Wuth – trotz der Neuen Freien.Sehr freuen würd es mich, wenn ich am Mittwoch in Münchenpost rest. ein kurzes Wort (das ist doch mit möglichster
Bescheidenheit ausgedrückt) von Ihnen fände. – Ebermann
hab ich flüchtig gesprochen;Das Treffen ist nicht im Tagebuch erwähnt. er behauptet ein StückVon Ebermann erschien kein Stück mehr. Am 13. 1. 1900 meldete die
Wiener Allgemeine Zeitung (Nr. 6555, S. 2), Ebermann habe ein Versdrama vollendet, das er für Josef Kainz geschrieben habe. vollendet zu haben; wie Sie ja wahrscheinlich wissen
werden. – Richard, denken Sie, arbeitet bereits an seinem Drama. – Morgen ist hier Fuhrmann HenschelSchnitzler dürfte die Aufführung nicht
besucht und Maran nicht mitgespielt haben. – der wirkliche von Hauptmann – mit Maran!! als Gast, offenbar in den Hauptrolle. – Der kleine Kraus sitzt im Theater (ich
war bei einigen Offenbach’s, die Ihnen sicher besser bekanntsind als dem hiesigenKapellmeister) – sehr großartig; seine Stellung zu den Antisemiten ist doch
das widerwärtigste, was mir je vorgekommen. Ja wenn es
Einsicht, Intention zu Gerechtigkeit
wäre; aber es ist schließlich auch nichts als Kriecherei – irgend was wie das, was
ich einmal in einer Tramway erlebt habe, wie ein schäbiger jüdischer Commis vor Luëger Platz machte und sagte, »Bitte Herr Doktor« und
entzückt war, von Luëger keinen Fußtritt zu erhalten –
kurz die Haltung des kleinen Kraus gegen die Antisemiten – ist nicht jüdisch.
(Vermeiden Sie es nach Thunlichkeit, diesen Brief Vergani oder C. H. Wolff mitzutheilen.) – haben Sie MuschelkinderDas von Marie von Berks
verfasste Schauspiel Muschelkinder in vier Akten, nach dem Roman Pierre Jean von
Guy de Maupassant, hatte am 2. 9. 1899 am Volkstheater in Wien
seine Premiere. gesehn? –
Leben Sie wohl und sagen Sie
mir, ob Sie nicht doch endlich
ein
Stück schreiben werden.
Herzlich der Ihre
ArtsSch.