Alland, N-Oest21./6. 901.Sehr geehrter Herr Doktor!Anbei erlaube ich mir, Ihnen die vorgestern im N. W. T. erschienene BesprechungTheodor von Sosnosky: Neue Erzählungsliteratur. In: Neues Wiener Tagblatt, Jg. 35, Nr. 167,
20. 1. 1901, S. [1]–3. Es handelt sich um eine
Sammelrezension, die außer Bertha Garlan
verschiedene Neuerscheinungen von Georg von
Ompteda, Maximilian von Rosenberg,
Wolf von Tainach, Emil Marriot und Paul von
Schönthan behandelt. von Fr. B.
Garlan zuübersenden. Ich muss jedoch bemerken, dass ich ausser und vor dieser
noch eine zweite viel ausführlichere geschrieben habe; mit der hatte ich aber arges Pech, zuerst
nahm man sie nicht, weil sie zu freundlich war, dann sandte
ich sie der »Nation« die das Buch aber leider schon vergeben hatte; so
sandte ich die Besprechung an
die »Norddeutsche Allgem.«, wo mir die Annahme
ziemlich sicher schien; leider musste ich damit auf meinen Wunsch verzichten, den Abdruck an auffallender Stelle
gebracht zu wissen, denn dieses Blatt pflegt Recensionen nicht im Feuilleton zubringen, sondern bloss in den
Bücheranzeigen, das hat auch den Nachteil dass man nie erfährt, wann die Arbeit erschienenDer Text erschien erst über ein halbes Jahr später unter
Kürzel und ohne definierenden Titel: Th. v. S.: Bücher und Zeitschriftenschau. In: Norddeutsche Allgemeine Zeitung, Nr. 50,
28. 2. 1902, Beilage. ist, denn das Blatt schickt nur dann spontan
Belege, wenn es sich um grösssere honorirte Artikel
handelt. Da ich nun vor 8 Tagen erfuhr, dass das N. W. T. demnächst eineIn der Vorlage steht:
»einen
«.Erzählung von Br. OmptedaVom 23. 6. 1901 bis zum
27. 7. 1901 erschien im Neuen
Wiener Tagblatt der Roman Die
Lebensgefährtinnen von Georg von
Ompteda in 33 Folgen. bringen werde, dessen jüngstes BuchGeorg von Ompteda: Monte Carlo. Roman, Berlin: F. Fontane1901. mir der Verleger kürzlich
gesandt hatte, so benutzte ich die gute Gelegenheit, die Besprechung Herrn Pötzl zuschicken, der sie umgehend brachte. Ich habe bei
diesem Anlass auch gleich einige andere Bücher, die ich von Autoren und Verlegern
bekommen, mitaufnehmgenommen, darunter auch Ihres, wie wohl ich dessen Ablehnung fürchtete, da mir dessen
Besprechung durch Bahr wahrscheinlich schien.
Diese Befürchtung wuchs, als ich am Tage nach der Einsendung den ArtikelFredsW. Fred: Stille Bücher. In: Neues Wiener
Tagblatt, Jg. 35, Nr. 164, 17. 6. 1901, S. 10.
Neben Bertha Garlan wurden die
Erzählsammlungen Die Troika von Jakob Julius David und Aus Spätherbsttagen von Marie von Ebner-Eschenbach rezensiert. fand; wider Erwarten machte
H. Pötzl eine Ausnahme und liess aus
besonderer Rücksicht zwei Besprechungen desselben Buches zu; nur kürzte er die meinige sehr begreiflicher Weise. Ich habe
Ihnen die Genesis dieser Recension so weitläufig erzählt, auf die Gefahr hin, als langweiliger
Schwätzer zu erscheinen; aber ich will nicht, das Sie etwa glauben, ich hätte Ihr Buch nur so obenhin abgethan, eine Befürchtung,
die um so näher liegt, als Sie, der Sie mich ja nicht näher kennen, leicht glauben
könnten, ich wäre in meinen Urteile durch Lt. Gustl beeinflusst. Was die
ausführlichere Besprechung
anbelangt, so werden Sie sie vermutlich durch den Observer früher wo zu Gesichte bekommen als
ich; ich bitte daher freundlichst zu entschuldigen, wenn ich sie Ihnen vielleicht
sehr lange nicht werde zusenden können. Lt.
Gustl habe ich ebenfalls besprochen und zwar in einem eigenen Artikel, wobei ich bemüht war, den grossen
künstlerischen Vorzügen der Erzählung streng gerecht zu werden: mit meiner
persönlichen Empfindung bei der Lectüre habe ich aber keineswegs
hinter dem Berge gehalten. Ob der Artikel aber auch erscheinenTheodor von Sosnosky: Der Fall Schnitzler. Eine unbefangene Betrachtung. In:
Neue Bahnen, Jg. 1, Nr. 18,
1. 10. 1901, S. 508–514. wird, weiss ich nicht;
für Wien hat er wenig Chancen, denn der
überwiegende Teil der Presse steht natürlich principiell auf ihrIhrer Seite und würde meiner Auffassung sicher nicht Raum gewähren, der andere
Teil aber würde – ebenso principiell – Ihr Gegner –
meine Arbeit zweifellos zu
freundlich finden und darum ablehnen.
Eingesendet ist die Arbeit
übrigens.
Mit den verbindlichsten Empfehlungen
hochachtungsvoll
Theodor vSosnosky