Bei WegratSchwarzkopfs Skizze mit Vorschlägen zu Schnitzlers Theaterstück Der Einsame Weg wurde von Schnitzler nachträglich auf »April 1904
« datiert und die
Datierung noch einmal auf »Anfang 1904
« korrigiert. Diese Datierung
dürfte nicht präzise sein und muss vorverlegt werden: Am war die
Hauptarbeit am Einsamen Weg für Schnitzler vollbracht. Über die
abschliessende Lesung vor
seiner Frau und Schwarzkopf schrieb er, indem er den ganzen
Arbeitsprozess resümierte: »Abends las ich ›Der einsame Weg‹ O. und Gustav vor. Es machte
einen bedeutenden Eindruck, und es gab wenig Ausstellungen. [] Dieses Stück hat mir viel Qual, ja Thränen gekostet. Der erste
(kaum mehr erkennbare) Einfall kam in Le
Prese, im J. 1900, während Paul Goldmann spazieren ging. [] Dann verschmolz es mit dem Aerztestück, es kam eine Mißgeburt
heraus, die ich im FeberO. und Gustav vorlas und die natürlich verworfen wurde. [] In Lugano, Juni entwickelte sich das Stück, losgetrennt vom Aerztestück (das
gleichfalls neu entworfen wurde) aufs neue. [] Mitte September nahm ich es
mit Entschiedenheit vor, dictirte es und schrieb es [] völlig neu, und las dieses
Product vor.
« Es ist unwahrscheinlich, dass Schwarzkopfs Skizze, die hinsichtlich der Motivation der
Figuren grundsätzliche Abweichungen von der nahzu fertigen Fassung zeigt, die Schnitzler im Herbst 1903
bereits eine Woche nach der Lesung an den Verleger Fischer und
den Theaterleiter Brahm sandte (), nach diesem
Datum entstanden ist. Der Beginn des möglichen Entstehungszeitraums der Skizze
lässt sich folgerndermaßen eingrenzen: An den Figurennamen – die Familie im
Zentrum der Handlung trägt in der Skizze den Namen Wegrat (statt wie in den
ersten Entwürfen Pflugfelder), der Sohn den Vornamen Felix (vorher Hans bzw. Karl)
–, lässt sich ablesen, dass die Skizze im Rahmen der fünften und letzten
Arbeitsphase Schnitzlers an dem Stück entstanden ist, deren
Beginn in der Historisch-Kritischen Ausgabe auf der Reise nach Südtirol ab dem
konstatiert wird, vgl. Der einsame Weg. Historisch-kritische
Ausgabe. Herausgegeben von Anna Lindner und Isabella Schwentner.
Berlin, Boston: de
Gruyter2024. (Werke in historisch-kritischen Ausgaben. Hg. Konstanze
Fliedl), Bd. 1, S. 19. Dass Schwarzkopf die Handlungsführung so genau kannte, setzt voraus, dass Schnitzlers ihm das Stück vorgelesen oder mindestens
gründlich dargelegt haben muss, denn Schnitzlers Arbeitspraxis und schwer lesbare Handschrift lassen es als
unwahrscheinlich erscheinen, dass er dem Freund ein Manuskript gesendet hat. Also ist die Skizze
erst nach Schnitzlers Rückkehr von der Reise
am
entstanden. Das Tagebuch vermerkt einen
abendlichen Besuch von Schwarzkopf, bei dem
etwa eine Lesung stattgefunden haben könnte, am . Die Skizze wurde also zwischen Schnitzlers Rückkehr von der Reise (23. 8.) und der den Arbeitsprozess weitgehend abschliessenden Lesung (25. 10. 1903) angefertigt und übermittelt., ohne Johanna. Dafür Irene, die von Fichtner Nachricht geben kann. Verhältnis zwischen Mutter und Sohn eindringlicher gestaltet, in einer Scene
zwischen beiden die innige Zärtlichkeit gezeigt, die
Mutter erwähnt gelegentlich das Bild, dassie als junges Mädchen darstellt, und das
im Besitz Fichtner’ssein muß.
Die Figur der Mutter mehr herausgearbeitet mehr in den Mittelpunkt gerückt, wozu auch
in einer Scene mit Irene
Gelegenheit. Der Doktor müßte
anknüpfend an den Satz »glücklich
machenDer Satz findet sich wörtlich in der finalen Fassung, Arthur Schnitzler: Der einsame Weg, 1. Akt, 6. Szene. ist besser alsschuldlos sein« der kranken Frau nunrsagen, daßsie nun, wenn ihre Tat nicht als
Betrug geltensoll, auch dafür zusorgen habe, daß dieses Glück nach ihrem Ableben
nicht zerstört werde, daß ihr Gatte nie die Wahrheit erfahre, daß aber Gefahr drohe, da der Egoist Julian, wie man aus Felix’ Bericht entnehmen müsse,
Lust zu habenscheine das Geheimniß ansie ohne
Rücksicht zu enthüllen, den Sohn ansich zu reißen. Die Frau verspricht von Julian Verschwiegenheit zu fordern. Schluß vondes Actes, ein Ohnmachtsanfall
der Frau , der auf den nahen
Tod hinweist. (Der Act könnte auch damit beginnen, (widaß (wie im ersten StückEine Grundidee über einen
medizinethischen Konflikt, die Schnitzler
Jahre später in dem Drama Professor Berhardi
aufgehen ließ, war eine gewisse Zeit lang Bestandteil des Materials gewesen und
wurde nach einer Lesung
im Februar 1903 in ein zweites Drama separiert.) der Doctor und ein berühmter Professor über den Zustand und
das nahe Ende der Frausprechen)
Zweiter Akt.
Bei Julian, er erfährt von Irene den Tod der Frau Wegrat. Dann Scene ungefähr wie bisher, nur daß Irene eigentlich von ihnen Abschied nimmt,sie heiratet einen Mann
dersie achtet, der alles weiß;sie ist es endlich müde, immer nur um Verzeihung zu betteln und ihn anzuschmachten;
mansieht wieschmerzlich es Julian ist auf diese Gewohnheit zu verzichten daß er an Irene in der letzten Zeit immer wie an eine letze Zuflucht gedacht hat. Dann der Doctor, der im eigenen Auftrag kommt, das von
Julian zu fordern, was die
Verstorben von ihm fordern
wollte. Ersagt, daßsie die feste Absicht hatte, daß er in ihrem Sinnesprechen; wird von
Julian hochmütig
zurückgewiesen, dersich jede Einmischung in seine Angelegenheit verbietet. DannJulian mit Felix, der aber ganz arglos ist undschon
von der Andeutung peinlich berührt und erschüttert ist. Schluß wie bisher. »Ich komme morgenDieser Satz findet sich leicht abgewandelt in der finalen Fassung: »Morgen bin ich in eurem morgen bin ich bei Dir, Felix
«, vgl. Arthur Schnitzler: Der einsame Weg, 2. Akt, 5. Szene.
– zu Dir«
IIIV. Akt
Bei Wegrat. Felix, Doctor, der zu eruiren fucht ob Julianschon gesprochen. Felix abreisend dannFelix und Wegrat. Felixsagt Wegrat, daß er aufseine Absicht,sich der
Reisegesellschaft anzuschließen, verzichten will um bei ihm, dem Einsamgewordenen zu
bleiben. Wegrat nimmt dieß Opfer nicht an mit Motivirung wie bisher, was
Felix erkennen läßt wieselbstlos dieser Vater ist, zu dem er
bisher kein rechtes Verhältnis gefunden (müßte erschon im ersten Akt in der Scene mit der Muttersagen) DannJulian. Scene wie bisher. Wegrat ab.
Felix. Julian. Julian erzähltseine Geschichte und beansprucht Felix fürsich. Felix kalt: Was Sie dasagten beschimpft
meine Mutter. Es ist nicht wahr, es darf nicht wahrsein, verstehen Sie. Und wenn es wahr wäre! Was könnte dieser Mann, derso
erbärmlich gegen meine Mutter gehandelt, für michsein, welche Rechte hätte er an
mich? Wassind Sie für mich: Wassind Sie neben dem Manne, der wirklich mein Vater war. – Dann Schluß wie
bisher.