Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren 1916-01-17 Arthur Schnitzler an Elsa Plessner, 17. 1. 1916 Schnitzler, Arthur Jahnke, Selma Müller, Martin Anton Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF
Georg-Coch-Platz 2 1010 Wien A Wien
schnitzler-briefe Transkription und Kommentierung Jahnke, Selma Müller, Martin Anton Austrian Centre for Digital Humanities Vienna 2026

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Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur Schnitzler

D Marbach am Neckar Deutsches Literaturarchiv A:Schnitzler, HS.1985.1.829

Ergänzungen von Satzzeichen

Vermerk »Ginsberg« und »Pl« auf jedem Blatt und eine Unterstreichung

Ergänzung der Datumsangabe auf Blatt 2 und 3: »17/1 916«

German Schnitzler, Arthur 17. 1. 1916 Wien Plessner, Elsa [18. 1. 1916 – 22. 1. 1916?] München Plessner, Elsa Plessner an Schnitzler, 13. 1. 1916 Zweig an Schnitzler, 18. 1. 1916 Plessner an Schnitzler, 13. 1. 1916 Export aus Transkribus
17. 1. 1916.Verehrte gnädige Frau.

Ihrem freundlichen Wunsch entsprechend habe ich das erste Couvert eröffnet und Ihren Brief gelesen. Die darin enthaltene Entstehungsanalyse Ihres Stücks hat mich so weit angeregt, dass ich von meinem Prinzip abgehend mich an die Lektüre herangewagt habe. Nachdem ich sie beendet kann ich Ihnen meine Empfindung nicht verschweigen, dass Sie in der Ausführung um ein Beträchtliches hinter Ihren Absichten zurückgeblieben sind. Was Ihnen als Stil erscheint, stellt sich meines Erachtens eher als eine gewisse Kühle, ja in den entscheidenden Momenten Dürftigkeit der Diktion dar und wo es auf das Wort ankäme sehe ich nicht viel mehr (zuweilen) als Pantomine. Sie könnten mir vielleicht antworten, dass gerade in den grossen entscheidenden Momenten des Daseins das Wort notwendig versagt; aber wäre ich selbst geneigt eine solche Entschuldigung auch im Drama gelten zu lassen, so müsste ich zumindest verlangen, dass mir die Gestalt, der das dramatische Wort nicht gegeben ist, mir vorher interessant und lebendig genug wurde, um mir auch noch in ihrem Schweigen oder in der Schwächlichkeit ihrer Ausdrucksweise interessant, lebendig – und verständlich zu sein. Aber Ihre Gestalten auch Reiter und Jolanthe sind recht blass geblieben. Es fehlt das charakteristische Detail, das geheimnisvoll Atmosphärische, jenes Undefinierbare, das der erdichteten Figur innerhalb des Kunstwerks Vergangenheit, Zukunft und damit erst die richtige Gegenwart verleiht. Warum glaube ich nicht an die Liebe auf den ersten Blick zwischen Jolanthe und Reiter? Weil ich an sie selber nicht glaube. Aber nehme ich selbst diese Tatsache, was mir ohne Liebestrank und ohne musikalische Begleitung schwer genug fiele, als gegeben hin, so wehre ich mich durchaus gegen alles, was folgt als theaterhaft und jeder Wahrheit bar. Hier ist nicht nur äussere Unwahrscheinlichkeit, wogegen sich auch schon genug einwenden liesse, hier ist ein Mangel an innerer Wahrheit, den durch die Gesetze theatralischer Verkürzung, auch nicht durch den besonderen Stil, den Sie hier vielleicht gefunden zu haben glauben, gerechtfertigt erscheint. Das ganze Gebahren derJolanthe wäre durch eine pathologische Disposition zu erklären; diese ist aber vorher weder angedeutet, noch vorbereitet und so sehen wir uns der Willkür des Autors hilflos ausgeliefert, was als eine Hauptquelle des ästhetischen Unbehagens gelten darf. All dem gegenüber fallen die kleineren Peinlichkeiten kaum mehr ins Gewicht, die gewissermassen nur aus der ungenügenden Beherrschung des Stoffes entspringen und milder als scenische Ungeschichlichkei- ten anzusprechen wären. Dass Jolanthe am Ende durch ihren Selbstmordversuch erblindet, wirkt keineswegs tragisch, sondern als ein unglückseliger Zufall, wie sich ihn wohl derliebeGott erlauben darf, aber niemals der dramatische Autor. Die Musik in Ihrem Stück vermag ich nicht zu spüren. Ob der Fehler an Ihnen liegt oder an mir müssen wir dahingestellt sein lassen; mir bleibt am Ende nichts übrig, auf die Gefahr des Irrtums hin, als Ihnen von meinem rein persönlichen Eindruck zu berichten, der sich vor allem auf das Ganze Ihrer Arbeit bezieht. Wenn ich Ihnen zum Schluss noch sage, dass ich im Dialog da und dort manche feine und kluge Bemerkung gefunden habe, und dass der technische Aufbau Ihres dramatischen Gerüstes eine keineswegs ungeübte Hand, dass endlich die Problemstellung als solche eine gewisse theatralische und sogar seelische Courage verrät, so ist Ihnen nicht viel damit geholfen, aber ich möchte doch auch nicht, dass Sie als Höflichkeitsphrasen nehmen, was geradeso ehrlich gemeint ist, wie das minder Höfliche, was ich Ihnen im ersten Teil meines Briefes vorgebracht habe.

Ihrem zweiten Briefe lag keine Postkarte bei. Ich erwarte nun eine Weisung von Ihnen wohin ich Ihr Manuscript zu senden habe.

Mit verbindlichsten GrüssenIhr Sie aufrichtig schätzender und keineswegs unfehlbarer
Schnitzler Arthur 15. 5. 1862 Wien 48,208333 16,373056 21. 10. 1931 Wien 48,208333 16,373056 Schriftsteller/Schriftstellerin Mediziner/Medizinerin https://d-nb.info/gnd/118609807/ Elsa Plessner Elisabeth Ginsberg Plessner, Elsa Pleßner Lisa Gerstenberg Ginsberg-Plessner, Elsa Ginsberg, ?? 1875-08-22 Wien 48,208333 16,373056 1932-05-07 Alicante 38,34517 -0,48149 calle Gravina 15 38,3456446 -0,47927879 Schriftsteller/Schriftstellerin Schauspieler/Schauspielerin https://d-nb.info/gnd/1041571119 https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/person_15435.html https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb2128.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/2128/ https://fackel.oeaw.ac.at/?p=fackelp51544 http://www.wikidata.org/entity/Q19193427 https://de.wikipedia.org/wiki/Elsa_Plessner https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb2128.html https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb2128.html https://bahr-textverzeichnis.acdh.oeaw.ac.at/TSN-listperson.html#pmb158649 https://www.dla-marbach.de/find/opac/id/PE00101603 https://www.dla-marbach.de/find/opac/id/PE00083993 https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/337573/ https://www.dla-marbach.de/find/opac/id/PE00031055 https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/337574/ Musik Plessner, Elsa https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/296218/ https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb296218.html Unveröffentlichtes dramatisches Werk Wien K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien Bécs Land Wien Vídeň Wenia Beč Vindobona Vienna A.ADM2 1135 48,208333 16,373056 Österreich 47,33333 13,33333 Windmühlhöhe 48,24077 16,32092 https://sws.geonames.org/2761369/ https://d-nb.info/gnd/4066009-6 https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/50/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/2316/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/20954/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/65221/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/65223/ https://kraus.wienbibliothek.at/register/orte/pmb50 http://www.wikidata.org/entity/Q1741 https://de.wikipedia.org/wiki/Wien https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://sws.geonames.org/2761333/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/33999/ https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb50.html
München München? Munich Monacho P.PPLA 1415 48,13743 11,57549 Bayern 49,0 11,5 Deutschland 51,5 10,5 https://d-nb.info/gnd/4127793-4 https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/38129/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/45258/ https://sws.geonames.org/2867714/ https://www.kraus.wienbibliothek.at/legalkraus/pmb45258.html http://www.wikidata.org/entity/Q1726 https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnchen https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb45258.html https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/pmb45258.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/263246/ https://wienerschnitzler.org/pmb45258.html https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb45258.html https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb45258.html https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00383 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/pmb45258 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/fa_place00000329 https://biblio.ub.uni-freiburg.de/sf/#pmb45258