Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren 1899-03-30 Rainer Maria Rilke an Arthur Schnitzler, 30. 3. 1899 Rilke, Rainer Maria Jahnke, Selma Müller, Martin Anton Österreichischer Wissenschaftsfonds FWF
Georg-Coch-Platz 2 1010 Wien A Wien
schnitzler-briefe Transkription und Kommentierung Jahnke, Selma Müller, Martin Anton Austrian Centre for Digital Humanities Vienna 2026

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Machine-Readable Transcriptions of the Correspondences of Arthur Schnitzler

GB Cambridge University Library Schnitzler, B 84 zwei Unterstreichungen Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler. Ihr Briefwechsel Mit Anmerkungen herausgegeben von Schnitzler, Heinrich Wort und Wahrheit 4 13 April 1958 282–298, hier S. 283–284
German Rilke, Rainer Maria 30. 3. 1899 Schmargendorf Schnitzler, Arthur [31. 3. 1899 – 4. 4. 1899?] Wien Rilke, Rainer Maria Hofmannsthal an Schnitzler, 26. 3. 1899 Goldmann an Schnitzler, 31. 3. [1899] Rilke an Schnitzler, 1. 4. 1896 Schnitzler an Rilke, 13. 4. 1899 Export aus Transkribus
SchmargendorfbeiBerlinVilla Waldfriedenam 30. März. 99.Sehr verehrter lieber Herr Doctor,

wie ungeladene Gäste, Ihrer Güte aufs Wort glaubend,sosind meine beiden Prosabücher zu Ihnen gekommen, nicht wahr? – Oder sie kommen noch: denn ich habe den Verleger beauftragt,sie Ihnen zusenden. Das kommtso. Wenigen Menschen gegenüber überfällt mich das Gefühl, etwas nachholen zu müssen,sostark, wie vor Ihnen, lieber Doctor Schnitzler. Nach der kleinen und durch die Umstände vielfach beschränkten Zeit unseres Beisammenseins. ist dieses Bedürfnis wach geworden und täglich ist es gewachsen an Macht und Muth.

Und nun ist essoweit, dass ich meine Schande nichtmehr verbergen kannIrgendein Vertrauen muss ich zu Ihnen haben, irgendwie die kurze Stunde ausbreiten und ihre Falten breitstreichen, und mit mehreren Farben den Contur dieser lieben Erinnerung füllen: Und darum geb’ ich Ihnen diese zwei Vergangenheiten, Gedanken und Dankbarkeiten aus dunkler Bücherkindheit; dennsie liegen wie 7 Jahre vor mir; aber ich hab’ auch beide lieb wie man etwas von vorsieben Jahren zu lieben anfängt mit jenem leiseren Verzeihen, das einesoschöne Form ist für einsicheres Besitzen.

So will ich auch, dass diese Bücher in Ihnensein dürften wie Erinnerungen an flüchtige gemeinsame Gespräche, die uns vor jenen jüngsten geschehensind. Es müssen nämlichsolche Begegnungen immer adligsein und einen Stammbaum haben: die erste darfsich nicht als Beginn fühlen,sondern als Summe ferner Vorfahren. Siesorgt dannselberschon, dass das Geschlecht nicht aussterbe!

Im Übrigen: was waren diese wiener TageRilke war zwischen 15. 3. 1899 und 18. 3. 1899 in Wien. lieb und licht! Wieschön gesteigert klangensie in der Premiere.Loris’ aus, reich und rauschend in diesen Versenschäumend über den Rand der Zeit.

Freilich: mitten heraus musste ich auf den Bahnhof. Das war gewaltsam, ein Aus-den-angelnheben. – Von Prag aus hab’ ich dann meine erste Freude an Hofmannsthal geschicktDer Brief lautete: »

Prag, Wassergasse 15.

am 19. März 99.

Verehrter Herr von Hofmannsthal

Der Bahnnacht zum Trotz, die mich, dunkel und ungewiß, mitten aus dem Märchen von Sobeïdens Sehnsucht riß, kehre ich zu Ihnen zurück von meinem Dank und meinen besten Gedanken geführt.

Sie übermäßiger, unersättlicher Verschwender! Sie haben bislang Ihre Verse, die rosenreifen, in die Andacht einsamer Leser und Lauscher wie in schöne Schalen gestreut; gestern aber warfen Sie in göttlichem Vergeuden in das Meer der Menge hinaus was der stille Stolz ihrer Gärten ist.

Die Erregung des Überschütteten, Überbeschenkten, dessen Freude sich hundert Hände wünscht, fiel mich aus Ihren Versen an. Die ganze Nacht trug ich einen Duft in meinen Kleidern und wie ein anvertrautes Geheimnis nahm ich den Nachklang von Schönheit und Schicksal mit.

Sooft ich Ihre Verse gelesen habe, geschah es mir, daß ich vor einer dunkeln Stelle blieb, wie man im Wald nicht weiter geht, geht irgendwo die Landschaft licht oder das lichte Aug einer einsamen Wegmadonna auf. Das Weitermüssen durch die Schönheit durch, zu dem die Verse von der Bühne zwingen: das war der neue gewaltsame Genuß, mit dem der Abend gestern mich beschenkt hat.

Wenn ich Sie als den Führer oft empfand, der dunkle Worte spricht vor ernsten Bildern und einen tiefern Sinn in Bäume und in Blumen senkt im Weitergehen, so hab' ich Sie gestern als den Herrn gefühlt, und Ihres Wesens Wille war mein Weg.

Ich sage Ihnen das, lieber Herr von Hofmannsthal, weil ich Ihnen an jenem kurzen Abend viel verschwieg; und weil ich weiß, daß ich Ihnen seither noch näher bin; denn gestern war ich der Ihre in Angst und Andacht!

Ihr Rainer Maria Rilke

Bitte, grüßen Sie Herrn Dr. Schnitzler sehr!

« (Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke: Briefwechsel. Herausgegeben von Rudolf Hirsch und Ingerborg Schnack. Frankfurt am Main: Suhrkamp1978, S. 41–42.) mit ungewisser Adresse – kams inseine Hand? Ich glaube immer: man kann nur mit der Freude danken. – Dann lag ich in Prag mit der Influenza in einem höchst fatalen Bett. Und jetzt bin ich im »Waldfrieden« wieder und habe den Wald, den weiten, wehenden, und Bilder von Monet und eine Aufführung von Maeterlincks »Intérieur« in einem neuen wirklich intimen Theater gesehen und empfinde die Summe dieser unaddirbaren heterogenen Freuden mitseltsamer Sorglosigkeit. Aus diesem Gefühl heraus kommt auch der Brief, der Sie grüßen will,

in herzlicher Verehrung: RainerMariaRilke
Rainer Maria Rilke 1875-12-04 Prag 50,08333 14,46667 1926-12-29 Montreux 46,45179 6,94084 Schnitzler Arthur 15. 5. 1862 Wien 48,208333 16,373056 21. 10. 1931 Wien 48,208333 16,373056 Hugo von Hofmannsthal 1874-02-01 Wien 48,208333 16,373056 1929-07-15 Rodaun 48,132793312328 16,256152195922 Claude Monet 1840-11-14 Paris 48,85341 2,3488 1926-12-05 Maurice Maeterlinck 1862-08-29 Gent 51,05 3,71667 1949-05-06 Nizza 43,70313 7,26608 Intérieur Intérieur Maeterlinck, Maurice Die Hochzeit der Sobeide Die junge Frau Wiener Allgemeine Montagszeitung, 17. 7. 1899 Die junge Frau Hofmannsthal, Hugo von Zwei Prager Geschichten https://www.gutenberg.org/files/27822/27822-h/27822-h.htm Rilke, Rainer Maria Am Leben hin. Novellen und Skizzen http://www.literature.at/alo?objid=12091 Rilke, Rainer Maria Schmargendorf Berlin-Schmargendorf 52,47517 13,29071 Berlin 52,52437 13,41053 Deutschland 51,5 10,5 Wien K.K. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien Bécs Land Wien Vídeň Wenia Beč Vindobona Vienna 48,208333 16,373056 Österreich 47,33333 13,33333 Windmühlhöhe 48,24077 16,32092 Villa Waldfrieden 52,476027 13,287052 Schmargendorf 52,47517 13,29071 Berlin 52,52437 13,41053 Prag Hauptstadt Prag Prag-Smichow Bohnitz bei Prag Prag-Dejwitz Hlavní město Praha Prague 50,08333 14,46667 Tschechien 49,75 15,0 Vodičkova 15B 50,080264 14,423297 Vodičkova 50,08054451186242 14,423749627149396 Prag 50,08333 14,46667 Adolf Bonz & Comp. Stuttgart 48,78232 9,17702 http://www.wikidata.org/entity/Q1022 https://d-nb.info/gnd/4058282-6 https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb872.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/872/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/39915/ https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/64261/ https://sws.geonames.org/2825297/ https://de.wikipedia.org/wiki/Stuttgart https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb872.html https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/pmb872.html https://wienerschnitzler.org/pmb872.html https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00359 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/fa_place00005087 https://biblio.ub.uni-freiburg.de/sf/#pmb872 https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb872.html https://www.schoenberg-ue.at/ue/places/place.2.42 Intimes Theater Berlin 52,52437 13,41053 https://sws.geonames.org/2950159/ https://schnitzler-bahr.acdh.oeaw.ac.at/pmb168.html https://d-nb.info/gnd/4005728-8 https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/168/ https://www.kraus.wienbibliothek.at/legalkraus/pmb168.html https://pmb.acdh.oeaw.ac.at/entity/92171/ http://www.wikidata.org/entity/Q64 https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin https://schnitzler-interviews.acdh.oeaw.ac.at/pmb168.html https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/pmb168.html https://schnitzler-briefe.acdh.oeaw.ac.at/pmb168.html https://wienerschnitzler.org/pmb168.html https://schnitzler-kultur.acdh.oeaw.ac.at/pmb168.html https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00313 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/DWplace00093 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/pmb168 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/fa_place00001836 https://sk.acdh.oeaw.ac.at/fa_place00004523 https://biblio.ub.uni-freiburg.de/sf/#pmb168 https://www.schoenberg-ue.at/ue/places/place.2.3 Aufführung von Der Abenteurer und die Sängerin, Die Hochzeit der Sobeide, 14.5.1899 Burgtheater 48,210333 16,361139 Aufführung von Daheim, 29.3.1899 Theater- und Vortragssaal der Urania-Gesellschaft 52,524074 13,362459