6/11 Von Else Brief „Affaire Sandrock“ was mich verstimmte.―
Mz. Rnh. Nm. da.― Schon gestern bereitete sie auf eine Auseinandersetzung
vor. Ich sagte ihr selbst, was sie sagen wollte: Wieder wie früher
sein; so geht das nicht weiter. Sie: Ja. Sie scheinen eine Neigung zu
Gewaltstreichen zu haben (auf das vorletzte Mal anspielend).
1894: XI 6 - XI 12 99
Ich: Sie wollen gar keine Unruhe in der Seele haben; sich gemütlich
lieben lassen, das macht schön warm ― ohne sich zu incommodiren ―
höchstens ein bischen flirten ― aber das geht nicht! Ich werde nie mehr
für Sie empfinden als Sie für mich. Aber selbstverständlich füge ich
mich. Sie sind so sicher wie auf einem Parquetsitz in der Oper.― Dann
plauderten wir sehr gemütlich noch ½ Std. ― und hätten uns so gern
geküsst!― Und heut bin ich weiter als je.
Nacht bei Dilly.― Halbstündige Gesprächspausen ― da bekommt
sie Angstzustände.― Meine Zärtlichkeit für sie ist so müd ― so müd!―
Traum. Mein Vater. Ich lese ihm in einem großen offnen Saal (ihm
und noch mehreren) etwas vor, etwa Tovote, oder was französ.―
Gefällt ihm. Ich: Wie würdest du schimpfen, wenn es von einem
Deutschen und gar von einem verwandten wäre!― Er lächelt.―
Schwester und ich gehen weg. Es ist, wie wenn jeder Verstorbene
wieder 2 Jahre leben könnte, nur wissen die Angehörigen, dass er an
dem selben Tag wieder sterben muss. Gisa: Wie traurig, dass er am 2.
Mai sterben wird!― Und es war furchtbar schmerzlich.