8/7 Träume: Kleines Zimmer Hotel, O. im Bett; an einem Tisch hart
dran, ernst schreibend ein (mir von langher bekannter, nun Jahre lang
nicht gesehner) Herr Kohn. Ich ärgerlich, er soll ins Schreibzimmer
gehn, O. findet, ich muss es ihm sagen, ich thue es; er kann auch ins
Nebenzimmer gehn, meines; er geht, ernsthaft, ohne zu reden, ohne sich
um O. im geringsten zu kümmern. Das Nebenzimmer ist unaufgeräumt,
ich versuche vergeblich rasch Ordnung zu machen; das Stubenmädchen
hat offenbar kein Trinkgeld bekommen, sie sieht irgend einer ältlichen
ähnlich,― (dem Frl. Jeanette von der Hofrätin Z.?) ― dann bin ich in
einem Zug, mit O. (und noch einer Dame? Frau Bachrach?), man (wer?)
theilt mit, Frl. Zwerenz, und Simon’s seien in einem andern Waggon;
O. beeilt sich, was mir aergerlich, zu Simons zu gehn. Auf dem Weg
tritt, in Ballkleid, Frl. Zwerenz aus einem Coupé (Kajüte, Zimmer) wie
in ein Vorzimmer, mit ihrem Liebhaber (?,unsichtbar), sie sieht (wie
ich erst im Wachen weiss) aus wie Frl. Woiwode; ist irgendwie befremdet
― Indess (?) hat mir Dr. A. Kaufmann sein Notizbuch gegeben, zur
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Aufklärung, wo er an den verschiedenen Abenden mit Bella (die jetzt
in Wien) soupirt; ich lese durch (ohne etwas zu erfahren), in der Mitte
des Notizbuchs seine Ausgaben notirt; nachzusehn schiene mir indiscret,
übrigens kann ich sie nicht lesen.― Nun bin ich mit Dr. Reik irgendwo,
er wird witzig-intim, was ich ärgerlich ablehne, sogar handgreiflich;
als er gekränkt ist, thuts mir leid, bin gleich gut zu ihm; auch
ein gescheidterer ist da (Dr. Sachs?, unsichtbar) ich spreche aus: „Der
nächste große Mann wird der sein, der der Psychoanalyse ihre genauen (?)
Grenzen anweist“, was, zu meiner Verwunderung auch Reik’s Beifall
findet. Dann erscheint, um mich endlich wieder zu sehn, Prof. Schwarz,
in Sammtrock.―
Deutungen: Morgen soll in Vertretung Dr. Pollaks Dr. Ignaz Kohn
kommen; dass jener fast fremde Kohn an O.s Bett schreibend sitzt ist
ein maskirter Wunschtraum: sie soll leidend sein, weil sie (wie wir
neulich festgestellt) nie liebenswürdiger ist als zur Zeit ihrer
Unpäßlichkeiten. Die Zudringlichkeit dieses Kohn bezieht sich auf eine
Bemerkung, die ich gestern über den jüdelnden Vicki gemacht. Das
unaufgeräumte des Zimmers mag „unwirsch“, das „unfreundliche“ eines
Wesens bezeichnen, oder das Benehmen O.s.― Das Stubenmädchen ― die
Schwester bei Heini ― mir fiel neulich ein, ob ich noch schon vor Ende
der Krankheit Trinkgeld geben sollte.― ― Der Zug ― die Reisesehnsucht;
O.’s rasche Besuchslust ― eine Erinnerung daran, dass ich ihr übel
nahm, was ich das „devote Benehmen“ (ungerecht!) gegen die Agentin
Frau Wolff nannte.― Frl. Woiwode ― wir sollen heuer in Brioni die
Ballerinen Berger kennen lernen ― ich sah Frl. Woiwode als Balletmädl
im Abschiedsouper! ― Daher auch das Ballkleid! ― Die Intimität
Reiks ― Eigenheit der Psychoanalytiker die intimsten Details zu
erforschen.― Der gescheidtere Dr. Sachs ― Bemerkung Olgas. Meine
Kritik der Psychoanalyse: braucht keiner Deutung mehr. Prof. Schwarz
― ich sah gestern eine seiner Frau ähnliche Dame; ― sein Sammtrock:
― sein sehnendes Verhältnis zur Kunstwelt etc. (Frl. B.!) ―
Zustimmung Reiks: ― Der „Psychoanalytiker“ Winterstein erwiderte
mir auf eine Bemerkung: „Ich bin nicht mit allem in Ihrem Artikel
einverstanden ―“ „Ich auch nicht ―“―
Vm. Dr. Kohn zum ersten Mal (alter Bekannter). Tüchtig, bestimmt.―
Nach zweitägigem leidlichem Zustand nach Tisch heftige Scene mit
O.; ihr Widerspruch gegen Vorschläge, die sie gemacht ― und ich
acceptirt habe. Ihre Inconsequenz.― Schrieb, resp. fing Nm. einen
Brief an sie an. Was drin stand, sagt ich ihr, auf dem Nachhauseweg
von einem
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trübseligen gemeinsamen Nachtmahl beim Schutzengel; ― und mehr. Es
wurde wieder furchtbar. „Das Jahr vergess ich dir nicht“ sagt ich ―
„und wenn ich tausend alt werde ―“ „aber es kommt auch kein
zweites.“― Ihre trotzige Einsichtslosigkeit macht mich übertreiben.―