Freitag, 22. Jänner 1915 1915-01-22 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-0501-D
Tagebuch 1913-1916 978-3-7001-0601-2 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1983 1913-1916 168–169 432 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Wien

22/1 Traum: Gartenrestaurant. Ich mit 2 Herren, einer ein wenig Benedikt ähnlich, reden sehr intensiv miteinander (was ich nicht höre) ― ein Paar (?) am selben Tisch ― ich esse Rettich ― Champagner ― will zahlen,― es ist schon;― fort ― (Situation Nov. gestern dictirt!) ― wie soll ich mich revanchiren? „Weg ins freie“ ― habs aber nur mehr in Leder,― zu fein. Verliere die Gesellschaft ― vorbei am Burgring 1 (wo ich 25 Jahre gewohnt mit Eltern) ― in die „Eschenbach“gasse (Fleischer sang ihn bei uns!) ― Dämmerung ― aus dem Hause (etwa wo vor ― 38 Jahren ― Fännchen gewohnt (Briefe neulich!)) treten Leute (etwa Höbling ― 1915: I 22 - I 23 169 und andre) ― weiter ― Oper vorbei ― Straße, zerstörtes Haus (Erdbeben Avezzano!) ― hinaus Seilerstätte, aber es ist doch der Mehlmarkt, heißt aber anders (Mehl-gespräche, des Kriegs wegen ―) ― vor dem Haus, in dem ich (offenbar) wohne ― Brieftasche (― die von Jean., die ich neulich in der Hand hielt!) ― hebe sie auf ― drin Briefe einer Geliebten aus Berlin an ihre Geliebten,― lese sie oben ― in meinem Zimmer (wie kleines Hotelzimmer, Lage entspricht etwa dem Residenz-Club Seilerstätte) ― da tritt ein junger Mann ein, bartlos; ich verstecke die Brieftasche;― er muss einen Radirgummi suchen, angeblich, holt unter dem Tisch einen Stechkamm vor ― ich sage: Das halten Sie für einen Radirgummi ―? ― ich weiss, er will eigentlich die Briefe, die Sache ist irgendwie bedenklich, gehe im Vorzimmer, untern Arm gefasst, mit ihm auf und ab ― ihm erklären (dass die Briefe sich nicht auf ihn beziehn? ―) ― bei der Thür Abschied, er ist plötzlich in Uniform, mit Patronentasche, Regimentsarzt, kleiner als früher.― Wieder im Zimmer, die Briefe, einer ist vom 6. October 1910 ― ich lese auf einem Couvert Herr Dr. Ernst Ernedy (im Fliederbusch „Negedy“!) ― sehe auch seine Erscheinung (ältrer Lebemann (Novelle!)) ― er wirft ihr irgend was vor ― „Ich will nicht dass Ihr Euch über ihn lustig macht ― einen Menschen,― der ― (nur irgend was wie) Fleisch ― nicht hat ―“ (?) ― im Zimmer wird von ein paar Weibern reine gemacht, trotz Abend, zum Aerger von Heini, der auch da ist ―.

Vm. Dictirt Novelle.―

Nm. am „Fliederbusch“. Die Schwierigkeiten: der 4. Akt.

Abd. bei Hajeks. Julius Helene, Latzko; Dr. Berdach.―

Kleinigkeiten von der Stellung in der Welt, von einem Tag: Im Berl. Tgbl. eine Vertheidigung gegen einen Angriff den die Deutsche Tagesztg. auf mich ― wegen meines Protestes (Genf) offenbar in viehisch antisemitischer Weise versucht (ich hatt ihn nicht gelesen).― ― Brief von Direktor Ziegels Rechtsanwalt: Weigerung des Schauspielers Wahl, den „Albrecht“ zu spielen im August (nachdem er es circa 20mal gethan!) ― weil unpatriotisch, antioesterreichisch ― die Denunziation bei der Behörde (vergeblich), Klagen etc. ― ich solle mich äußern.― Aus einer ― Klagenfurter Kritik (Abschieds.) ― A. S. ― „der Dichter der Wiener Lebewelt“.― Aus Scherr (1899, bei Hajeks ―) ― A. S. ― Pötzl ― Chiavacci ― u. s. w.―