22/1 Traum: Gartenrestaurant. Ich mit 2 Herren, einer ein wenig Benedikt
ähnlich, reden sehr intensiv miteinander (was ich nicht höre) ― ein
Paar (?) am selben Tisch ― ich esse Rettich ― Champagner ― will zahlen,―
es ist schon;― fort ― (Situation Nov. gestern dictirt!) ― wie soll
ich mich revanchiren? „Weg ins freie“ ― habs aber nur mehr in Leder,―
zu fein. Verliere die Gesellschaft ― vorbei am Burgring 1 (wo ich 25
Jahre gewohnt mit Eltern) ― in die „Eschenbach“gasse (Fleischer sang
ihn bei uns!) ― Dämmerung ― aus dem Hause (etwa wo vor ― 38 Jahren
― Fännchen gewohnt (Briefe neulich!)) treten Leute (etwa Höbling ―
1915: I 22 - I 23 169
und andre) ― weiter ― Oper vorbei ― Straße, zerstörtes Haus (Erdbeben
Avezzano!) ― hinaus Seilerstätte, aber es ist doch der Mehlmarkt, heißt
aber anders (Mehl-gespräche, des Kriegs wegen ―) ― vor dem Haus, in
dem ich (offenbar) wohne ― Brieftasche (― die von Jean., die ich neulich
in der Hand hielt!) ― hebe sie auf ― drin Briefe einer Geliebten aus Berlin
an ihre Geliebten,― lese sie oben ― in meinem Zimmer (wie kleines
Hotelzimmer, Lage entspricht etwa dem Residenz-Club Seilerstätte) ―
da tritt ein junger Mann ein, bartlos; ich verstecke die Brieftasche;― er
muss einen Radirgummi suchen, angeblich, holt unter dem Tisch einen
Stechkamm vor ― ich sage: Das halten Sie für einen Radirgummi ―? ―
ich weiss, er will eigentlich die Briefe, die Sache ist irgendwie bedenklich,
gehe im Vorzimmer, untern Arm gefasst, mit ihm auf und ab ― ihm erklären
(dass die Briefe sich nicht auf ihn beziehn? ―) ― bei der Thür Abschied,
er ist plötzlich in Uniform, mit Patronentasche, Regimentsarzt, kleiner
als früher.― Wieder im Zimmer, die Briefe, einer ist vom 6. October 1910
― ich lese auf einem Couvert Herr Dr. Ernst Ernedy (im Fliederbusch
„Negedy“!) ― sehe auch seine Erscheinung (ältrer Lebemann (Novelle!))
― er wirft ihr irgend was vor ― „Ich will nicht dass Ihr Euch über ihn
lustig macht ― einen Menschen,― der ― (nur irgend was wie) Fleisch ―
nicht hat ―“ (?) ― im Zimmer wird von ein paar Weibern reine gemacht,
trotz Abend, zum Aerger von Heini, der auch da ist ―.
Vm. Dictirt Novelle.―
Nm. am „Fliederbusch“. Die Schwierigkeiten: der 4. Akt.
Abd. bei Hajeks. Julius Helene, Latzko; Dr. Berdach.―
Kleinigkeiten von der Stellung in der Welt, von einem Tag: Im Berl. Tgbl.
eine Vertheidigung gegen einen Angriff den die Deutsche Tagesztg. auf mich
― wegen meines Protestes (Genf) offenbar in viehisch antisemitischer Weise
versucht (ich hatt ihn nicht gelesen).― ― Brief von Direktor Ziegels
Rechtsanwalt: Weigerung des Schauspielers Wahl, den „Albrecht“ zu
spielen im August (nachdem er es circa 20mal gethan!) ― weil unpatriotisch,
antioesterreichisch ― die Denunziation bei der Behörde (vergeblich),
Klagen etc. ― ich solle mich äußern.― Aus einer ― Klagenfurter Kritik
(Abschieds.) ― A. S. ― „der Dichter der Wiener Lebewelt“.― Aus Scherr
(1899, bei Hajeks ―) ― A. S. ― Pötzl ― Chiavacci ― u. s. w.―