Sonntag, 4. April 1915 1915-04-04 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-0549-D
Tagebuch 1913-1916 978-3-7001-0601-2 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1983 1913-1916 186–187 432 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Wien

4/4 Ostersonntag. Träume: Treffe meinen Vater im Speisezimmer (Burgringwohnung), ich ― oder er, oder wir beide von Reise zurück, er jedenfalls in Überzieher,― umarm ihn, voll Liebe ― schluchzend; er etwas kühl. (Situation der Novelle, zuletzt dictirt: Umarmung der Brüder ― ich identifizire mich mit dem Helden,― den Bruder mit Julius ― den mit meinem Vater. Ferner: am 10. April hätte mein Vater 80. Geburtstag gefeiert.― Ferner: Ich bereue zuweilen (ganz leise) dass ich in den letzten Wochen zu meiner Mutter nicht so gut gewesen als ich sollte ― ja ihren Zustand absichtlich nicht ernst genug genommen.) ― Auch meine Mutter war irgendwie im Zimmer. Dann träume ich: Onkel Felix (der im September London starb) auf dem Operationstisch, Eingeweide liegen ganz bloss, Julius hat ihn operirt, zeigt mir die weggeschnittne Gallenblase, sie sieht aus wie eine Forelle mit schnappendem Mund (Novelle: Krokodilledertasche!) ― auf dem Boden liegen einige zertretene Fische ― dann bin ich (daneben?) in einer Art Prosectorium oder Speisezimmer an einem Tisch, um zu essen, in schwarzem Lüstermantel mit 3 (?) andern (wer?). Einer fragt mich, welches Buch ich dorthin (auf meinen Sessel?) lege, resp. lese. Ich antworte: Briefwechsel Nietzsche mit Faust ― (oder ähnlich). (Lese jetzt u. a. Nietzsche Briefe.)

Mit Heini Südbahn. Auf der Tram verknetschter jüdischer Soldat; anläßlich einsteigender lauter Deutscher sagt er: Die gehn jetzt in die Karpathen. Die Deutschen immer lustig, die Wiener auch, auch die Honveds;― die Husaren und die Czechen ernst.― Im Civil ist er „Reisender“, war verwundet, fünf Monate war er in Polen, dieser Tage muss er wieder fort, in die Karpathen ― „er hätte schon genug“.―

Mit Heini Baden ― Gaaden ― Hinterbrühl ― Radetzky, dort gegessen; Dr. Rechert setzt sich zu uns. Herrliches Osterwetter. Übern Liechtenstein Mödling.― Meidling mit der Tram nach Haus; komisch-trauriges Sonntagspublikum.―

O. erwartet uns, ist von Richard Sp., der nicht mehr weiss was mit Vera beginnen, zu ihr gebeten.―

Julius Helene Hans kommen; Hans in Uniform. Über Italien u. a.―

Lili hat sich zu Ostern gewünscht: „ein rundes Bilderbuch und ein Osterei mit Chocoladcigarren und Frieden“.―

1915: IV 4 - IV 8 187

― O. kommt, hatte mit Lissauer ein politisches Gespräch Deutschland ― Oesterreich.―

Vicki zum Nachtm.; erzählt von seinen Vorgesetzten, allerlei antisemitisches etc.― Musik.―