Dienstag, 23. November 1915 1915-11-23 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-0632-5
Tagebuch 1913-1916 978-3-7001-0601-2 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1983 1913-1916 240 432 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Wien

23/11 Traum (durch Einriss in den Thermophor, der mich befeuchtete): Im Kahn auf dem Königssee, in Schwimmhose mit Stefan Zweig, springe (warum?) ins Wasser (von Zweig war gestern unvortheilhaft wegen einer albern-taktlosen Äußerung über Ama zu Stringa die Rede) ― Ufer felsig links, es entwickelt sich allmälig ein Festungsrelief (Stringa ist als Artillerieoffizier auf dem M. Baldo und beschießt Riva ― der Königssee könnte auch der Gardasee sein ―) bin dann in einem sommerlichen Badner Curpark, heute Abend, erzählt mir Gustav, geht der Kaiser ins Theater, ich wundre mich: trotz des Kriegs,― von einer Frau, etwa Tochter geführt, blind erscheint Reicher in dunkelm Gehrock, Cylinder, gefasst, mit grauen Cotelettes ― geht dann absichtlich allein, nah einer Laterne,― ich besorge dass er anstößt, ruft nach einer Virginia, sagt aber scherzend, die Kellnerin (?) möge sie selbst aussuchen (gestern war die Rede von dem taubstummen Bildhauer Ambrosi, der über sein Gebrechen scherzt),― ich erinnre mich der Thatsache dass Reicher mir vor circa 7 Jahren als 60er begegnete und sagte: er fühle sich wie ein Gymnasiast; dann nehm ich eine Zeitung zur Hand, Artikel, Busoni als Blinder photografirt (bevorstehender Besuch!―).

Vm. bei Goldmann u. Halm Kunsthandlung;― wegen eines „Motto“, das ich zu den Zeichnungen des Hptm. Hesshaimer schreiben sollte deren Ertrag den Feld-Erblindeten gewidmet ist. Wir haben schon tausend! Gespräch mit Hrn. Halm.―

Besorgungen.― Zu Salten. Zeigt mir seine Jagdtrophäen. Welch ein Verhängnis: Gewiss seine Freude an der Jagd, der Natur ist wahr; ― und durch Übernuancirung, Selbstspieglung wird es irgendwie unwahr.―

Nm. in Plänchen geblättert. Nichts geht mir nah genug ― und zu einem energischen Anfang kann ich mich nicht entschließen.―

Mit O. Concert Elena Gerhardt.―

Heim mit Salten’s und Richard Specht, die bei uns nachtmahlten. Über Habsburg, Hohenzollern;― über die Jesuiten, Friedrich den Großen. S. sagte viel kluges; aber er wird es nie (auch wenn es weniger gefährlicher sein wird als es jetzt wäre) schreiben, veröffentlichen. Welch ein problematisches Individuum. Dabei fühlt ich wieder einmal jene herzliche Sympathie für ihn, die mit innerstem Einverständnis oder nur mit Zustimmung so wenig zu thun hat, und gewissermaßen tiefer wurzelt.