25/1 Traum: ich komme in Gesellschaft zu Peter Nansen (sah gestern
Betty Nansen im Kino, Revolutions-Hochzeit) freue mich dass er so gut
aussieht und ich sag es ihm. (Er ähnelt Fulda im Traum.) Er preist mich
wegen des herrlichen Telegramms ― das ich an Erzherzog Friedrich
gesandt ― auch Voltaire wäre entzückt gewesen ― ich weiss nichts
davon, laß es aber über mich ergehen (Voltaire! Casanovas Stellung zu
ihm, meine Novelle! Poppers Buch!) ― Dann seh ich O. im Trauerkleid,
was weiter keine Bedeutung, auf einem Treppenabsatz ― so aussehend
wie mit 18 ― aber auch die andre, die von jetzt ist da, ich vergleiche
innerlich; sie redet irgendwie irritirt, was, unklar.―
― Ein Vormittag: Telephon mit Baden (O.); es telef. Mimi, Erna Fleischer
(Sitze für K. d. W.) Briefe,― Observer;― ich lese (Deutsche Tageszeitung,
nach Diederichs), dass ich ein Typus dieses vergiftenden Geistes bin … wer
die K. d. W. sieht, „wird“ (wörtlich) „in seinem Wollen nach aufwärts
gehemmt“ ― „er erlebt die Leugnung der germanischen Auffassung von der
Heiligkeit des Lebens“ u. s. w…― Ich lese ferner (in der Reichspost)
einen Angriff (den wievielten?) gegen Thimig, dass er mich spielt.―
Polizei Agent Guth, von Schmutzers zur Behebung ev. Passschwierigkeiten
empfohlen, erbietet sich etc.: ich bedarf keiner 3 Photographien, doch
einer Grenzüberschreitungsbewilligung ― ― Ich gehe zur Statthalterei, wo
man mir sagt, ich brauche keine Grenzüb.bew.;― ich gehe zu Dr.
Adler, Consulat, wo ich erfahre dass man aber jedenfalls 3 Photographien
braucht, dann ins jüd. Matrikelamt
1916: I 25 - I 29 261
mich wegen ev. Duplikats eines Geburtsscheins erkundigen, da meiner
verschwunden.― Sehe zum ersten Mal im Matrikelbuch mit den
etwas veralteten Schriftzeichen meinen und meiner Eltern Namen.―
Nm. schlechtes Befinden und vertrödelt wie meist.―
Quartett Rosé mit Kaufmann.―
Las neulich drei Casanova Scenen von Greeven, durchaus anständig,
und hie und dort eine Spur poetischen öfters bühnenmäßigen Talents.―
Lese mit Interesse Stendhals Journal 1801–14.―
― Worauf warte ich mit dem Arbeiten ―? ―
― Man möchte manchmal einen ― unbedingten Freund haben ― auf
die Gefahr hin, dass er sich irrte!―