Samstag, 28. Oktober 1916 1916-10-28 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-0786-5
Tagebuch 1913-1916 978-3-7001-0601-2 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1983 1913-1916 324–325 432 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Wien

28/10 Traum: Vor dem Fenster, quasi in der Luft ― der Violinist Roth aus Boston (den ich seit Jahren nicht sah); er sieht aber aus wie der Kapellmeister Abendroth (den ich gestern im Concert kennen lernte). Dann (derselbe?) sitzt auf dem Fensterbrett des kleinen Zimmers 3. Stock Dr. Breuer (der alte) ― ich halte und warne ihn; er sagt: „Mein Stolz ist, dass in meiner Familie keine verführten Mädchen und keine Ehebrecherinnen sind.“ Ich: Beurtheilen Sie die Frauen danach? Ich habe die besten Mädchen gerade unter den verführten gefunden, ich erinner Sie nur an M. R. (ob ich den Namen nenne, weiss ich nicht,― wohl aber dass ich Breuer daran erinnere, durch einen Blick ―? dass er sie gekannt, an ihrem Todestag bei ihr war;― und nach dem Erwachen weiss ich auch, dass das kleine Zimmer das Sterbezimmer von M. R. war).

― Bei Popper. Über die großen modernen Talente. Ich nenne ihm die Manns, Wassermann, Eulenberg ― von denen er kaum ein Wort kennt. Dr. Theod. Beer mit Frau, nach Verabredung kommt; sein Anliegen an mich, Rath, resp. Intervention (bei Tandler ― indirect) zwecks Wiedererlangung seines Doctorats, das er nach seinem Sexualprozess vor 12 Jahren verloren! Stimmung gegen ihn, Sittlichkeit, Antisemitismus, persönliche Abneigungen.

― Nachm. Richard. Er hat in Salzburg täglich mit Bahr beim Frühstück über Katholizismus gesprochen.― Gott der Christen, der Juden.―

Teleph. Gespräche in der Beersache mit Julius, Hajek, Hofr. Z.― (Jul. bei der Gelegenheit sagt mir, D. Kaufmann sei von meiner Diagnose nicht überzeugt. Ich frage: was denn ―?)

Zum Thee bei Spechts. Vera geht Dinstag nach Holland.― Schillings, Frau Gutheil. Sch. erzählt von dem Besuch des Claqueurchefs Freudenberg.

― Dr. Reik, aus dem Feld, Sanit.-Fähnrich. Kriegserlebnisse, Gefahren, Langeweile, Gemeinheiten.― Erinnerungen an Berlin, die „Expressionisten“ im Café des Westens. Der „Führer“ Kurt Hiller über Kerr: Er ist nicht ein, er ist das Genie. Kerr, der alternde kokette Kritiker, mit den Jungen und Jüngsten Fühlung suchend.― Sie schreien aus Programm. Lehnen mich, auch Hugo, Richard, ― Wassermann ― als weichlich u. dgl. ab. Verachtung des Wiener-, Oesterreichertums. Ihre Überwindung der Psychologie. Ihr (verlogenes) Interesse für Politik. Ihr Terrorismus. Ihre „Erotik“ ― die Seele verschmähend. Die Berliner 1916: X 28 ― XI 1 325 W Jüdinnen als ihre Trabantinnen. Die Juden unter ihnen. Der die Marienlieder schreibt.―