Freitag, 1. Juni 1917 1917-06-01 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-085E-3
Tagebuch 1917-1919 978-3-7001-0722-4 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1995 1917-1919 052 428 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Wien

1/6 Heute früh, nach tel. Anfrage ― U.;― theilt mir in großer Erregung mit ― der Arzt seiner Frau habe ihn zu sich gebeten ― eine Todeskrankheit (Operation dieser Tage) ist bei ihr festgestellt ― „Denken Sie ― welches Schicksal ― wäre das 3 Wochen früher constatirt worden, so hätte sich St. nicht umbringen müssen ―“ das ist das einzige ― was ihn an der Sache wirklich erschüttert ― der überzeugt ist, daß St. sich im Grunde doch nur wegen der Aussichtslosigkeit getödtet hat (am Ende auch nicht ganz unrichtig).― Auch er noch Urlaub ― war jetzt wo er zuletzt mit ihr gewesen ― kaufte in Linz im Hotel ― das Bett’ der letzten Nacht! (es wird für nach dem Krieg aufbewahrt ―); war auch in Aussee ― mußte aber an der Brücke kehrt machen ― schläft jede zweite Nacht in St.s Zimmer ― begreift nicht daß er weiter lebt ― und läßt sich auch, wie jener andre ― gern überreden, daß er eigentlich weiter leben muß … Dann brachte O. Bilder von St., kleine von unsern Reisen ― er nahm sie, ging unter Thränen.― O. sagt zu mir: „Du bist der Erzbischof von der ganzen Sache …“ Wie übersichtlich ― allzu übersichtlich wird nun die Sache. Sie war offenbar völlig hin- und hergerissen ― für ein Wesen von ihrer Lauterkeit ― Tapferkeit ― und Schwäche gab es nichts als den Tod. Was sich nun begibt, an seelischen Nachabenteuern, an Situationen, ist bei aller Tragik irgendwie ― von einem großartigen Humor. Sobald die wahre Übersicht da ist ― kann offenbar der „Humor“ (ein nicht ganz zutreffendes Wort) nicht ausbleiben. Wo Humor ― keine Langeweile ― daher der liebe Gott mit seiner ewigen Übersicht sich niederträchtig gut amüsiren muß.―

Dictirt ein Concept an Millenkovich.

Nm. am Nachklang.―

Zum Thee Gfn. Wydenbruck mit ihrer Tochter Ella; über die Persönlichkeit des Kaisers, die Thronrede;― Taktlosigkeiten Wilhelms;― Antipathien zwischen hüben und drüben.―

Mit Heini Mozart VI. Clav. Concert.―

Las Fontanes „Kindheit“ (zum 2. Mal) zu Ende. Grimms „Südafrik. Novellen“.

Neulich geträumt: eine Art Jahrmarktstraße auf dem Weg nach Grinzing (zum Kriegspital);― St. soll den Weg kommen, aus dem Spital, aber sie kommt nicht (ohne jede Betonung).