1/6 Heute früh, nach tel. Anfrage ― U.;― theilt mir in großer Erregung
mit ― der Arzt seiner Frau habe ihn zu sich gebeten ― eine Todeskrankheit
(Operation dieser Tage) ist bei ihr festgestellt ― „Denken Sie ―
welches Schicksal ― wäre das 3 Wochen früher constatirt worden, so
hätte sich St. nicht umbringen müssen ―“ das ist das einzige ― was ihn
an der Sache wirklich erschüttert ― der überzeugt ist, daß St. sich im
Grunde doch nur wegen der Aussichtslosigkeit getödtet hat (am Ende
auch nicht ganz unrichtig).― Auch er noch Urlaub ― war jetzt wo er
zuletzt mit ihr gewesen ― kaufte in Linz im Hotel ― das Bett’ der letzten
Nacht! (es wird für nach dem Krieg aufbewahrt ―); war auch in Aussee
― mußte aber an der Brücke kehrt machen ― schläft jede zweite Nacht
in St.s Zimmer ― begreift nicht daß er weiter lebt ― und läßt sich auch,
wie jener andre ― gern überreden, daß er eigentlich weiter leben muß …
Dann brachte O. Bilder von St., kleine von unsern Reisen ― er nahm sie,
ging unter Thränen.― O. sagt zu mir: „Du bist der Erzbischof von der
ganzen Sache …“ Wie übersichtlich ― allzu übersichtlich wird nun die
Sache. Sie war offenbar völlig hin- und hergerissen ― für ein Wesen von
ihrer Lauterkeit ― Tapferkeit ― und Schwäche gab es nichts als den Tod.
Was sich nun begibt, an seelischen Nachabenteuern, an Situationen, ist
bei aller Tragik irgendwie ― von einem großartigen Humor. Sobald die
wahre Übersicht da ist ― kann offenbar der „Humor“ (ein nicht ganz
zutreffendes Wort) nicht ausbleiben. Wo Humor ― keine Langeweile ―
daher der liebe Gott mit seiner ewigen Übersicht sich niederträchtig
gut amüsiren muß.―
Dictirt ein Concept an Millenkovich.
Nm. am Nachklang.―
Zum Thee Gfn. Wydenbruck mit ihrer Tochter Ella; über die Persönlichkeit
des Kaisers, die Thronrede;― Taktlosigkeiten Wilhelms;― Antipathien
zwischen hüben und drüben.―
Mit Heini Mozart VI. Clav. Concert.―
Las Fontanes „Kindheit“ (zum 2. Mal) zu Ende.
Grimms „Südafrik. Novellen“.
Neulich geträumt: eine Art Jahrmarktstraße auf dem Weg nach Grinzing
(zum Kriegspital);― St. soll den Weg kommen, aus dem Spital, aber sie
kommt nicht (ohne jede Betonung).