23/7 Träume ― wieder einmal von einem tollen Hund, den ich aber nicht
sah, der aber O. und Lili gebissen hatte. O. sagte beruhigend: Ich gehe
morgen früh um vier in die Stadt ― und lasse mich gleich impfen. Dann
träumt ich, die Kinder seien eingeladen ― in die Burg ― großer Saal,
etwa Hofbibliothek ― Gitter, breit, allerlei Leute dahinter, auch A. F.
Seligmann, ich rede mit den Kindern (meine? mehr? in der Ecke, durchs
Gitter?―), der Kaiser (Franz Josef) der in Hemdärmeln um einen langen
Tisch herumgeht, wird aufmerksam; plötzlich bin ich drin, conversire
mit dem Kaiser; er fragt mich: Wer sind die größten Chirurgen der
Welt? Ich antworte, da mir nur die Wiener einfallen, Hochenegg und
66 1917: VII 23 - VII 25
Eiselsberg ― Julius (wie kommt er her) sagt mir ein: „Bahrd“ ―
(Bardeleben!), ich bemerke scherzhaft, weitre Wiener nenne ich nicht, wenn
ich einen vergäße, sei er verletzt. Der alte Kaiser, sehr sympathisch,
sitzt am Längsende des Tisches und trinkt Caffee ― ich wundre mich über
seine Frische. Dann gehn ich und O. in der Minoritengegend mit der
Kaiserin Elisabeth spazieren;― sie hat ein einfaches altmodisches Kleid,
gelblich, sieht etwa aus wie eine Miss, ältlich; sie redet von Grafen und
Gräfin „Hartau“ ― es sind ungefähr Bittner’s ― die wohnen bei ihr in
der Burg, sie spricht andeutungsweise von ihrer Zudringlichkeit ― Graf
Hartau bat sie bei der Tafel serviren zu dürfen ― Ich mache eine
Bemerkung, zu O., über die Servilität dieser Leute ― an einer Ecke
verabschiedet sich die Kaiserin, ich drücke ihr die Hand, die mit einem
einfachen Zwirnhandschuh bekleidet ist ― küsse sie absichtlich nicht
und wundre mich, daß O. keine Bemerkung drüber macht. (Quellen
dieses Traums: (erstens verdorbner Magen);― dann, die schwarze Katze,
die immer in unserm Garten ist;― Gitter und Tisch aus der Casan. Nov.
― Hofbibliothek: der Besuch neulich ― Hartau: das streberische Bemühn
B.s ― der Handschuh: Frau Anninger, der ich gleichfalls nach Besinnen
nicht die Hand küsste.―)
Brief an Richard über Arthur Kfm.―
Besuch bei Landesbergers in Pötzleinsdorf (Villa Günsberg) ― der
neue (3 Monat) Sohn.― Mit ihm über seine stenocard. Anfälle, glaube
ihn etwas beruhigt zu haben. Über die polit. Lage. Heutige Lloyd
George Rede (Antwort auf Michaelis) ― Landesb. sieht eine ungeheure
Geldkatastrophe vorher; und wahrscheinlich Revolution.
Nm. den ganzen Fldb. durchgelesen. Jetzt weiß ich gar nichts.
Mit Heini Beethoven Conc. 1.