Donnerstag, 29. November 1917 1917-11-29 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-0912-6
Tagebuch 1917-1919 978-3-7001-0722-4 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1995 1917-1919 094–095 428 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Wien

29/11 Traum:― die Burgringwohnung (wie so oft ― ich träume nie von meiner jetzigen), ich komme morgens hinauf, abholen (wen ―?) im Dienstbotenzimmer schlummert meine Schwester, ich wecke sie nicht auf; nun kommt mein Vater, in grauem rotbordürtem Schlafrock, wie er in seinen letzten Jahren aussah; düster, nicht gut zu mir, etwas fremd,― sich an den gewissen Ort begebend; ich indess in sein Zimmer (meins vom Burgring) die Neue Presse aus seinem Bett holend, sehe Burgtheaterrepertoire nach; u. a. „der tolle Tag“ (nicht von Beaumarchais), nichts von mir; mein Vater wieder herein;― man fährt erst um ½12 hinaus ― auf den Friedhof ― es ist der Todestag der Mama ― (in Wirklichkeit 9.) ― 18. (!) September;― ich beschliesse, da der Tag schön, lieber auf die Sofienalpe, sage es zu Olga ― die nun statt meines Vaters im Bett liegt. Sie: „Wer weiß, mit wem du Rendezvous hast“ ― scherzend. Ich empfinde in diesem Augenblick einen namenlosen Schmerz, daß ich allein an dem schönen Herbsttag da hinauswandern soll ― ohne Geliebte ― beschließe es lieber nicht zu thun;― die Stimmung so schwer, daß ich noch am Morgen wachend darüber weinen muß.

Vm. Intendanz (zum ersten Mal) bei Hofr. Horsetzky, um das Weite Land frei zu kriegen fürs Volksth. Er zögert noch. Vorher nahm mich der bis dato mir noch unbekannte Hofsecrétair Dr. Winter in Beschlag; Frau mit Dolch soll zu wohlthätigem Zweck gespielt werden ― möge ein paar bedenkliche Stellen mildern;― ich schlage statt Frau mit Dolch ― Leb. Stunden mit Girardi vor. Werden sehen. Er sehr charmant, sehr oesterreichisch,― elegant, wohl etwas falsch, wenns nicht anders geht.―

Bei Millenkovich.― Über die „Weite Land“ Frage; über die Einakter;― über Liebelei Besetzung; wir einigen uns aufs beste.― Er war ausgesprochen ängstlich, als es auf die „jungen Leute“ kam,― und wagte offenbar nicht mehr mir Höbling (wie seine Absicht gewesen sein soll) vorzuschlagen.―

1917: XI 29 - XII 4 95

Nm. der „Verfolgte“ (neue Abschrift) ― Wird „Wahn“ heißen.―

Mit Heini Tonkünstler-Orch.―