15/1 Träume. U. a.― Die (längst verstorbne) Ebner Eschenbach (ich
habe sie persönlich nicht gekannt) bei uns, oder ich bei ihr; sagt, wir
sehn uns doch wohl das letzte Mal! Ich bis zu Thränen gerührt, will sie
trösten, nehme sie auf den Schoß, sie ist puppenhaft klein, sieht aus wie
ein Säugling mit Haube auf dem Kopf ― starr, stumm, ähnlich (wie ich
heute weiß) der gefrorenen Kinderleiche, die ich in einer norwegischen
Kirche sah. Es war gewissermaßen auch die Suttner (an die ich gestern
220 1919: I 15 - I 16
erinnert wurde; über die Kunst der Ebner hatte ich mich zu O. sehr
zweiflerisch geäußert ― besonders im Gegensatz zu Rosegger; der mir in
seiner dichterischen Bedeutung sehr aufgeht).― Dann mit Richard in
der Meridianstraße (an seinem Haus); er erzählt mir, daß Paula und
Mirjam sich gestern vor dem Regen (Überschwemmung) in das Grabmal der
Lucrezia Borgia geflüchtet;― das er als Antiquität im Keller aufbewahrt;―
ich muß lebhaft darüber lachen.― Dann ordne ich für Heini (diesmal ist
er es ganz ausgesprochen, ohne Züge von Julius) Bücher in seinen Kasten,
darunter Ullstein Geschichte.―
Dictirt Briefe.―
Nm. Julie W. bringt das erste Heft ihrer Theater- und Kinowoche mit ihrem
Artikel über Bernhardi und Photographien, erzählt uns allerlei in ihrer
fahrig-komischen Art.―
Theatralische Pläne durchgesehen.―
Rechnung (Einnahmen) 1918 abgeschlossen. Unter normalen Verhältnissen
wär es eine fabelhafte Summe;― was bedeutet es heut?―