Donnerstag, 16. Jänner 1919 1919-01-16 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-0AAF-5
Tagebuch 1917-1919 978-3-7001-0722-4 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1995 1917-1919 220–221 428 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Wien

16/1 Träume: Heini hat ein Stück geschrieben, „Kammersonate“ es wird in den Kammerspielen aufgeführt, zugleich im Volksth. Bernhardi; ich freue mich, und schlage ihm vor, er solle sich Bernh. im Volksth., ich sein Stück in den Kmsp. ansehen … Dann in einem Zimmer, mit O., Herrn Scholz, seiner Frau (die ich kenne) seiner Mutter (von deren Existenz ich nichts weiß) ― es handelt sich um irgend einen Freimaurerverein, der etwa Spessart heisst, O. ist dafür, was mich ärgert (Ein Gespräch von gestern klang wohl nach, in dem sie von neuen seelischen Errungenschaften sprach, was ich nur als Stimmungssache gelten ließ, womit sie unzufrieden schien); dann wir alle etwa Porzellangasse, ich voraus,― ins Volkstheater;― um dort einem natürlichen Bedürfnis nachzukommen;― ganz dunkel, ich taste mich durch den Gang, taste den elektr. Schalter, Erleuchtung; gehe ― aus oben angeführtem Grund ― vor das Haus (Wageneinfahrt), wie ich wieder verdunkeln will, reiß ich den Schalter ab, gleiches begegnet mir bei einem Schalter außen; Funken sprühn, ich habe leichte Angst vor einem elektr. Schlag.―

Vm. bei Gustav; politisches. Die bolschewistisch schillernde Haltung der Sozialdemokratie; die widerliche Phrase von der Dictatur des Proletariats.―

Bei Dr. Karolyi.― Besorgungen.

O. spricht (anläßlich der Schickele Aufsätze in den Weissen Blättern, die ich vortrefflich finde, ohne mich zu begeistern ― vor allem weil mir der sog. „Glaube an die Menschheit“ absurd erscheint) von meiner 1919: I 16 - I 18 221 Unfähigkeit zum „Enthusiasmus“ was ich gern zugebe, da ich das schöne doch mindestens so tief zu genießen verstehe, als Enthusiasten ― nur ohne Klarheit und Urtheil zu verlieren; sie findet (auch sehr klug) daß ich nur im negativen bis zum „Enthusiasmus“ käme; damit meine Neigung zu Zwangsvorstellungen und -gedanken psychologisch ganz richtig deutend.― Ich sage: Leute die in Weltverbesserungsplänen eine Möglichkeit ethischer Besserung der Menschheitsmasse in Rechnung stellen, erscheinen mir wie Mathematiker, die ein Problem auf der Basis von 2 x 2 = 5 weiterzuentwickeln suchen. Güte so selten wie Genie,― da Güte Genie des Herzens. Von allen Menschen, denen ich begegnet bin, hat es nur (vielleicht) Popper Lynkeus. Das Problem Josef II.― der Dilettant der Menschenliebe.―

Nm. vertrödelt, und Statistik.― Brief an Dora M.―

Mit Heini Eroica.―