12/7 Traum: Vor einem Theater, etwa Schönbrunner Schloßtheater,
Theaterzettel, als zweite Person (es ist ein Shakespeare Stück) steht
ungefähr: „Ein Matrose, der der Königin für den Beischlaf Ringe und
Edelsteine verspricht ―“ Dann das Innre des Theaters. Balletscene auf
der Bühne: Eine Mutter mit etwa 3j. Kind, eine Sklavin, schlank,
verdrossen, reizlos, alles im griech. Costume, mattgelb: die Sklavin
tanzt, ganz kurzer Chiton, sie hebt es immer höher (gestrige Lecture:
Vögelchen von Marie Winternitz!) ― endlich vorn so sehr, daß man
merkt ― sie sei ein Jüngling. Die Herrin ziemlich empört; und alle, Hand
in Hand, trippelnd, ärgerlich ab,― was irgendwie komisch wirken soll
und auch wirkt.― Dann: Ich, Richard B.-H. und noch einige (wer?)
Kreindlgasse ― entlang der Villa Redlich, in den Garten schleichend, der
vernachlässigt aussieht, stehn plötzlich vor einem Vorhang, schieben
den nur halb geschlossnen zurück, großer Salon, einige Stubenmädchen
und Diener kehren aus; die Hausfrau, in schlampertem Morgencostume
― die schöne Frau Reitzes (nicht mehr Redlich!) verschwindet rasch;―
ein kleiner, jüdischer Secretair verbindlich, erscheint ― ich frage, ob
man Hrn. Fr. Reitzes sprechen könne, er lächelt, lehnt ab, solle
ihm mein Begehr mittheilen; wir (wer?) nehmen am Tisch Platz; ich beginne:
Es handelt sich keineswegs um die Frage der Staatsbürgerschaft (die
Zeitungen brachten gestern höchst mißfällig, daß Hr. R. die
poln. Staatsbürgerschaft aus Steuergründen erworben!) ― B.-H. ruft
dazwischen: Reden Sie geordnet, Arthur!― ich frage den Secretair, ob
er Salten kenne. Der Secretair bejaht,― Salten sitzt auch schon an seiner
Seite; ich fahre fort: „es handelt sich um eine Sache, nicht nur im
Interesse des Hrn. Reitzes, sondern der gesammten Judenschaft ―“
weiß aber nicht um welche ― und wache auf.―
Vm., mit starken Kopfschmerzen Michaelerberg und Schafberg.
Notizen zum Weiher;― Anfang des 2. Actes. Erhebliche Mühsal.
Zum Thee Fr. Maria Orska. Hatte sie vor 9 Jahren als Studentin der
Philosophie durch Frankfurters (Nichte) flüchtig kennen gelernt. Sie
erzählte ihren Lebenslauf … Russin. Möchte Marie im Ruf spielen.
Rathe ihr zu ― Fanny in Märchen.― Zeige ihr Haus und Garten. Sie
wirkte interessant.―
Dr. Moldauer, in einer Verlagsache.―
Lese Balzacs „Kurtisanen“ etc.; Hennings „die andre Seite“, Marie
Winternitz, „Vögelchen“.― Nun haben wir die „Sündenmarlitts“, nach
272 1919: VII 12 - VII 21
der Tugendmarlitt, über die man sich so lustig gemacht hat.―