Samstag, 12. Juli 1919 1919-07-12 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
Sonnenfelsgasse 19 1010 Vienna
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

The Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0) License applies to this text.

The CC BY 4.0 License also applies to this TEI XML file.

http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-0B60-C
Tagebuch 1917-1919 978-3-7001-0722-4 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1995 1917-1919 271–272 428 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

Annotation according to TEI/P5.

All end-of-line hyphenation has been removed: any remaining hyphenation occurred within the line

personal names, place names, dates

Wien

12/7 Traum: Vor einem Theater, etwa Schönbrunner Schloßtheater, Theaterzettel, als zweite Person (es ist ein Shakespeare Stück) steht ungefähr: „Ein Matrose, der der Königin für den Beischlaf Ringe und Edelsteine verspricht ―“ Dann das Innre des Theaters. Balletscene auf der Bühne: Eine Mutter mit etwa 3j. Kind, eine Sklavin, schlank, verdrossen, reizlos, alles im griech. Costume, mattgelb: die Sklavin tanzt, ganz kurzer Chiton, sie hebt es immer höher (gestrige Lecture: Vögelchen von Marie Winternitz!) ― endlich vorn so sehr, daß man merkt ― sie sei ein Jüngling. Die Herrin ziemlich empört; und alle, Hand in Hand, trippelnd, ärgerlich ab,― was irgendwie komisch wirken soll und auch wirkt.― Dann: Ich, Richard B.-H. und noch einige (wer?) Kreindlgasse ― entlang der Villa Redlich, in den Garten schleichend, der vernachlässigt aussieht, stehn plötzlich vor einem Vorhang, schieben den nur halb geschlossnen zurück, großer Salon, einige Stubenmädchen und Diener kehren aus; die Hausfrau, in schlampertem Morgencostume ― die schöne Frau Reitzes (nicht mehr Redlich!) verschwindet rasch;― ein kleiner, jüdischer Secretair verbindlich, erscheint ― ich frage, ob man Hrn. Fr. Reitzes sprechen könne, er lächelt, lehnt ab, solle ihm mein Begehr mittheilen; wir (wer?) nehmen am Tisch Platz; ich beginne: Es handelt sich keineswegs um die Frage der Staatsbürgerschaft (die Zeitungen brachten gestern höchst mißfällig, daß Hr. R. die poln. Staatsbürgerschaft aus Steuergründen erworben!) ― B.-H. ruft dazwischen: Reden Sie geordnet, Arthur!― ich frage den Secretair, ob er Salten kenne. Der Secretair bejaht,― Salten sitzt auch schon an seiner Seite; ich fahre fort: „es handelt sich um eine Sache, nicht nur im Interesse des Hrn. Reitzes, sondern der gesammten Judenschaft ―“ weiß aber nicht um welche ― und wache auf.―

Vm., mit starken Kopfschmerzen Michaelerberg und Schafberg. Notizen zum Weiher;― Anfang des 2. Actes. Erhebliche Mühsal.

Zum Thee Fr. Maria Orska. Hatte sie vor 9 Jahren als Studentin der Philosophie durch Frankfurters (Nichte) flüchtig kennen gelernt. Sie erzählte ihren Lebenslauf … Russin. Möchte Marie im Ruf spielen. Rathe ihr zu ― Fanny in Märchen.― Zeige ihr Haus und Garten. Sie wirkte interessant.―

Dr. Moldauer, in einer Verlagsache.―

Lese Balzacs „Kurtisanen“ etc.; Hennings „die andre Seite“, Marie Winternitz, „Vögelchen“.― Nun haben wir die „Sündenmarlitts“, nach 272 1919: VII 12 - VII 21 der Tugendmarlitt, über die man sich so lustig gemacht hat.―