8/9 Traum: Im Auto fährt Olga mit noch drei Leuten an mir vorüber
(etwa aus der Spöttelgassengegend kommend an unserm Haus vorbei),
achtlos; ich äußere mich resignirt polemisch zu jemandem neben mir,―
das Auto biegt in die Hochschulstraße, kommt ins schleudern, aufs
Trottoir rechts, plötzlich überschlägt es sich einige Mal, alle Insassen
fliegen heraus ― ich hin, auf dem Trottoir links vor dem Mendlhaus ―
zwei Damen, die eine bewegt sich, von mir untersucht, marionettenhaft,
ich weiß daß die zwei Damen die mich nichts angehn, leben;― rufe
Heini herbei, der erstarrt dasteht und sich auch weiterhin nicht rührt;―
wende mich nun, was ich bisher nicht gewagt ― zu den beiden andern
Verunglückten ― Lili (aber nicht ganz so aussehend) ― wie in Trauer und
Schleier;― und sozusagen noch lebloser, noch verschleierter und schwärzer
Olga ― meine Verzweiflung sprengt gleichsam den Traum und ich erwache.
Abreise nach Reichenau. Lese im Coupé ― Freiwild (wegen bevorstehender
Aufführung im Stadtth.);― finde das Stück nicht einmal so schlecht als
eher unbegreiflich. Doctrinär trivial, nicht ohne theatralische
Qualitäten ― aber kaum ein Hauch meines Wesens.
― Ankunft. Kurhaus. Empfindung unter den Erinnerungen zu erliegen.
Mit Herrn Dr. Frau Lichtenstern und Franzl gegen Abend in
eine Gärtnerei, wo Frau Vilma Astern kauft. Der Garten weitgedehnt
288 1919: IX 8 - IX 10
mit Tannen und Bergen im Hintergrund mondbeglänzt.