27/6 S. Spazierg. Salmannsdorf ― Hameau ― Weißes Kreuz ― Dornbacher Park
Pötzleinsdorf.― Gewitter und Regen; sehr durchnässt.
Träumte diese Nacht: Wartezimmer, aber irgendwie Theatersaal (privat)
bei Freud, ich als Patient, eine Art Diener ― Secretair mit Liste ruft
Herr „Schönleber“, was ich bin, und zugleich, ob jemand mit Nikisch
tauschen möchte. Ich bereit dazu, weil ich früher dran kommen will, trete
zu Nikisch, der hemdärmelig bei einer Art Waschtisch steht, zerstreut,
ich sage ihm, mit Beziehung auf unsre angebliche Aehnlichkeit „Ist es nicht
ein seltsames Zusammentreffen, daß ich gerade mit Ihnen tausche?“ (oder so
ähnlich). Er erwidert nichts, abwesend, ist schwärzer als wirklich und
hat Goldplomben,― der Warte- Zuschauersaal nur drei, vier Reihen gefüllt;―
es ist (nicht bei Freud, sondern) bei Rudi Kaufmann,― ich frage mich wie ich
zu ihm reden und meine Seelen-leiden (welche?) schildern soll, ohne in
Thränen auszubrechen …
― Nm. ein wenig am Weiher.
O.’s Tante Jean. Radway aus Amerika; in Begleitung eines Krakauer
Fräuleins.
Später Wittels und Frau. Nachricht von Selbstmord der Tilly Kutschera,―
wegen U., der Frl. Mayen geheiratet. O. in Erinnerung Stephi, die
auch wegen U. sehr bewegt und erregt. Frl. K. ist die vierte, die sich
wegen dieses mattoid-infantilen sentimentalen Hübschlings umbringt! W.
hat wie es scheint Beweise, daß (auch beim Selbstmord) suggestive
Einflüsse U.’s, fast bewußt, mitspielen.―
― Las Hesse’s Novellen „Klingsors letzter Sommer“.