9/1 O. erzählt früh mir und Heini folgenden Traum: … Sie liegt in
ihrem Bett, soll hingerichtet werden, drei Männer, in Costume der franz.
Revolution, einer an der Eingangs-, einer an der Thür zu mir,― der
dritte schattenhaft; sie muß aufstehen, ihre Beine sind nackt,― was
thuts jetzt, denkt sie;― ich trete aus meinem Schlafzimmer ein, trockne
mir eben die Hände, es sei schönes Wetter, ob sie nicht mit mir
spazieren gehen wolle.― Sie: „Du siehst doch …“ Ich gehe indignirt
ab, ohne mich um ihre bevorstehende Guillotinirung zu kümmern, vom
andern Fenster in meinem Zimmer bespreche ich mit irgend wem auf die
Straße hinunter einen Spaziergang. Einer der Männer, sie solle beten,―
sie faltet die Hände; nähert sie der Stirn … Der Mann: Sie sind wohl
eine Wienerin ― ? Alle Wienerinnen beten so … Sie geht, einen Mantel
übergeworfen. Wucki, die einzige treue: „Man wird Ihnen doch nicht gar
die Augen verbinden! …“ Sie tritt aus dem Haus ― es ist nun ein
andres,― auch eine andre Straße wie in einer fremden Stadt. Sie sieht
sich um;― niemand sieht ihr von den Fenstern aus nach;― was sie ohne
eigentlichen Schmerz constatirt.
Der Traum ergriff mich, leicht deutbar, mehr als sie selbst;―
charakteristisch war aber, daß sie mirs doch ein wenig übel nahm, daß
ich mich im Traum so gleichgiltig benommen.―
Mit Heini und Lili Prater,― Tegetthoffkino, auf Einladung Dir. Sterns
„Die Schauspieler des Kaisers“ (mit Schott, Herterich u. a.). Der
trübselige Wurstelprater. Hin und zurück mit Ludaßy.―
Frau Vilma L. zu Hause noch bei O.;― O. sagt mir nachher, Frau L.
denke doch immer dran von ihrem Mann wegzugehen; sie werde es aber
gewiß nie thun …―
Nm. Paul Friedmann und Bubi mit Heini bei mir im Zimmer. Die neue
Generation.―
Lili wird’s übel; ich begleite den kleinen Franzl L. nach Haus.
Zur Hofrätin. Gräfin Wydenbruck (Ischl), Frau Rapoport (Unruh;― sie
wurde merklich kühler, als ich nicht bedingungslos von „Platz“
schwärmte);― Julius Bauer (die Verhandlung über den Reigen in Berlin,―
Moissis und Durieux’ schäbige Aussagen),― Praes. Vetter („Was sagen Sie
was ich angestellt hab“ (er hat eben Wildgans zum Burgth. Dir. gemacht))
Thad. Rittner (amerikanische Anträge, Schmutzerein).
― Z. N. bei uns Richard und Paula; Linden und Frau, Herterich.― Mit
Linden über Burgth. und mich. Das bevorstehende Gastspiel in Schweden.
Der offenbare Widerstand der Hockleute was von mir zu spielen; ihr
unbehagliches Verwundern, daß ich dort der bekannteste unter den oesterr.
Dichtern.― Mit Frau Linden Filmgespräche.