Mittwoch, 1. März 1922 1922-03-01 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-0F22-E
Tagebuch 1920-1922 978-3-7001-2006-3 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1993 1920-1922 286 500 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Wien

1/3 Traum: Ein Hof, etwa Quaiviertel; Baumwollhaus;― ein Herr mit grauem Vollbart, Chef, ungefähr supponirter Vater oder Mann von Charl. Pflaumenbaum (1887 ― deren Tochter ich im vorigen Frühjahr kennen lernte); geleitet mich im Aufzug hinauf: ― ein schmales Brett, ohne Geländer, blicke mich nicht um, aus Angst vor Schwindel; über einen ledernen Divan ins Büro;― alte appretirte Kleider, Commis; ein Anzug 1300 Kronen, billig, soll ich einen kaufen ― ? nächstes Zimmer ungeheure Knäuel Seide; eines leuchtend grün;― nun ist das Haus eigentlich am „Hof“.― Dann bei Tisch; ich ärgre mich über Heini, er verbirgt sich humoristisch unterm Tisch. „Warum schreist du so!“ Ich werfe ihm wüthend einen Haufen Banknoten an den Kopf.―

― Vm. ― Frühlingstag;― zu Frau Dr. Schwarzwald ― Über die schwedische Sache; Terminfragen … Ihr Betrieb, die Menge Leute. „Wenn Sie’s nicht innerlich brauchten, so thäten Sie’s nicht ―“

Zu Alma. Sie hat einen Brief von O., der ganz beschwingt und befreit sein soll. Was wird geschehn. Gerade in dieser Stimmung seien Frauen am meisten gefährdet. Ich erkläre ihr, daß auch diese Erwägung mich zu nichts veranlassen würde, was ich als unrichtig, jedenfalls verfrüht empfände. Man solle ihr irgend eine Beschäftigung (eine innre) geben,― sie habe nie jemand andern geliebt als mich (sagt Alma);― wir gehören zusammen; … sie nenne die Sache mit G. „ihren großen Lebensirrtum …“ ― Ja wenn es nur das wäre?― Aber diese ganzen Jahre!― Vorläufig bleibt ein Zusammenleben mit ihr unvorstellbar für mich …

― Immerhin bin ich ― nicht nur davon durchwühlt.

― Zu Tisch R. Lindberg.―

Nm. bringt Hr. Lehnert die ersten Exemplare des Körnerschen Buchs A.S.’s Probleme und Gestalten (Amaltheaverlag).

Schott; erfreut, dass ich ihm den Medardus übertrage.―

― Mit H. K. um den Park spazieren. Sonderbarer Weise zum ersten Mal mit ihr über mein Ohrenleiden, wie heut auch mit Alma zum ersten Mal darüber ―

Z. N. bei Lichtensterns; allerlei Leute; Prof. Marburg (Nerven) und Frau; der Chef der „Mem“ Meyer und Fr. etc.― Mit V. L. über ihre und meine Angelegenheit.

Im Körner’schen Buch gelesen; mit wechselnden Gefühlen. In den einzelnen Capiteln voll tief eindringenden Verständnisses;― mit seltnem Blick für die Zusammenhänge, die Einheit meines Schaffens ― ich interessirte mich gewissermaßen selbst und spürte ohne Eitelkeit das „bleibende“ ― ― das zusammenfassende Capitel hat offenbar herabsetzende Tendenz und widerspricht innerlich den vorhergehenden.―