16/8 Träume u. a. In der verlängerten Kärntnerstr. treffe ich (etwa
vor Hopfner) Helene Binder (schrieb ihr gestern, antwortend eine Karte ―)
(sie wohnt Wieden) ― ich sage ihr u. a.: denken Sie, genau an der selben
Stelle traf ich (heute? vor einer halben Stunde?) Prof. Freud ― und sehe
zugleich ― nicht wie ich ihn treffe, sondern wie er sich entfernt (Absicht
ihn zu besuchen ― Stellung zur Psychoan.!); Helene B. empfindet das als sehr
merkwürdig, geht,― wendet sich (von der einstigen Elisabethbrücke her)
wieder zu mir zurück,― und küsst mich auf den Mund. Ich denke: sie sieht
jünger aus als sonst ― sollte sie nun Absichten haben?― O. äußert zu
Leuten (die ich nicht sehe) eine allgemein gehaltene Bemerkung dass nach
irgend einem Gesetz? oder sonstwie? geschiedene Gatten sich wieder vereinigen
sollen ― (?);― lehnt sich aber gegen mich, der sie nicht zurücknimmt,
nicht auf;― fügt sich, ohne Pose.― Nach der Begegnung Hel. B. stapfe
ich bei der Oper mit Leo Vanjung durch kothigen Schnee (Wymetal ― Regisseur,
neulich getroffen!) ― erwähne, der Koth liege 10–12, nein 3 (oder 4) cm
hoch, hüpfe mit (oder aus) den Galoschen in die Luft.― Rede (mit wem?)
über Operation Niere, wegen Augen, oder umgekehrt und jemand (wer?) (ich
selbst) erwähne, an Lola Beeth und Prof. Ehrmann (Syphilidolog) müsse die
Operation ausgeführt werden (oder sei schon gemacht).―
Vorm. auf den Salzberg; Pens. Moritz; zu Prof. Freud;― er kommt mit Tochter,
Sohn und Bruder, aus dem Wald, mit viel Schwämmen. Andre Verwandte, Frau ―
im ganzen eilf.― In seinem Zimmer spricht er mir von seiner Arbeit: „Ich
und Es“,― die beeinflußt sei von einem seiner Schüler Groddeck (dessen
Roman „Der Seelensucher“) ―; ich erzähle ihm meinen Traum;― wir reden
vom Mythos der Begriffe ― ich finde gewisse Analogien in seinen und Arthur
Kfm.s (den er nicht kennt) Auffassungen (nur den „Mythos“ betreffend).―
Wir essen zusammen. Seine Tochter Frau Hollitscher; ihr Mann.― Harmlos
heitre Unterhaltung. Auf seiner schönen Terrasse (kühl, trüb ―) …
von Mahler; er erzählt mir von M.’s Consultation in Leiden (Holland) ―
ich kann ihm bestätigen, wie nach dieser (durch sie?) das letzte Ehe-
(und Lebens-)jahr Mahlers sehr glücklich gewesen. ― Ich erzähle von der
Rolle, die Teiche (Weiher) in meinen letzten Productionen spielen;― er
sagt: „das ist der Kinderteich“ ―; ich bezweifle die Notwendigkeit
dieser Determination (wie ich doch immer wieder monomanisches in seiner
Betrachtungsweise, auch spielerisches herausspüre ―) … In seinem
gesammten Wesen zog er mich wieder an, und ich verspüre eine gewisse
Lust, über allerlei Untiefen meines Schaffens (und Daseins) mich mit
ihm zu unterhalten ― was ich aber lieber unterlassen will.
Wieder über die Salzbergstr. zurück nach Berchtesgaden.― Brief von
V. L. ― die in Kaltenleutgeben gelandet.―