Sonntag, 10. September 1922 1922-09-10 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-0FE3-4
Tagebuch 1920-1922 978-3-7001-2006-3 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1993 1920-1922 352 500 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Berchtesgaden

10/9 Traum u. a. von Stephi (sie war nur da ―) ich erzähle ihr und O. eine Anekdote: Ein junger Mensch sagt zu jemandem. Ich möcht entweder Schnorrer oder „Pfefferores“ sein (was im Traum etwa hieß Landstreicher); worauf ihm geantwortet wird: Sie sind ja Schnorrer. Er darauf. Ich möcht aber ein Pfefferores sein. Und der Held der Anekdote ― irgendwie mein Bruder oder Heini, steht im Bademantel daneben.

Wie immer in steigend schmerzlicher Erregung erwacht. Die Sinnlosigkeit von O.s Existenz bis zur Unerträglichkeit empfunden ― gelitten unter der Unmöglichkeit zu einem reinen aufgeschlossenen Gespräch mit ihr zu kommen;― noch mehr darunter daß Lili nun wieder ohne Mutter leben wird ― und die Hoffnungslosigkeit der ganzen Situation tief gefühlt.

Vm. mit O. und Lili an den Königssee. Endlich schönes Wetter. Keine Pässe mit, also keine Schiffsermäßigung 5. Theil;― Spaziergang zum Malerwinkel; dann über die Schönau nach Berchtesgaden,― keine wirklich freie Stimmung.― Nach Tisch Annie Strial, trinkt Caffee mit uns. Die Damen in die Conditorei (Gagstatters waren mit Annie da);― ich zu Haus, am „Verf.“. Auf dem kleinen Sportplatz, meinem Fenster gegenüber, Wettläufe, die ich mit dem Zeiss verfolgte.― Ins Zimmer zu O. und Lili, die nähten. O. erzählt von Gagstatters (düstre Winterprophezeiungen;― über Zuckerkandl (dessen Assistent er war); das „Minderwertigkeitsgefühl“ vieler gerade der besten Juden). O. (schon Vorm.),― über die Angst, die sie haben werde, für uns, so weit von uns (wo?) ― ;― bald über ihre Dyspepsien bald über leichte Myombeschwerden (?) klagend und eine Operation vorhersehend … Mein Herz in steter schmerzlicher Bewegung, doch es verhärtet sich wieder ― wenn ich in ihrer Miene, ihrem Wesen diesen Ausdruck lese, den wohlbekannten … als wäre ihr von mir ein Unrecht geschehn … Der kurze Abendgang wie gewöhnlich, mit Lesezimmer;― mit Thränen kämpfend … ― und dann wieder, das Nachtm. im Hotel, O., Lili und ich, plaudernd, auch lachend ― glückliches Familienbild.