13/9 Traum; es ist Revolution, mindestens Unruhen ― ich in Touristenanzug,
größer als wirklich, rechts, neben mir Bella Wengerow ― dann noch zwei
schattenhafte Gestalten (die so oft in meinen Träumen da sind ― mein
Verhältnis zu den Menschen ― ?) durch die Sensengasse (nah Offizierspital)
sehr rüstig (wie zu Wanderung ausschreitend) ― Bella sagt etwas von einem
„Wimmerl“ ― da sie W für R sagt, (erst gestern citirte O.: „das ist
Belletwistik“), sagte ich: „Sie meinen wohl Rimmerl“, und ich (wir) lachen
laut über den Witz ― zugleich frage ich mich, ob diese unzeitgemäße
Lustigkeit nicht in der Menge (unsichtbar) übel aufgenommen werden würde …
Versammlung in der Nähe, etwa Versorgungshaus, Strike od. dergl. ― ein
untersetzter Mensch mit blondem Schnurrbart, rundem Hut, sagt (ungefähr), man
solle nicht an die Gründe glauben, die vorgeschützt werden (für die
Revolution) ― dies sei der einzige Grund ― und weist einen weißen leeren
Suppenteller vor.―
Lilis 13. Geburtstag. Die Torte mit den 13 weißen und der rothen Kerze und
sonst allerlei. In O.s Zimmer. Ich hatte aus der schönen Hofgärtnerei in
aller Frühe Blumen geholt.― Gratulation,― ohne sehr viel
Sentimentalität.― O. packt; ich gehe mit Lili spazieren, Kälberstein
Kirchlein, wo wir eine Weile sitzen.― Zurück.― Mit O. eine Weile allein …
Sie fühlt selbst, eine Rückkehr nach Wien jetzt unmöglich … ― in den
kleinen Kreis auf den sie nun angewiesen, könne sie sich nicht beschränken
― die Stellung so vieler Leute ihr gegenüber … aber einen festen Punkt
müsse sie umso mehr haben … Behaglichkeit, nicht immer aus dem Koffer leben;
Möglichkeit, ein Kind zeitweilig bei sich in der Wohnung zu haben;― auf die
unbestimmte Möglichkeit, dass sie irgend einmal wieder bei mir im Hause
wohnen würde ― könne sie keine Existenz gründen … Alles richtig;― nur
bleibe auch (sage ich) so nichts übrig ― unter den heutigen Verhältnissen
― ein Provisorium … Frau L. erwartet sie in München;― die beiden Frauen
werden vielleicht gemeinsam eine möblirte Wohnung nehmen und Wirtschaft
führen (Frau L. hat eins ihrer Kinder bei sich) ― ― Sie habe über unser
gestriges Gespräch nachgedacht … sie glaube doch;― daß ich wieder ihr die
völlige Schuld gäbe ― meine „Anlage“ (Düsterkeit, Tyrannei!!) zu
wenig in Betracht ziehe … u. s. w… Meine Antwort immer ― : gebe ich auch
(wozu freilich kein Anlaß) die Jahre bis 19 preis ― ― ja, verstünd ich
auch vollkommen ihr „Erlebnis“ und vielleicht dessen Notwendigkeit ― ; für
ihr Verhalten während dieser unglückseligen Jahre, innerlich ― und
äußerlich; gäbe es absolut keine mildernden Umstände.
Gemeinsames Essen; im Spazierengehn nachher die eifersüchtigen Fragen O.’s
wieder.―
Am „Verf.“. Gemeins. heitres Nachtmahl.―