9/1 Träume u. a.: Ich soll zum Vicebürgermeister von Wien gewählt werden,
bin im Rathaus, aber in kurzer Pepitahose und blauem Rock, endlich sagt mir
jemand, ich müsse doch lange Hosen nehmen, ich eile wohin? … irgendwie
spielt der innre Burghof hinein; wieder im Rathaus, der erste
Vicebürgermeister, früher Bürgermeister (ich bin zweiter V. B.) sagt mir
auf meine Frage, Sitzungen seien am 23. und 24. jeden Monats („Weihnachten“
denke ich) ― von ½11 (Generalproben Beginn vis à vis
Burgtheater!) bis spät Abend; ich bedenke unbehaglich, wie ich mich
gegenüber antisemitischen Pöbeleien benehmen soll. Der erste V. B. sieht
entfernt Stadtrath Speiser ähnlich (den ich im Burgth. kennen lernte). Im
Rathaus hängt über einem Seitengang, wie Aufschrift zu einem Departement
große Tafel „Horthy“ (der ungarische Verweser), in einer großen Vorhalle
ein ältrer Herr mit Cigarre, sowie ein Mädchen. Der Traum so lebhaft, daß
noch in den ersten Sekunden des Wachseins der Gedanke meiner
Vicebürgermeisterschaft mich bedrückt.― Vorher träum ich, daß ich
Sieveringer Hauptstr. mit O. und Ruth Lindberg (sie ist vor Wochen nach
Schweden gereist, ihr Vater starb) ― Landpartie, ich bin mit R. L. vorn,―
freue mich auf eine Waldlandschaft, die wir passiren werden,― Erinnerung
an eine andre vor langer (?) Zeit geträumte Landschaft ― O. zurückbleibend,
hat mit einer Frau Hartinger (?) zu sprechen;― wir kommen in eine Sackgasse,
irgendwie Wieden (wo R. L. wohnte),― Freihaus (auch hier ein Blick in einen
vor einiger Zeit geträumten Garten) ― doch nein, rechts geht die Gasse ab,―
in meiner Börse sind unbegreiflicherweise weniger Kronen und Mark, als ich
vorher gehabt;― dann ein Zimmer (Sanatorium), im Bett (unsichtbar) eine
Frau,― Olga?,― vor, oder nach Entbindung. Louis Mandl ist da, jünger und
stattlicher als ich ihn zuletzt gesehn … (Deutung: ?? Hätten wir das dritte
Kind gehabt!?) ―
Vm. Schule; sprach mit Lorenzoni und Prof. Hirsch (Ordinarius, griechisch);
man ist nicht ganz zufrieden mit Lili; L. findet, in ihren sonst guten
Aufsätzen witzle sie zu sehr.―
Begegnung mit Kapper (pessimistisch philosophisch flach wie meist);― Prof.
Steinach (verbittert ― Anfeindungen, kein Geld, keine Arbeitsmöglichkeit),
Dr. Holländer (der Hang zum Mysticismus und Schwindel ― die
„Materialisationen“ etc.);― Polsterstoffe bei Backhausen.
Nm. an der Doppelnov.―
Abd. mit H. K. Kino.