Dienstag, 9. Jänner 1923 1923-01-09 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-105C-B
Tagebuch 1923-1926 978-3-7001-2119-0 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1995 1923-1926 012 480 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Wien

9/1 Träume u. a.: Ich soll zum Vicebürgermeister von Wien gewählt werden, bin im Rathaus, aber in kurzer Pepitahose und blauem Rock, endlich sagt mir jemand, ich müsse doch lange Hosen nehmen, ich eile wohin? … irgendwie spielt der innre Burghof hinein; wieder im Rathaus, der erste Vicebürgermeister, früher Bürgermeister (ich bin zweiter V. B.) sagt mir auf meine Frage, Sitzungen seien am 23. und 24. jeden Monats („Weihnachten“ denke ich) ― von ½11 (Generalproben Beginn vis à vis Burgtheater!) bis spät Abend; ich bedenke unbehaglich, wie ich mich gegenüber antisemitischen Pöbeleien benehmen soll. Der erste V. B. sieht entfernt Stadtrath Speiser ähnlich (den ich im Burgth. kennen lernte). Im Rathaus hängt über einem Seitengang, wie Aufschrift zu einem Departement große Tafel „Horthy“ (der ungarische Verweser), in einer großen Vorhalle ein ältrer Herr mit Cigarre, sowie ein Mädchen. Der Traum so lebhaft, daß noch in den ersten Sekunden des Wachseins der Gedanke meiner Vicebürgermeisterschaft mich bedrückt.― Vorher träum ich, daß ich Sieveringer Hauptstr. mit O. und Ruth Lindberg (sie ist vor Wochen nach Schweden gereist, ihr Vater starb) ― Landpartie, ich bin mit R. L. vorn,― freue mich auf eine Waldlandschaft, die wir passiren werden,― Erinnerung an eine andre vor langer (?) Zeit geträumte Landschaft ― O. zurückbleibend, hat mit einer Frau Hartinger (?) zu sprechen;― wir kommen in eine Sackgasse, irgendwie Wieden (wo R. L. wohnte),― Freihaus (auch hier ein Blick in einen vor einiger Zeit geträumten Garten) ― doch nein, rechts geht die Gasse ab,― in meiner Börse sind unbegreiflicherweise weniger Kronen und Mark, als ich vorher gehabt;― dann ein Zimmer (Sanatorium), im Bett (unsichtbar) eine Frau,― Olga?,― vor, oder nach Entbindung. Louis Mandl ist da, jünger und stattlicher als ich ihn zuletzt gesehn … (Deutung: ?? Hätten wir das dritte Kind gehabt!?) ―

Vm. Schule; sprach mit Lorenzoni und Prof. Hirsch (Ordinarius, griechisch); man ist nicht ganz zufrieden mit Lili; L. findet, in ihren sonst guten Aufsätzen witzle sie zu sehr.―

Begegnung mit Kapper (pessimistisch philosophisch flach wie meist);― Prof. Steinach (verbittert ― Anfeindungen, kein Geld, keine Arbeitsmöglichkeit), Dr. Holländer (der Hang zum Mysticismus und Schwindel ― die „Materialisationen“ etc.);― Polsterstoffe bei Backhausen.

Nm. an der Doppelnov.―

Abd. mit H. K. Kino.