Freitag, 12. Jänner 1923 1923-01-12 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-105F-8
Tagebuch 1923-1926 978-3-7001-2119-0 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1995 1923-1926 014 480 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Wien

12/1 Generalprobe Burgth.; hinein mit Richard und Paula, wir trafen uns zufällig „ich hab Sie so gern ― warum sehn wir uns nie“. Dann über meinen „Egoismus“ und ― den der andern;― er findet meinen „kindlicher“. (Wo sind die Nicht-Egoisten??) ―

Karrnerleut (neu studiert) und Maientanz von Schönherr ― beides in seiner Art vorzüglich;― und im tiefsten irgendwie unwahr. Auch fällt ihm auf dem Weg zu wenig ein.

Sprach Frau Formes Königswarter (will was für ihre Volksheimabende);― Dr. Münz („Nacion“), D. Bach (für seine Festschrift).― Salkind zu meiner linken erinnert sich beim „Maitanz“ an „Ruf des Lebens“, Salten, rechts an Liebelei … Leo Feld erinnert mich, dass Burckhard s. Z. fest behauptete, der alte Weyring habe mit der Frau Binder ein Verhältnis gehabt.

Träume von heut Nacht. Mit den Kindern Semmering,― Heini bemerkt, zu Karolyi müssen wir den andern Weg gehn; (Bergstraße, aber nicht Semmering erinnernd) ― in einem Dorf Wirtshaus mit Paulsen; er will Medardus ― nein, wegen schlechter Vorstellung Weites Land ― ― Elmhorst hat einen Touristen schlecht gespielt (ich seh ihn vor mir an einem Wirtshaustisch) ― jemand, Assistent, ungefähr Dr. Ratislav meldet Paulsen, daß im Nebenraum (ungefähr Ambulatorium, als wäre Paulsen auch Kehlkopfarzt (Director ― Vater-Ersatz!);―) ― einem Patienten ein (Inhalations-?) Apparat ins Gesicht explodirt, P. gibt nur den Auftrag, man möge dem Patienten (ungefähr) Cyankali geben (als Medicament) (Versuche von Reuter s. Z.!) ― bin in einer Loge, erzähle andern etwas von Lili, was?, scherzweise, sie genirt sich, weint, ich küsse sie zärtlich;― bin allein in der Loge, die andern (Schluß der Vorstellung) irgendwo (um zu gratuliren?) Bühne, Mäntel hängen, und eine Anzahl Schlüsselbunde; mich wundert die Nachlässigkeit,― ein Bund gehört mir,― ich probire ― der eine Schlüssel passt zu meinem (unwirklichen) Kasten, der irgendwie in der Loge steht ―

Nm. Brief von O.,― sie möchte jedenfalls in B.-B. bleiben. Landschaft, und die Menschen, die sie fand thun ihr wohl;― ich soll hinkommen, mir alles anschauen ― sie möchte jedenfalls miethen;― die Kofferexistenz nicht erträglich etc… ― Der Brief bewegte mich sehr;― wieder einmal scheint ein Abschluss definitiv; und ich sehe immer wieder: so unvorstellbar mir ein Zusammenleben mit ihr erscheint;― das völlig unwiderrufliche erschüttert mich tief.― Zugleich ein sehr lieber Brief von Dora.―

Vorher die Baronin Gisela Berger (wegen eines Autogramms für irgend wen) ― wir sprachen über ihren Vater, ihren Onkel (Alfred) und seine nun auch schon verstorbene Frau Hohenfels und das geheimnisvolle ihres Wesens.―

In der Burg. Paulsen. Er war „verletzt“, daß ich ihm die Stücke (Zwischenspiel, Eins. Weg, W. L., K. d. W.) die seit Jahren nicht gespielt werden gekündigt, mußte aber doch meine Gründe einsehen … Auf die Beatrice kommt er immer wieder zurück.―

Großer Festsaal der Hofburg ― mit Lili;― Concert Walter Steiner ― ; ich sprach Walter in der Pause; weil Noren mich ersucht hatte ― er räth: Hugo solle Strauß die Absurdität klar machen, daß dieser das Werk zweier Oesterreicher (Beatrice Oper) ― nicht einmal prüfen wolle ― (Aussichtslos natürlich.) ― W. fährt nach Amerika dirigiren.― Die Mahler Lieder ― Steiner,― Walter,― all das brachte Erinnerungen, die meine Stimmung weiter verdüsterten ― dazu noch ― daß ich so schlecht hörte. Ich hatte im Grunde nicht den geringsten Genuß ― ich hörte eben noch (von den Piano Stellen und manchem Baß abgesehen), aber der Wohlklang, die Fülle ist fort,― und ununterbrochen saust und klingt es von innen dazu. Frau Margit Steiner saß dann bei mir und Lili. Auch H. K. (mit ihrer Cousine) begrüßt ich flüchtig.