26/1 Traum: Bin in Berlin? Oder München, Art Theaterfoyer, will Sitze
nehmen ― zuerst für einen Samstag Vormittag ― ein Tedeum (? … sollte
neulich zu Braunfels T. gehn) ― auf der Tafel steht „der letzte Sitz“ 15
Mark, ich kaufe ihn, was mir etwas nobel vorkommt,― dann für eine
Shakespeare-Vorstellung Maß für Maß?? ― die leider nicht Abend sondern
Nachm. stattfindet, Moissi hat sich irgend wie schlecht benommen (meine
Ansicht von ihm!) ― ein Herr, Dir. Bellak von der Länderbank, aber er ist
irgendwie im Traum Secretair von Reinhardt oder dgl. ― geht ziemlich wichtig
herum, ich sage ihm dass ich schon gestern gehört, wie klug er sich in
dieser Sache benommen. Er ist mägrer als in Wirklichkeit (Deutung: er ist
sehr dick ― neulich kam ich mir nicht höflich genug gegen ihn vor und mache
es nun im Traum gut) … Gehe über einen großen Platz ― Stufen rechts in
Ellenlänge führen zu Säulen hinauf (ganz vage Beziehung zu irgend einem
Genueser Platz) ― ich weiß, dies ist die andre Seite von dem Theater das
neu gebaut wird (D.: vielleicht Neubau Teplitz) ― dann Bahnhofperron
Paris, erwarte meine Leute ― der Zug fährt ein;― vielmehr ich sehe nur
das Coupé;― darin meine Schwester (oder Tochter),― Heini oder Julius, ―
meine Mutter (nicht O.),― und mein Vater. Dieser bleibt düster sitzen,
grüßt mich nicht ― wie zerfallen mit der Welt, sehr müd und alt, die
Haare unordentlich,― besonders am Nacken (wie ich sie früh manchmal an
mir aergerlich sehe, weil solche Details mir das Alter bewußt machen) ―
endlich steigt er aus, wir entfernen uns alle (das ganze Erinnerung an mein
Abholen der Meinen in Chur 1914) ― wir sind nun alle wieder in dem Theater,
das eigentlich ein Hotel, in einem schmalen Gang, von wo das Foyer
sichtbar;― jemand sagt, daß irgend was praktisch sei in Hinsicht auf Lili,
sie könne hier allein auf uns warten (oder so ähnlich).― Die düstre
Erscheinung meines Vaters blieb mir sehr deutlich. Deutung offenbar ― daß
mir die Reise nach Baden-Baden zu weit sei (dessen Entfernung ich oft mit
der nach Paris fast gleichsetze) ― dann meine Allgemeinstimmung.―
Wache in tiefer Verstimmung auf;― die neue durch den Hauskauf geschaffene
Situation wird mir bewußt ― und ich weine viel ―
Neuerliche Einladung des P. E. N. Clubs London; sollt ich nicht doch hin?―
Gegen Mittag bei V. L.; die eben einen Aderlaß bekommen.― Ich spreche von
meiner Empfindung ― concreter aus ihrer Existenz nicht viel zu wissen.― ―
Dutzende Themen werden angeschlagen, wie immer ― man nähert sich ― in jedem
Sinn;― plötzlich reißt alles ab.― Wie halb auch das!―
Nm. an der Doppelnov.
Rmdth. Werkmann Liebessünden (Niese Thaller ― große Künstler). Heini
spielte die kleine Rolle eines Bauernburschen, ohne Überzeugung, sprach
den Dialekt sehr gut.―
Las die kindischen Skizzen und Gedichte des Frl. Trude Grün (Mscrpt.) ―
Begann Carlyle, franz. Revol. zu lesen.―