Mittwoch, 12. September 1923 1923-09-12 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-1151-5
Tagebuch 1923-1926 978-3-7001-2119-0 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1995 1923-1926 081 480 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Lochau Bregenz

12/9 Lochau. Träume u. a. daß Dr. Karolyi mit einer langen Nadel in meinen Zahn sticht, was mich (nach vorheriger Angst) gar nicht schmerzt, und sagt. Der Nerv ist eben todt.―

― Nach Bregenz; allerlei besorgt, Billets, nach Wien für mich und Lili; nach Baden-Baden für Olga.―

― Dr. Horowitz begleitet mich und beklagt sich, daß der Hotelier nun auch zwei andre Musiker engagirt habe; er wolle klagen;― er sei so einsam, nicht einmal Flirts mit Amerikanerinnen (wie in Salzburg und Kufstein (ein früh gealterter abnorm häßlicher herabgekommener Mensch)).― Zurück Lochau (Schiff). Strandbad und geschwommen (O. und Lili sonnen sich).―

― O. der ich meinen Traum erzähle meint er sei leicht zu deuten. (Sie meint offenbar: es schmerzt nicht mehr.―) Dabei ist es so schlimm wie nur je. Mir bangt vor der neuen Trennung;― und doch spür ich immer wieder, daß ein Zusammenleben unmöglich wäre. Und am stärksten beinah fühl ich Olgas Weh, die sich nun wieder von Lili wer weiß auf wie lang trennen muss. ― Wie viel Tragik und Sinnlosigkeit zugleich in diesem Zusammenbruch. Wie oft noch dieses Abschiednehmen und Wiedersehen. Nie mehr zur Ruhe.― Und die äußern Verhältnisse compliciren die Sache immer mehr. Sorgen, Sorgen, Sorgen.― In ihrem letzten Brief sagt Dora M.: „Müßte O. nicht wissen, daß diese Jahre ihre wichtigste und einzig lohnende Aufgabe sein müssen?“ ― Zu einem wirklichen „Gespräch“ kam und kommt es nicht.― In Lilis Gegenwart ist sie überherzlich, allzu zärtlich mit mir;― wenn wir zu zweit sind verschließen wir uns beide. Ich schreibe diese Zeilen in meinem schönen Zimmer mit dem Blick auf den See;― daneben Olga und Lili;― immer Thränen mühselig zurückdrängend,― und weiß, daß ich in Wien manchmal mit Sehnsucht an diese Stunden zurückdenken werde. Nun nehm ich den Verf. wieder her. Wird er je zu Ende gelangen?― Wer wird ihn drucken? Wer spielen? Wahre Anfängersorgen ― „auf der Höhe des Ruhms ―“ freilich auf dem Lebensweg nach abwärts ― (trotz allem …).