12/9 Lochau. Träume u. a. daß Dr. Karolyi mit einer langen Nadel in
meinen Zahn sticht, was mich (nach vorheriger Angst) gar nicht
schmerzt, und sagt. Der Nerv ist eben todt.―
― Nach Bregenz; allerlei besorgt, Billets, nach Wien für mich und
Lili; nach Baden-Baden für Olga.―
― Dr. Horowitz begleitet mich und beklagt sich, daß der Hotelier
nun auch zwei andre Musiker engagirt habe; er wolle klagen;― er sei
so einsam, nicht einmal Flirts mit Amerikanerinnen (wie
in Salzburg und Kufstein (ein früh gealterter abnorm häßlicher
herabgekommener Mensch)).― Zurück Lochau (Schiff). Strandbad und
geschwommen (O. und Lili sonnen sich).―
― O. der ich meinen Traum erzähle meint er sei leicht zu deuten.
(Sie meint offenbar: es schmerzt nicht mehr.―) Dabei ist es so
schlimm wie nur je. Mir bangt vor der neuen Trennung;― und doch
spür ich immer wieder, daß ein Zusammenleben unmöglich wäre. Und
am stärksten beinah fühl ich Olgas Weh, die sich nun wieder von
Lili wer weiß auf wie lang trennen muss. ― Wie viel Tragik und
Sinnlosigkeit zugleich in diesem Zusammenbruch. Wie oft noch dieses
Abschiednehmen und Wiedersehen. Nie mehr zur Ruhe.― Und die
äußern Verhältnisse compliciren die Sache immer mehr. Sorgen,
Sorgen, Sorgen.― In ihrem letzten Brief sagt Dora M.: „Müßte O.
nicht wissen, daß diese Jahre ihre wichtigste und einzig lohnende
Aufgabe sein müssen?“ ― Zu einem wirklichen „Gespräch“ kam
und kommt es nicht.― In Lilis Gegenwart ist sie überherzlich,
allzu zärtlich mit mir;― wenn wir zu zweit sind verschließen wir uns
beide. Ich schreibe diese Zeilen in meinem schönen Zimmer mit dem
Blick auf den See;― daneben Olga und Lili;― immer Thränen mühselig
zurückdrängend,― und weiß, daß ich in Wien manchmal mit
Sehnsucht an diese Stunden zurückdenken werde. Nun nehm ich den
Verf. wieder her. Wird er je zu Ende gelangen?― Wer wird ihn
drucken? Wer spielen? Wahre Anfängersorgen ― „auf der Höhe des
Ruhms ―“ freilich auf dem Lebensweg nach abwärts ― (trotz
allem …).