Donnerstag, 3. Jänner 1924 1924-01-03 Arthur Schnitzler Tagebuch 1879–1931 Arthur Schnitzler Peter Michael Braunwarth Data creation in LaTeX [for print edition] by Peter Michael Braunwarth Data transformation to XML by Matej Ďurčo Data collation, structural and semantic annotation by Peter Michael Braunwarth Data transformation to TEI by Peter Andorfer Index collation of mentioned places Ulrike Czeitschner Index corrections Martin Kirnbauer Index collation and corrections Martin Anton Müller Austrian Centre for Digital Humanities, Austrian Academy of Sciences
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Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Vienna 2017

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http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-11C2-5
Tagebuch 1923-1926 978-3-7001-2119-0 Arthur Schnitzler Werner Welzig Obmann der Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth Susanne Pertlik Reinhard Urbach Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 1995 1923-1926 111 480 Tagebuch 1879-1931 - Gesamtausgabe 978-3-7001-0395-0 Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kommission für literarische Gebrauchsformen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obmann: Werner Welzig. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth, Susanne Pertlik und Reinhard Urbach Band 1-10

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Wien

3/1 Träumte vom Krankenhaus, in einem Saal lagen auch Pestkranke, ich war Arzt und sehr besorgt, mir die Hände nur sorgfältig zu waschen; und verwundert dass ich noch nicht krank geworden. (Das Hospital irgendwie Decoration des 1. Cap. des neuen Romans, den ich weiter schreiben will;― Pest: ich sagte neulich, wir hätten ja eine Art Pestepidemie (Influenza) durchgemacht.) Dann träumt ich von der Meistersingerouverture, ich dirigirte aus einer Partitur ins Leere, war aber innerlich der Musik gewiss;― sah dann etwa die Decoration des 1. Aktes ― Beckmesser war schlank und edel, umarmte Sachs oder Stolzing,― symbolisch hatte jeder (?) einen drei(?)fach aufgeschnittnen Rettich in der Hand, die Schnittflächen mit Salz bestreut; auch eine Gruppe zu dritt,― von rückwärts, umschlungen, wie Botticelli Figuren war zu sehen; etwa in der Mitte ein weißer Engel und rechts und links Beckmesser? und Sachs. Das ganze in Beziehung zu der (nicht durchaus sichtbaren) Kirche. (Deutung: Kolaps Entzücken über die letzte Meistersingeraufführung;― ihre Bemerkung, Wiedemann mache aus dem Beckmesser eine tragische Figur;― die Bot. Figuren Bilder im Meier-Graefe;― der Rettich? ― (wohl sexuale Bedeutung).)

― Früh Dr. Hoffmann. Allerlei Affairen.

Zur Polizei, trug Reg. R. Scholz und Commissaer Hornegg die Zopfsache vor.―

Dictirt Briefe.

Für 2 waren Lili und Wucki zur Polizei beschieden;― die vernehmenden Leute hatten Lili in Verdacht, dass sie sich selbst den Zopf abgeschnitten;― Wucki in ihrer abgrundtiefen Dummheit und ihrem neuesten nur aus Verdrängungen zu erklärenden Verhalten; bestärkte sie offenbar darin;― ― ich selbst wurde flau. Im Zopf steckte eine Nadel ― er war nicht von einer Frau abgeholt worden; Frau Amalio selbst hatte ihn zur Polizei gebracht. Nun behauptet Wucki, Lili habe wahrscheinlich den schon zu Hause abgeschnittenen Zopf mittels dieser Nadel angesteckt;― was unsinnig, da der Zopf zu schwer. Lili leugnet keineswegs, dass sie vielleicht eine Nadel in die Haare gesteckt, da sie ja meist hohe Frisur trage. Auch wäre die Geschichte mit dem grünbebrillten Herrn allzu dumm erfunden, wenn sie nicht wahr wäre. Die Polizei behauptet man müsse spüren, sobald ein Zopf abgeschnitten würde;― die Erfahrung beweist das Gegentheil. Ich nahm Lili nochmals ins Gebet;― sie schwor, dass sie die Wahrheit rede ― hatte allerdings zum Gegentheil keinen Grund;― niemals noch hab ich oder ein andrer sie auf einer Lüge ertappt; es liegt auch gar nicht in ihrem Wesen. Die ganze Angelegenheit ist durch Wucki zu Lilis Ungunsten verschoben. Ein wahrer kleiner Criminalfall.

Am Verf.; der wieder stockt.―

Ernst Lissauer bringt mir einige seiner Stücke;― wir reden über verschiedene meiner Sachen.

Im tiefsten Schnee in die Stadt; mit H. K. Opernrest. (sie hatte mich wegen „Selbstmordgedanken“ hineingebeten).