10/1 Traum. In einem Hotel auf Reisen, ich wohne mit Lili und Olga;
Abreise von mir steht für übernächsten nicht nächsten Tag
bevor (was mich irgendwie beruhigt) … Olga und Lili liegen zärtlich
umschlungen auf dem Sofa; während O. nicht da, sagt mir Lili,
könnt ich nicht noch 14 Tage hier bleiben und Skifahren, oder
nach Darmstadt fahren. Ich rege mich sehr auf, sage, wir können
das Geld nicht so hinaushaun;― sinke hin, athemlos, mit einem
zum Theil simulirten Anfall.― O. wieder herein, jetzt schwarz
gekleidet (der Wechsel: Aurelie im 3. Akt ―), dem 20 Jahr alten
Bild auf meinem Pult ähnlich; O. sagt zu Lili ― Du hast ja deine
Mutter genug; worauf Lili (jünger als in Wirklichkeit) Meine
Großmutter in Wien hab ich eh genug, aber meine Mutter kann
ich nie genug haben … Ich soll packen oder dgl., bin in
Unterwäsche, ohne Talar;― O. ins Nebenzimmer, ohne schlafen zu
gehn,― da steht die Thür zum nächsten Zimmer (wo andre Gäste
wohnen) offen, und die Nachbarsdame steht beim Nachtkastl,
offenbar beschäftigt einen Ring O.s zu stehlen. Sie erblasst, und
verschwindet ins Nebenzimmer, das auch ganz erleuchtet, O. ihr
nach, ich bleibe gespannt stehen, die Frau steht an einen Tisch
gelehnt ― O. kommt zurück,― eine lange Person, die Tochter jener
Frau breitet schützend über die Diebin die Hand, resp. umarmt sie;―
die Thür schließt sich;― O. weist mir den Brillantring, den
sie also zurückerhalten (sie hatte nie einen ― die Gräfin W. sprach
gestern von Grethe Kainz, die den einen berühmten Brillantring
noch nicht verkauft habe) ― O. sieht ganz anders aus, groß, in
einer gelblichen Tracht, fast wie Schwesterntracht.― Vorher träumt
ich, daß ich radfahre, sehr geschickt, mit Tasche unter einem
Arm, durch Häuser,― statt in eine Thoreinfahrt (wie ich glaube) ―
in eine Höhle,― dann in einem Hof herum, der nah der Mauer
ein abgründiges Loch hat, ich vermeide geschickt, drehe das Rad
unter mir öfters im Kreis um seine Achse, wundre mich, dass O.
und Lili meinetwegen so wenig ängstlich sind.―
Vm. Vth. General Probe von Auernheimers Casanova in Wien;
fand es noch schwächer als nach Lectüre.― Sprach den Dichter,
Ludwig Bauer (Lugano),― Eulenberg, Richard, Paula, Frau
Menczel mit der ich heimfuhr.
― Dr. Horch theilt mir mit, dass Bassermann Sala nicht spielen
wolle, da er nur mehr in Stücken auftrete, wo seiner Frau eine
große Rolle zugedacht sei. So hatte Geyer mit mir angeknüpft,―
ohne B.s Zusage zu haben, und ich sitze, da ich Herterich
definitiv abgesagt,― zwischen drei Stühlen.
― Abends „Liliom“ im Rmdth. Pallenberg ausgezeichnet;― als
Todter ergreifend;― eine Debutantin Frl. Wagner sehr hoffnungsvoll.
Heini spielte gut die winzige Rolle des Arztes. Sprach u. a. auch
Molnar.― Genachtm. bei Gruß mit Heini, Arthur Kaufmann, Menczels.