18/8 Zermatt. Traum von F. S.;― wir begegnen uns irgend wo (auf Reisen);
es werden leichte und nicht absolut aufrichtige Worte über unser mäßiges
Verhältnis gewechselt;― es ist Zollvisitation, der Koffer von S.;―
Vorhänge auseinander;― es werden Thierfigurinen, fast lebensgross, z. B.
(schwarzes) Schaf mit Wolle,― auch andre ― was?;― herausgenommen;
Schmuggel,― wie hier üblich, es wird auch kein Aufhebens gemacht.―
Im Ort. In einem Laden, wegen oesterr. Ztg.;― der Verkäufer erklärt,
eigentlich löse er den Laden jetzt auf nach dem Tode seiner Frau (wie
auch 25 andre in verschiedenen Curorten etc.);― er sei eigentlich
Schriftsteller;― er sieht recht wie ein „Subject“ aus; herabgekommen und
wienerisch-verschwindelt.― Name?― „Hembo“ ― ich erinnere mich gleich,
dass ein Herr dieses Namens vor etwa 34 Jahren in einem Blättchen eine
Anatolscene nachgedruckt ― sage es ihm;― er überreicht mir auf einem
Blatt seine Selbstbiografie (Correspondent etc.);― sowie einen Plan von
― Zermatt ― nimmt ihn nicht bezahlt;― das Gespräch mit mir sei ihm
so viel werth;― ich sage, da müssen Sie mir mindestens noch 30 cent. herausgeben ―
Mit C. P. spazieren gegen Findelen. Anschließend an den Traum von
F. S.;― über das Verhalten der „Freunde“ insbesondre gegenüber
„Gang“. ― Ich muss gestehen, dass mir dieses Erlebnis näher geht und
länger nachgeht als andre dieser Art ― wegen des völlig symptomatischen ―
(fast symbolischen). Warum dieser (selbst bei geringern Qualitäten des
Stückes) fast obstinate Widerstand ― von Gleichgiltigkeit bis zu Büberei?―
(Andre Beispiele, nicht nur aus dem „Freundeskreis“ ―) ― Dieses nicht
sehen wollen ;― dieser nur auf das erotische Problem gebannte Blick,―
dieses geflissentliche Nichtahnen von der politischen Hälfte;― dieses
Nichtmerken der Kanzlergestalt;― das Überhören der Verse, von denen
manche doch wirklich schön, und dramatisch schön sind. Von F. S. Seite
ist es (wie ich mehr spüre als weiss) ― ein systematisches Wühlen …
Nein,― dieser entschloss sich nie mich „grenzenlos zu lieben“ (wie er
sich wahrscheinlich öfters einbildete);― was zu verdrängen ihm manchmal
äußeres, wohl auch inneres Gebot war; nun ― (da nicht mehr viel Zeit ist,
die Rechnung ins Reine zu bringen) bricht es machtvoll hervor ― jede Gelegenheit benutzend.
― Wir saßen da und dort in der Sonne, und ich bilanzirte für mich
allein fort.― Dass ich mit C. P. reise; angenehm ― auch darum, weil ich
kaum seelisch jetzt völligem Alleinsein gewachsen wäre.― Fortsetzung
noch unklar;― von V. L. keine Nachricht.― Dass ich wegen den
Haus-Reparaturen etc. erst Mitte September zurückkann, jedenfalls
aergerlich.― Meine Ausgaben ins maßlose.―
O. und Lili im Corno d’Oro, Lido.― Mein Nachgeschmack natürlich doch
nicht ganz gut. In der Ferne wird die Einsichtslosigkeit doch wieder
allzu evident. Immer noch, besonders in der Ferne,― fühl ich, wie sie
immer noch darauf beharrt ― ihr sei von mir ein Unrecht widerfahren;―
ich hätte entweder gleich 1921 ― da G. sie enttäuschte ― die Scheidung
annulliren ― oder doch Lili ihr überlassen sollen (wie, bleibt unklar ―
und wie unverantwortlich es gewesen wäre,― zeigt der bisherige Verlauf
von O.s äußerer Existenz). ― Dabei ihre kaum verhehlte Empfindung, daß
ich ihr ein Unrecht zufüge, durch meine Beziehung zu C. P.;― und immer
wieder der Versuch (innerlich) ― mir die Schuld an den negativen Seiten
in Lilis Wesen zu geben.― „Wie lange werden wir uns noch unglücklich
lieben“ ― fragte sie diesmal wieder. Die jetzige Form ― ist immer noch
die „glücklichste“, die zwischen uns denkbar.―
Von Lili hab ich diesmal ein fremderes Bild mitgenommen als je;― es ist
wohl nur ein durch verschiedene Umstände begründetes vorübergehendes Gefühl ― aber es bedrückt mich.―
Nm. am Roman.―
Spaziergang.