22/2 Träume. Burgtheater, sitzend an eine Coulisse gelehnt nah an einander
ich und Frau Mayen, wie ich allmälig erkenne; Wangen zärtlich aneinander.
Sie: Haben Sie gar keine Angst vor mir. (Das bezieht sich zugleich auf
ihren Schnupfen und darauf, dass sie die Frau von U. der mir mein
Verhalten zu seinem Stephi Roman übel nimmt.) Ich: keine Angst; übrigens
find ich ja Ihren Gatten toll. Sie widerspricht sehr milde.― Wir sind ―
vom Bth. aus; auf einer absteigenden etwas engen Straße,
italienisch-salzburgerisch,― Frau M. mit ihrem Gatten, der aber jetzt
Richard Specht ist, hinter mir: ich solle nicht weiter ― die Straße
sei durch die Kirche am Ende abgeschlossen. Ich glaub es nicht recht;―
doch es stimmt ― die Gasse ist blockirt; immerhin geh ich in die Kirche
(von rückwärts), irgendwelche Büroräume, ein Diener oder Sakristan,
dann in die dämmerige vage Kirche, und durchs Thor vorn heraus, auf eine
Stiege, die in den Park führt, etwa Schönbrunn. Auf der Stiege, von
Kindern umgeben, ein mir Unbekannter, etwa Wächter, oder [Detektiv],
Vollbart, altitalienisch, schwarzer Mantel?, höflich-hinterhältig, will
mich quasi nicht fortlassen ― vielleicht ― halb scherzend ― habe ich
etwas mitgenommen aus der Kirche (unklar) ich wohl etwas beunruhigt,
erwidre ablehnend, bin aber froh, da er sich nun (zu den Kindern?) wendet,
in den Park zu verschwinden. Rechts an ungeheuern Glasfenstern?
etwa wie im Neapler Aquarium, ohne an dergleichen zu denken,― hinter
jedem Glas ein großer Saal, mit Marmorboden;― ich mit Lili (?), in einem
Saal verstreute Rokokogestalten; im nächsten zwei Reihen eng auf Stühlen
einander gegenübersitzender in weißen Tüll gekleideter Frauen. Ich habe
zugleich die Empfindung, dass ich all dies geistig, mit einigem effort
erschaffe.― Nun weiter, wohl ins Schloss; jedenfalls steh ich in einem
eher armseligen Zimmer, zugleich Decoration;― ich spiele den Hamlet;―
der König ist auch da, mit der Königin, er wünscht dass wir ein
Verhältnis haben, dazu steht auch das (armselige) Bett da „es wird Euch
niemand stören“; er undeutlich; sie der längst verstorbnen Schauspielerin
Schmittlein ähnlich, etwas köchinnenhaft; hat die Bluse ausgezogen und
löst sich die Miederbänder;― ich bin empört über die Zumuthung, fliehe
― es ist zugleich wirklich und das Stück,― über freiliegende Stiegen,
wieder in einen Park,― die Königin empört, ans Fenster, mit verzerrtem
Gesicht „So stirb“ und schießt mir nach. Ich unter Bäumen irgendwie
verborgen, werde getroffen oder auch nicht;― falle ― oder auch nicht;―
fliehe jedenfalls weiter, bin nun in einer Art Vortrags- oder Concert-
oder Schulsaal; auf dem Katheder, an Professor-Stelle ein Schuljunge, es
ist eigentlich ein Stück, und wo wir sind, die Bühne; der Hauslehrer des
Schuljungen etwa Romberg sitzt seitlich, auch auf dem Katheder, im
Überzieher und frühstückt (Würste?), was ich unmanierlich finde. Das
ganze, in theatralischem Sinne, ist komisch. Nun kommt die Mutter des
Jungen, ― es ist die Mutter des Hamlet ― oder die gleiche Schauspielerin,
bürgerliche Mutter, lächelt mich sehr freundlich an; ich bin ein andrer
Schuljunge, auch auf dem Katheder, spiele vielmehr diese Rolle und, die
Gelegenheit benutzend, in absichtlicher Kindersprache (die Worte vergass
ich) erkläre ich, dass ich nun nach Hause gehe;― die Kathederstufen
hinab; die Mutter sieht mir nach, lächelnd;― durch die Thüre (gleich
seitlich) durch Gänge, den Ausgang suchend ― endlich an der Thür,
Portier ― ?,― merk ich, dass ich den Pelz nicht habe, den ich bei der
großen Kälte brauche;― zurück ― breiter Garderobengang, im
Hintergrund ein galonirter Hoflakai, mit „Kaiserbart“. „Ah wie kommt
denn der Dr. S. hieher“, er ist aber vielleicht ein Schauspieler, der
den Lakai spielt. Ich froh ihn zu treffen, ohne recht zu wissen wer er ist ―
„Sie werden mir zu meinem Pelz verhelfen können“,― wo mag er sein;―
im Zuschauerraum, auf einem Sitz? ― da kommen andre (nicht viele)
Schauspieler aus den Garderoben, Rococoherren, einer, der mit mir spricht,
ist Marr;― einer hängt sich plötzlich zu intim in meinen Arm: er ist in
Civil, fragt, ob ich schon die Aenderungen in der Schluss?scene gemacht;
ja es ist geschehn (erzählte neulich C. P. von den Aenderungen
„Literatur“, die ich in letzter Stunde gemacht); der Schauspieler ist
theils der Maler Born (mit dem ich neulich telef. lang sprach) theils der
Tenor Ziegler (den ich neulich in der Oper, Macht des Schicksals, darauf
im Opernrest. gesehen hatte und der mich grüßte ― erst später erinnerte
mich O., dass ich ihn irgendwo persönlich kennen gelernt habe), theils
Walden, der längst verstorbne. Er bedauert, dass er nach dem 1. Akt
nichts zu thun habe ― er gehe eben von der Probe nach Haus ― ich bedaure,
dass ich nicht früher dagewesen. (Im „Nachfolger“ gestern die
Dialogstelle, dass Franzi nur im 1. Akt zu thun.)
Vm. bei Dr. Peter. Anlegung der „Brücke“ (erste).―
Zu Tisch bei L.s. Nachher noch lang mit V. L. geplaudert.
― Nm. am „Landsknecht“.―
Z. N. bei C. P.;― wo ihr Bruder Otto mit Frau, und Kolap. Dr. O. L. hatte
mir klug übers Diagr. geschrieben (und eines selbst verfertigt).― Ich
spielte (mäßig) Clavier; sprach dann allerlei zu den Diagrammen, und
probirte den Hörapparat Otto L.s (der sehr schlecht hört; sich dabei
Heiterkeit und Güte bewahrt).―